Planlose Helden mit neuen Sandalen

7. April 2010, 18:31
  • Artikelbild
    foto: warner bros.

    Ein gut informierter Halbgott stürzt sich im Blindflug der Medusa entgegen: Der 3-D-erfahrene Sam Worthington, hier als Perseus, und Natalia Vodianova im Ganzkörperschlangenfraukostüm im jüngsten US-Eventkinospektakel "Kampf der Titanen".

Es klescht bei den alten Griechen, und an den neuzeitlichen Kinokassen klingelt's: "Kampf der Titanen", der jüngste Erfolgs-Blockbuster der laufenden Saison, erreicht jetzt auch die heimischen Lichtspielhäuser

Wien - Das US-Blockbusterkino ist fest in der Hand der Fantasten. Im Windschatten von James Camerons "Avatar" halten sich in den Einnahmenstatistiken hartnäckig Grinsekatzen, Zauberer und Vampire. Nun hat man ein weiteres Mythenreservoir angezapft und schickt mit "Kampf der Titanen" ("Clash of the Titans") antike Heroen ins Rennen.

Rund um einen primär optisch ansprechenden Heldendarsteller dürfen sich darin jede Menge ehrbare Mimen nach Herzenslust zum Affen machen: Ralph Fiennes etwa spricht inbrünstig gepresst den Unterweltherrscher Hades. Liam Neeson blendet seine Gegenüber meist mit einer chromblitzenden Rüstung. Er darf als Zeus aber auch mit Adlerschwingen nackig aus der Bettstatt einer böse getäuschten Königin davonfliegen. Wirklich alle können endlich vom Schauspielschulunterricht im Fach Hieb- und Stichwaffen Gebrauch machen.

All das könnte sehr zum Gaudium und zur Zufriedenheit des Publikums ausfallen. Wenn man nur mit etwas mehr Sinn für freiwillige Komik, mit inszenatorischem und dramaturgischem Geschick an die Sache herangegangen wäre. Nicht, dass man sich am Fundus der antiken Götter- und Heldensagen nicht auch freier bedienen dürfte. Im Fall von "Kampf der Titanen" wirkt der Umgang mit Handlungsversatzstücken und Figuren aus der griechischen Mythologie (Stichwort: Perseus-Mythos) aber ebenso beliebig wie leicht planlos.

Dies ist typisch für den ganzen Film, der nicht nur das große Spezialeffekt-Finale mit einem gefürchteten Seeungeheuer ("The Kraken!") vergeigt. In den Actionsequenzen wird vor allem aufs (Schnitt-)Tempo gedrückt - sonst lässt sich, abgesehen vom Score von Ramin Jawadi, kein Wille zu spezifischen kreativen Überlegungen erkennen. Dass man hinter der 3-D-Brille immer noch einen merklichen Helligkeitsverlust in Kauf nehmen muss, trägt zur Übersicht in den kitschigen Panoramen nicht bei.

Der Neo-Sandalenfilm, den Louis Leterrier ("The Incredible Hulk") inszeniert hat, geht auf ein filmisches Vorbild gleichen Namens aus dem Jahr 1981 zurück - der letzte Film, an dem Stop-Motion-Artist und Monsterschöpfer Ray Harryhausen aktiv beteiligt war. Hauptsächlich geht es - auch in vielmarkigem Männertalk - darum, dass der Fischer Perseus seine Identität als Sproß des blitzeschleudernden Supermachos Zeus anzuerkennen lernt. Damit er dann, anders als die olympischen Hedonisten, seine Kräfte als Halbgott in den Dienst der Menschheit stellt. Die Beigabe eines Pegasus, eines Schwerts und einer selbstständigen Frau, die mit dem Fluch ewiger Jugend belegt ist, wirkt motivierend.

Zwischen zwei Welten

Den Helden zwischen zwei Welten spielt der Australier Sam Worthington. Eine ähnliche Rolle hatte er schon in "Avatar". Während dieser zumindest technisch Neuland betreten hat, wurde das Titanen-Spektakel erst nachträglich zur 3-D-Version aufgerüstet. Das schmälert den Effekt beträchtlich, rechtfertigt aber das Einheben eines höheren Eintrittspreises.

Die Produzenten freuen sich wohl auch deshalb über einen erfolgreichen US-Start am vergangenen Osterwochenende. Rund 61 Millionen US-Dollar hat der gut doppelt so teure Blockbuster dort eingespielt. Wenn auch der Eintrag in die Filmgeschichtsbücher fraglich sein dürfte, in die Kommerzheldensagen wird der Sturz des amtierenden Osterrekordhalters "Scary Movie 4" durch die neuen Box-Office-Titanen im Jahre 2010 sicher eingehen. (Isabella Reicher / DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2010)

 

Kommentar posten
23 Postings
Olivio Tasso
00
11.4.2010, 21:11
Lieber auf "Immortals" warten

http://www.imdb.com/title/tt1253864/

lohnt sich bestimmt mehr als Leterriers Remake-"Trash"!

Attila der Hunnenkönig
 
00
Alle Mythenwissenden

Was muss ich machen um mit dem Fluch der Ewigen Jugend belegt zu werden? Vom Älter werden habe ich schon genug!

Timagoras
 
00
16.4.2010, 11:48
"Was muss ich machen ...?"


Sie suchen sich eine göttliche liebhaberin, und lassen die das regeln:

http://de.wikipedia.org/wiki/Endy... ythologie)

;o)

beowulf2
 
00
16.4.2010, 06:20

Da müssen sie schon den kreativen (?) Drehbuchautor fragen. Die Io in der Mythologie wurde nämlich nicht mit dem Fluch der ewigen Jugend belegt, sondern in eine Kuh verwandelt.

Das wünschen sie sich sicher nicht :-)

Lola Kauzig
01
Besser ohne 3D

Ich hab mir den Film gestern in 3D angesehen. Man merkt, dass er erst im Nachhinein in 3D umgewandelt wurde, da zeitweise Personen unscharf sind bzw. mit einem Schatten ihrer selbst erscheinen, der wohl den 3D-Effekt darstellen soll. Die Handlung ist dünn und die erste halbe Stunde war sehr langweilig. Nur bei wenigen Actionszenen kommt Spannung auf. Das Highlight für mich war der Kampf mit den Riesen-Skorpionen. Man hätte mehr aus der Geschichte machen können. Genervt hat mich Ralph Fiennes als Hades, der ständig nur geflüstert hat.
Ich empfehle, den Film auf keinen Fall in 3D anzuschauen und nur dann, wenn einem der Sinn nach einer leicht unterhaltenden Heldensaga ist. Ästhetisch gibt er ohne 3D sicher ein bisschen was her.

match box
01
Hier

ist auch noch eine nette Kritik:

http://www.heise.de/tp/r4/art... 404/1.html

Eiffel LaTour
00
Griechische Mythen...

sind einige der interessantesten Dinge, die die Menschheit zu Tage gebracht hat. Auch wenn die Äußerungen zu dem Film eher mau sind, ich werd's mir trotzdem anschauen müssen.

gärtner
00

ich glaube der film wurde für kinder gemacht, im ernst.

das poppende lottchen
00
sogenannte "familienfilme"

sind immer für kinder gemacht.

al valió
01

eigentlich mag ich ja hirnlose monster&helden-actionkracher durchaus, aber der film war leider nix.

alles was gut daran war kann man auch schon im trailer sehen. im film hat man die actionsequenzen und monsterauftritte des trailers dann auf mehr als 1,5h verteilt, und der stimmung hilft das ganz und gar nicht (liam neeson im peinlichen bling-bling-gewand wie aus einem ganster-rapper-video ist genauso kontraproduktiv...).

wer sich den film dennoch ansehen will der soll auf jedenfall auf die sogenannte "3d-version" verzichten. die ist meiner meinung nach eher etikettenschwindel, von 3d ist nicht viel zu merken ausser dass das bild dünkler wirkt...

Hustler
00
Tipp: Lieber God of War 3 zocken!

auf am*zon.co.uk in Originalsprache und deutlich billiger als bei uns im Handel.

Ringweltler
00
nur in 3D?

spielt es den film auch im guten, alten 2D und dafür mehr Helligkeit? Hoffentlich vergisst man im ganzen 3D-Hype nicht auf den Inhalt der Filme ... nur so btw.

au contraire
00

Hm, irgendwie werd ich leicht nervös, wenn sich Hollywood über antike Mythen hermacht. Geht's nur mir so?

Die Zeit ist reif
10
Yep,

nur Hollywood ist wie Tirol im Winter, dort treiben sich
Menschen aus der ganzen Welt herum und so soll es
eher dem kapitalistischen Vergnügen wie
der Sagen- u. Geschichtstreue dienen ;-).

FranzKK
 
02

Sehe mir lieber das Original nochmal an :-)

Naschgul
00
13.4.2010, 11:59

Der Film rult *g* Der hat wenigstens auch eine Handlung und lebt nicht nur von Special Effects :)

RazrLocke
00

Mich erinnert das auch eher an eine schlechte "god of war" kopie... aber mal sehen vielleicht täuscht mich ja der erste Eindruck

Death 'n' Roll
01
Yeaah - Riesenskorpione!

Sixtus Jetzein
13
Grauenhaft blödsinniger Film!!!

Ringweltler
00

wieso? überlege, ihn mir anzusehen (ohne 3D, wenn möglich)

Sixtus Jetzein
10
Mein Beileid begleitet Sie jetzt schon!

Ringweltler
00

mehr haben sie nicht zu sagen???

Hugo Meier
01

…dann doch lieber god of war spielen ;-)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.