Völlig schmerzfrei werden Kinder von traditionell chinesischen Medizinern mit Softlaser akupunktiert
Der Frühling zieht in das Land. Alles grünt, blüht und treibt - jedoch nicht zu jedermanns Freude. Pollenallergiker wissen diese Jahreszeit wenig zu schätzen und sind dabei schon längst keine Randgruppe mehr. Die Allergie ist zur Volkskrankheit avanciert.
Scheinbar widersprüchlich ist die Tatsache, dass Stadtmenschen wesentlich häufiger unter Pollenallergien leiden, als Menschen auf dem Land. Die Hygiene-Hypothese hat in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten. Das „keimfreie" Aufwachsen der Stadtkinder wird hier für die Allergieanfälligkeit verantwortlich gemacht. Nebenbei sprießen in den Städten Allergieambulanzen aus dem Boden und ausgebildete Allergologen stellen exakte Diagnosen wesentlich früher und häufiger.
Allergische Kinder leiden in der Pollensaison ganz besonders, sind sie doch in ihrem Bewegungsdrang stark eingeschränkt - so auch mein kleiner Patient. Während seine Freunde Fußball spielen und Rad fahren, leidet er unter roten tränenden Augen, Niesanfällen und rinnender Nase. Der nächtliche Schlaf ist durch die verstopften Atemwege schwer beeinträchtigt. Die Möglichkeit einer Hyposensibilisierung (Impfung gegen Allergie) gegen die Birkenpollenallergie wurde nach vorausgehender Testung vom zuständigen Facharzt vorgeschlagen. In Absprach mit seiner Mutter hatte sich der Junge dazu entschieden, es mit Akupunktur zu versuchen.
Laser statt Nadel
Für Kinder werden in der Regel keine Nadeln verwendet, sondern moderne Softlaser (low level Laser). Dieses Licht arbeitet in einem bestimmten Wellenlängenbereich und regt damit den Zellstoffwechsel an. Der Vorteil für Kinder: Die Therapie ist vollkommen schmerzfrei.
Aus ganzheitlicher Sicht gilt es zu beachten, dass 70 Prozent aller immunologischen Reaktionen im Darm stattfinden. Somit gehört parallel zur Allergiebehandlung abgeklärt, ob Verdauungsprobleme bestehen. Gerade die Birkenpollen besitzen bekannte Kreuzallergien mit verschiedenen Nahrungsmitteln wie Apfel, Sellerie oder Kernobst. Das deckt sich auch mit den Bedürfnissen meines Patienten. Der Junge isst außer Bananen, so gut wie kein Obst und schützt sich so selbst instinktiv vor der Belastung mit Nahrungsmitteln, die sein Organismus nicht verträgt.
Es macht Sinn eine Akupunktur-Behandlung mindestens ein, besser sogar zwei Monate vor der Pollenbelastungszeit zu beginnen. So gibt man dem Organismus Zeit, langsam mit der Regulation zu beginnen, die schlussendlich dazu führen soll, Allergene nicht mehr als „feindlich" zu betrachten. Eine homöopathische Begleitung bewährt sich bei Kindern besonders. Die kleinen Zuckerkügelchen werden freudig angenommen und vermitteln den Kindern nicht das bedrohliche Gefühl einer Therapie. Pollen werden ebenso wie Tierhaare, Milben und sonstige Allergie Erreger homöopathisch verarbeitet und bereits zwei Monate vor Saison täglich eingenommen.
Ohrakupunktur für akute Symptome
Sobald die Allergiesaison beginnt, bewährt sich für akute Probleme, wie Schnupfen oder Augenbrennen, die Chinesische Ohrakupunktur. Bei Kindern wird wiederum auf Nadeln verzichtet. In China werden kleine Samenkügelchen verwendet, ich arbeite mit Magnetkügelchen, die ich meinem kleinen Patienten ins Ohr klebe. Diese kann er jederzeit selbst drücken, sich also selber eine Akupressur verabreichen.
Die Erfahrung zeigt, dass gerade Kinder sehr gut auf die Behandlung reagieren, was aber nicht bedeutet, dass sie nach einer Behandlungssaison für immer beschwerdefrei sind. Allergien können immer wieder und in ganz unterschiedlicher Ausprägung an den verschiedensten Lokalisationen auftreten. Die Gefahr, dass sich aus einer kindlichen Allergie ein allergisches Asthma entwickelt, ist immer gegeben. (derStandard.at, 9.4.2010)