Social Media

Ein Stück vom Web 2.0-Kuchen

Maria Kapeller, 8. April 2010, 17:11
  • Artikelbild
    foto: dpa/dpaweb/uli deck

    PR-Experte und Blogger Ed Wohlfahrt über den "Web 2.0-Kuchen" und wer das größte Stück abbekomen sollte: "Ich denke, vor allem in der PR-Branche ist die höchste Legitimation vorhanden."

Jeder will mitnaschen, aber wer hat die höchsten Kompetenzen für Social-Media-Seiten wie Facebook & Co.? derStandard.at hat bei Brancheninsidern nachgefragt

Social-Media-Netzwerke wie Facebook und Twitter werden von Unternehmen genutzt, um nicht nur traditionelle Einweg-Kommunikation zu betreiben, sondern mit Kunden und Interessenten in Interaktion zu treten. In einer aktuellen Umfrage von Marketagent.com wird Kommunikation im Web 2.0/Social Media von mehr als 200 befragten Experten aus den Bereichen Medien, Kommunikation, PR und Werbung gleich nach der Online-Werbung als effizienteste Kommunikationsmaßnahme genannt.

Multimedia-Agenturen am beliebtesten

Wer aber ist zuständig für diese scheinbar so relevante Zwei- beziehungsweise Mehrweg-Kommunikation? Wer hat die höchste Kompetenz dafür und warum? Darüber, ob entsprechende Strategien im Betrieb entwickelt oder ausgelagert werden sollen, scheiden sich der Studie zufolge die Geister: 37 Prozent der Befragten sind für eine unternehmensinterne Durchführung, etwa gleich so viele für eine Auslagerung, knappe 25 Prozent zeigen sich unentschieden. Bei einem anderen Punkt ist man sich eher einig: Multimedia-Agenturen wird mit mehr als 78 Prozent die höchste Beratungskompetenz für Social-Media-Maßnahmen zugesprochen. Dahinter kommen Kreativ-Agenturen (56 Prozent), Mediaagenturen (38 Prozent), PR-Agenturen (35 Prozent) und zuletzt Unternehmensberater (9 Prozent).

Dialogorientierte PR-Branche

derStandard.at hat bei Branchenexperten nachgehakt, wer Social-Media-Maßnahmen entwickeln und umsetzen sollte, und wem im Gegensatz dazu das nötige Know-How abgesprochen wird: "Gerade Social Media ist für alle ein neues Tool, um Zielgruppen - und dieses Worte verwende ich bewusst - zu erreichen", sagt Martin Bredl, Präsident des Public Relations Verbands Österreich und Kommunikationsleiter bei der Telekom. Er hält es nicht für nötig, dafür eine neue, eigene Agenturbranche aufzubauen: "Die Tools sind zwar neu und revolutionär, inhaltlich gehen sie aber mehr in Richtung PR, die schon immer dialogorientiert war."

Auch Ed Wohlfahrt, der in Kärnten eine PR- und Social-Media-Agentur sowie einen Blog betreibt, ist derselben Meinung: Es gebe einen Kuchen, auf dem Web 2.0 stehe und an dem viele mitnaschen wollten. "Und viele haben auch die Legitimation", sagt Wohlfahrt, "ich will das niemandem absprechen." Bei Social Media gehe es aber vorrangig um Kommunikation und nicht um die technische Umsetzung von Werbebotschaften. Man müsse das Große und Ganze im Blick haben, Gespräche über firmenrelevante Inhalte führen - die Umsetzung oder ein schönes Design würden dabei in den Hintergrund rücken. "Unternehmen müssen ein Bewusstsein für 'die Gespräche da draußen' kriegen und auf Augenhöhe mit den 'Leuten da draußen' kommunizieren."

"Neue Kundenkarte Web 2.0"

Naturgemäß anders sehen das Social-Media-Agenturen: PR und Marketing sollten sich aus Facebook & Co. heraushalten, weil sie "keine Ahnung davon haben", wie Stefan Schmertzing von der Agentur Wunderknaben es formuliert. Er kommt selbst aus der klassischen Werbung und kenne die Unterschiede: Social Media sei ein eigener Bereich, der mit Werbung nichts zu tun habe. Die Werbebranche würde zwar gerne eine Rolle spielen, habe den Onlinebereich aber zehn Jahre lang vernachlässigt. "Neben technischem Wissen geht es bei Social Media auch darum, wann und wie ich die Plattformen einsetze", sagt er. Er spricht von der "neuen Kundenkarte Web 2.0", man müsse eine Community aufbauen und wissen, wie man mit den Mitgliedern umgehe. In dieselbe Kerbe schlägt Gerald Bäck von der Agentur Digital Affairs: Die Betreuung von Social-Media-Netzwerken sei keine Einweg-Kommunikation und daher auch nicht Sache von Marketing und Werbung. Sie gehöre zur Gesamtkommunikation eines Unternehmens.

Gute Ideen sind weiterhin gefragt

In der Kreativbranche, die laut Social-Media-Agenturen wenig Kompetenzen für die Web 2.0-Kommunikation hat, will man sich nicht ausschließen lassen: "Social Media ist so vielschichtig, dass es alle Bereiche betrifft", ist Eduard Böhler, Präsident das Creativclubs Austria und Chef der Werbeagentur Wien Nord, überzeugt. Die Kommunikationsbranche müsse man als Ganzes sehen, sie habe sich schon immer neuen Herausforderungen stellen müssen. Heute sei das eben Social Media - nicht nur ein "wichtiger Ort der Meinungsbildung", den die PR berücksichtigen müsse, sondern auch "eine wichtige Marketingplattform", die das Marketing nutzen sollte. "Niemand wird dieses große Ding ernsthaft für sich alleine beanspruchen können. Auch Social Media steht im Kontext zu allen anderen Kanälen, ein strategisch denkender Kommunikationsdienstleister muss alle Kanäle gesamthaft bedienen können, nicht nur einen." Was hat die Kreativbranche nun konkret mit dem Web 2.0 zu tun? "Nicht zuletzt sind die Kreativen jene, die die komplexen Funktionalitäten auf kreative Weise entfesseln können. Denn eines ist auch klar: Social-Media-Präsenz darf keine Pflichtübung sein, sondern braucht wie jede andere kommunikative Aktivität gute Ideen, um erfolgreich zu sein."

Unternehmen müssen selbst aktiv werden

Fazit: Unternehmen sollten Social-Media-Kommunikation nicht einfach auslagern, sondern mitunter selbst aktiv werden. Dazu braucht es professionelle Beratung und Unterstützung - soweit herrscht Konsens. "Man kann ihnen nicht ersparen, sich selbst damit zu beschäftigen", bringt es Bäck von Digital Affairs auf den Punkt. Agenturen seien vor allem für die Beratung und Führung da, würden allenfalls eine gemeinsame Umsetzung unterstützten. Auch Wohlfahrt berät zwar Unternehmen, die Kommunikation selbst müsse aber großteils intern umgesetzt werden, um authentisch zu bleiben. "Daran kranken viele Projekte. Zuerst wird abgecasht, aber eine langfristige Denkweise gibt es nicht." Darüber, wer die Unternehmen am besten beraten und unterstützen kann, scheiden sich aber die Geister - jeder scheint am Web 2.0-Kuchen mitnaschen zu wollen. (Maria Kapeller, derStandard.at, 8.4.2010)

Kommentar posten
10 Postings
her wig
00

Ich würde es zu denen geben welche für die Pflege der Kundenbeziehungen zuständig sind. Werbung spielt dann aber nur eine unter*schluck*geordnete Rolle.

GoranM
10
Easydegree

Web2.0 und Sozial Networks bieteen meiner Meinung nach aber gute Möglichkeiten zur Informationsfindung. z.B.
www.easydegree.at bietet zum Thema Web2.0
eine Beratung von Studierenden an Studierende.
Find das ist ein gutes Beispiel wie ein SozialNetwork gut genützt werden kann.

her wig
00

Ja, glaub ich auch, aber das ist etwas anderes als der vermeintliche Werbekuchen von dem da oben zu lesen ist.

Sepp Auerbach
01
es ist

erschreckend wie viele so genannte social media experten in letzter zeit aus dem boden geschossen sind. mehr als ein konto bei fb anlegen koennen viele nicht.

Sabrina Oswald
00
Ratlosigkeit allerorts

Die Ratlosigkeit ist gross auf Kundenseite und nur an wenigen Positionen sitzen "Wissende". Ich gebe Gerald Bäck recht:
Ja, Social Media ist ein integraler Bestandteil der Unternehmenskommunikation geworden.

Aber ich glaube PR hat den besten Zugang dazu. PR weiss Content zu handeln. PR weiss Krisen zu bewältigen. Die "Beschränkung" auf Facebook alleine und bunte Bilder/ lustige Aktionen ohne Strategie ist erschreckend.

Der Ohrensohn
11
in österreich?!

finden sie bitte mal gängige pr-agenturchefs auf FB. da kommt einem das grauen ... FB ist nichts für menschen deren daily business die klassische medienarbeit ist. und das ist nunmal das brotgeschäft der PR.

Anzugsprech hat in SocialMedia nichts verloren.

PR weiß Krisen zu bewältigen? Sorry aber hat Hochegger uns nicht gezeigt, dass PR eben nichtmal weiß interne Krisen zu bewältigen? Das war immerhin die #2 Agentur in Ö. Und ist es so dialogorientiert wenn die Publico Mitarbeitern diktiert die Firma auf Xing nicht anzugeben?

PR hat im generellen sicher mitzureden. In Ö liegt die Kompetenz bei SocialMedia sicher woanders. Krea, Media und Spezialagenturen sind vorne weil sie wissen wie die ZG tickt. PR ratet ohne Zahlen zu kennen.

knievel
01

"brancheninsiderin für social-networking"
ist in etwa so eine witzbezeichnung wie "society-expertin" :-)

Gerald Bäck
02
Kerbe

Ich schlage natürlich nicht in die selbe Kerbe. Denn klarerweise kann Social Media auch PR, Marketing und Werbung betreffen und dort gut aufgehoben sein, nur eben nicht allein, weil es eben Teil der internen und externen Gesamtkommunikation eines Unternehmens ist.

Und natürlich gibt es einige hervorragende PR- und Marketingverantwortliche, die sehr wohl Ahnung von Social Media haben.

klausc
00

find ich auch...es betrifft alle 3 Bereiche - PR, Marketing und Werbung..
nur leider wird das ja oft zu wenig unterschieden, bzw. wird es viel zu oft alles in einen topf gegeben.
womit wir bei den internen kompetenzproblemen wären..

ztz
16

Die Wahrheit ist vielmehr, dass genau diese befragten Unternehmen den zu beratenden Unternehmen für diese Dienste das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Social Media ist hip, so wie es vor kurzem noch Web 2.0 war und davor Podcasts.

Die Stimmen die ich hier lese in diesem Artikel sind entweder auf einen Sale aus, oder haben vom Web wenig Ahnung.

In 1-2 Jahren ist Social Media wieder nur ein Teil des e-Marketings und der ganze "Zauber" ist verfolgen - ich freu mich darauf.

Die ganzen Social Media Gurus nennen sich dann eben um. Die wissen ja auch wie das geht, nachdem sie vor 2 Jahren noch Web 2.0 Gurus waren :o)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.