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WikiLeaks: Journalismus, der an Spionage grenzt

Zsolt Wilhelm, 7. April 2010, 12:58
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    foto: derstandard.at/screenshot

    "Das ist es wohl, was Spione machen - high-tech-investigativer Journalismus"

Eine Hand voll freiwilliger Aktivisten hat es sich mit High-Tech zum Ziel gemacht, die Nachrichtenwelt zu prägen

Vor drei Monaten verkündeten die Betreiber von WikiLeaks über Twitter, man habe ein verschlüsseltes Video von einem Angriff des US-Militärs auf Zivilisten in Bagdad und benötige Super-Computer-Zeit, um den Inhalt zu dechiffrieren. Vergangenen Montag wurde das 39-minütige Video und eine 17-minütige Kurzfassung davon schließlich im Internet auf der eigenen Webseite und auf Videoportalen wie Youtube unter dem Titel "Collateral Murder" veröffentlicht. Es zeigt einen Hubschrauberangriff der US Army in Bagdad im Jahr 2007, bei dem 12 Personen zu Tode kamen - darunter auch zwei Reporter der Nachrichtenagentur Reuters.

Schlagzeilenmacher

Woher WikiLeaks die Informationen erhalten hatte und wer schließlich bei der Entschlüsselung half, wurde nicht verraten. Es war aber nicht das erste Mal, dass die Internetplattform für Schlagzeilen sorgte und die Grenzen zwischen Journalismus und Anwaltschaft verschmolzen. "Das ist es wohl, was Spione machen - high-tech-investigativer Journalismus", erklärt WikiLeaks-Gründer Julian Assange gegenüber der New York Times.

Der australische Journalist und Aktivist gründete die Seite vor drei Jahren zusammen mit einer Hand voll freiwilliger Gleichgesinnter und Computerspezialisten. Ziel war es von Anfang an, verdeckt gehaltene Informationen über Staaten oder international agierende Unternehmen ans Tageslicht zu fördern. Von der illegalen Giftmüllentsorgung in Afrika, über geheime Protokolle aus dem Gefangenenlager in Guantanamo Bay, bis hin zu Nachrichten von Sarah Palins persönlichem Email-Account - mit seinen Berichten hat WikiLeaks schon mehrmals die Schlagzeilen der Nachrichtenwelt geprägt.

Breites Netzwerk

Assange und dessen Kollegen sind diversen staatlichen Einrichtungen, wie auch Konzernen ein Dorn im Auge. Doch trotz diverser Klagen zur Einstellung der Webseite (etwa in Großbritannien und den USA), haben sich die Mittel ihrer Gegner bislang als wirkungslos erwiesen. Das liegt insbesondere an der Struktur der Nachrichtenseite. Die Kernmitarbeiter finanzieren ihre Recherchen über Spenden und haben eigenen Angaben nach Zugang zu 800 bis 1.000 Spezialisten, die sie zur Hilfe rufen können. Die Server stehen rund um den Globus verteilt in Ländern, die den Aktivitäten positiv gesinnt sind.  

Durch ihren Einfluss und ihre guten Kontakte gelang es Assange und Co. so auch das besagte Video des US-Militärs zu erlangen. Zweieinhalb Jahre lang versuchte Reuters die Herausgabe über das "Gesetz über die Auskunftspflicht öffentlicher Einrichtungen" zu erzwingen, blieb allerdings erfolglos. 

Auf Unterstützung angewiesen

Die Arbeit der WikiLeaks-Aktivisten wird deshalb auch von Nachrichtenagenturen und Zeitungen geschätzt. Die britische Zeitung The Guardian meinte etwa vergangenen Jänner, "wenn sie die Aufdeckergeschichten der Zukunft lesen möchten, wird es Zeit, etwas beizusteuern". Und verwies damit auf den Umstand, dass Assanges Arbeit einzig und allein durch Spenden finanziert wird. Die Recherchen in Bagdad in Zusammenarbeit mit einem isländischen TV-Sender verschlangen allein rund 50.000 US-Dollar.

Der Spendenaufruf für den nächsten Clou wurde deshalb bereits gestartet. Am Dienstag behauptete WikiLeaks ein weiteres verschlüsseltes Video eines US-amerikanischen Luftangriffs zu haben, der in Afghanistan vergangenes Jahr 97 angeblich Zivilisten tötete.

(zw)

Kommentar posten
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stj911.org physics911.net
00
24.4.2010, 19:30
Weiß eigentlich jemand hier wie man an die von WikiLeaks veröffentlichten Dokumente herankommt (mal abgesehen von denen, die direkt von der Homepage aus verlinkt werden unter der Überschrift "Recently released documents") ?


Ein Listing des Inhaltes von http://file.wikileaks.org/file/ wird von der Homepage verboten. Was kann man also machen ... ?

Sabotaje
00
20.4.2010, 02:06
WIKILEAKS..SNAKE OIL or JUST A HACKERS WET DREAM??

Its interesting to note that WIKILEAKS is floundering somewhat from a lack of funds.
The Daily Telegraph reports that the majority of the funds raised will go towards paying the website's hosting costs, which are widely distributed across several countries and are heavily secured against attack.

http://cryptome.org/0001/wiki... -dream.htm

Wayne Madsen claims Wikileaks is part of U.S. cyber-warfare operations.

http://arthurzbygniew.blogspot.com/2010/03/s... -oval.html


Raptor Jesus
01
13.4.2010, 00:15
Sowas von nötig

Der Staat MUSS seine Bürger fürchten. Das war der Grundgedanke der französischen Revolution und der Beginn des Niederganges der Monarchie.
Und ohne die Republik-Franzosen würde die USA heute garnicht bestehen und wäre Süd-Kanada oder sowas.

derunbestechliche
00
10.4.2010, 19:07
Im Pentagon gibt es wohl momentan nur eine Frage:

Wer ist der Verräter?

Mathias
 
00
WikiLeaks: Journalismus, der an Spionage grenzt

Fehlt nur noch, daß der Vatikan diese Argumentation aufgreift und damit aus vollen Kanonen auf die "nicht mundtot zu kriegende" mediale Welt schießt ;-)

estragon001
07
WikiLeaks !

"Spioniert" ruihig weiter Jungs !
Es ist schon immer sehr erbaulich, wenn die richtige-falsche Seite nervös wird... Dann weiss man, daß man was richtig gemacht hat.

Bissig
01
Das ändert die Welt schneller als es Politgangstern lieb ist.

Nun müssen die Politiker mit Kollateralschäden leben, nicht immer nur die Bevölkerung.

Schade

Schade, dass es so etwas nicht überall gibt. In Russland wäre der Herr Assange vermutlich seines Lebens nicht mehr sicher. Dabei wär so eine Seite dort noch angebrachter, die Russen haben schliesslich in Tschetschenien weit ärgere Dinge angerichtet. Aber da kräht kaum ein Hahn danach, auch nicht in Westeuropa.

hlg
00
10.4.2010, 09:00
wird die ermordung von unbewaffneten zivilisten entschuldbar...

wenn es wer anderer auch so macht?

jalyrie
00
Wunderbar aber mir Makeln ...

Für Videos wie das erste kürzlich veröffentlichte stellt WikiLeaks ein passende Plattform dar. Es trägt damit dazu bei, ethische Regeln auch in hohen politischen und wirtschaftlichen Sphären nachdrücklicher durchzusetzen. Dennoch, die politischen Fähigkeiten einer Sarah Palin mal außer Diskussion gestellt, ist es nicht zu vertreten, persönliche Informationen (e.g. persönliche Mails) öffentlich zu verbreiten. Verletzungen der Menschenrechte zu bekämpfen ist eine wunderbare Sache, aber nur dann, wenn zu deren Bekämpfung ebensolche nicht verletzt werden müssen. Aus diesem Grund sollte man WikiLeaks jetzt nicht so einseitig in den Himmel loben, sondern kritisch fördern, damit hier nicht alles langsam aus dem Ruder läuft.

hlg
00
10.4.2010, 09:04
journalismus würde bedeuten...

information möglichst unverfälscht einer breiten öffentlichkeit zugänglich zu machen.

spionage ist das gegenteil. es macht informationen über einzelne aus der breiten masse für wenige systemerhalter zugänglich.

solange es spionage gibt muß journalismus mit ebenbürtigen mitteln arbeiten.

G e o r g
00
12.4.2010, 19:45

"solange es spionage gibt muß journalismus mit ebenbürtigen mitteln arbeiten." - Das tun die doch gar nicht. WikiLeaks veröffentlicht "nur" ihnen zugespielte Dokumente und verhindert, dass die Whistleblower bekannt werden. Mit Spionage hat das nichts zu tun.
Die Berichterstattung der letzten Wochen hatte zwar oft einen Tonfall, der WikiLeaks in ein schiefes Licht rücken soll (wie eben hier mit dem Spionagevorwurf), aber das ist angesichts des Erfolgs von WikiLeaks und dem Ärger der vielen Gegner kein Wunder.

Chronox
12

Ich bin froh, dass es Wikileaks endlich in die Massenmedien geschafft hat. Jetzt hat wenigst der Krone, Österreich Leser, Ö3 Höhrer und ORF Seher auch mal erfahren, dass es die gibt.

ka4
011
also das ist eine echte sauerei

journalismus und gesellschaftlichen einsatz als spionage zu bezeichnen ist schlichtweg - der zweite schritt in die diktatur. der erste schritt wurde bereits mit den falschen kriegsgründen getan.

ich bin weiterhin GEGNER die religösen WAHSINNIGEN MÖRDERBANDEN ich finde es weiterhin LEGITIM das sich der westen gegen diese typen mit ALLEN mitteln zur wehr setzt und sie auf der ganzen welt bekämpft.

aber mord bleibt mord, und folter bleibt folter und unrecht bleibt unrecht. journalisten müssen über diese fehler und verbrechen berichten. kriminell sind diejenigen, die derartiges verhindern wollen.

und sie gefährden tatsächlich auch meinen freiheitsbegriff.

hlg
00
10.4.2010, 09:06
aber wenn sie ausreichend informiert wären,...

würden sie dann überhaupt von verrückten mörderbanden sprechen?

Applaus, Applaus.
00
15.4.2010, 19:34

ja.

The Real Zet
 
036
Worm Preis: please vote!

Ich schlage vor, den heurigen Alfred-Worm-Preis für investigativen Journalismus an das Wikileaks Team zu vergeben. Grün = Ja.

Flaschenpost
04
Auch den Friedensnobelpreis...

könnte ich mir vorstellen.
Würde zwar wiedermal zu Verstimmungen zwischen Amerika und Europa führen, wäre aber sicherlich besser als diesem einem amerikanischen Präsidenten nachzuwerfen, der bis dato keine wirklichen Taten für den Weltfrieden gesetzt hat.

Frankensteins Fekternich
13

Ob man sich als Österreicher strafbar (§278a) macht, wenn man für Wikileaks spendet?
Unserer seltsamen Justiz traue ich alles zu.

Woodpecker
00
10.4.2010, 19:27
Ich bekenne :)

Ich habe beim letzten Spendenaufruf für Wikileaks mitgetan. Nein, ich hab es nicht versucht, das von der Steuer abzusetzen ...

Flaschenpost
01
Auf Nummer sicher..

ich spende von einem ausländischen Konto.

Evelyne R.
00
Kann man dann die Spende von der Steuer abschreiben?

Koalition der Willigen gegen alles und jeden
00
nur wenn damit dann....

..beschaffungsskandale rund um abfangjäger und ähnlichem aufgedeckt werden! ;-)

TanteMitzi
02
Beklopfter Titel

Hans Sausgruber
05
Der passende Titel

Journalismus wie er sein sollte.
Kritsche Kontrolle. Leider nur noch selten vorhanden, in Österreich bereits ausgestorben.

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