"Die meisten Studenten wollen ja einen guten Job"

07. April 2010 09:36
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    Foto: standard/kainz, arato

    Jugendliche sollten studieren, was sie interessiert, meint Beatrix Karl. Dennoch rät sie, die Jobchancen im Auge zu behalten.

Wissenschaftsministerin Karl über Transparenz bei Auswahlverfahren, die "Ausbildung" an den Unis und gut bezahlte Jobs

SchülerStandard: Wären Sie heute Studierende, welche Forderungen hätten Sie an eine Wissenschaftsministerin?

Karl: Was mich damals wie heute gestört hat bzw. stört, sind die überfüllten Hörsäle. Spannend wären natürlich kleine Gruppen, wo Themen auch diskutiert werden können. Ich würde aber jedenfalls wieder Jus studieren.

SchülerStandard: Wo müsste man ansetzen, um die Studienbedingungen zu verbessern? Am Budget?

Karl: Mehr Geld ist wichtig, aber nicht die einzige Lösung. Es braucht strukturelle Maßnahmen.

SchülerStandard: Heißt konkret?

Karl: Zum Beispiel Zugangsregelungen. Das muss nicht eine große Prüfung sein, das kann auch im Rahmen einer Studieneingangsphase erfolgen. Aber es sollte transparenter sein als die jetzigen Knock-out-Prüfungen.

SchülerStandard: Das würde aber an den Absolventenzahlen wenig ändern. Wie passt das zu den Bestrebungen, die Akademikerquote zu erhöhen?

Karl: Mehr Studierende bedeuten nicht automatisch mehr Absolventen. Aber es stimmt: Wir haben in Österreich eine zu niedrige Akademikerquote, weil auch viele Berufe nichtakademisch sind. Aber insgesamt gehen wir schon in die Richtung, dass die Akademikerquote steigt.

SchülerStandard: Welche sind die nächsten Schritte zur Verbesserung der Studienbedingungen ?

Karl: In drei Massenstudien, nämlich in Publizistik, Architektur und in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der WU liegen Anträge für eine Notfallverordnung vor, die den Zugang beschränken sollen. Außerdem müssen wir die Umsetzung der Studienpläne auf das Bologna-System verbessern. Die Studienpläne sind vielfach zu überfrachtet, oder es wurden Wahlfächer gestrichen. Auch die Mobilität und die Internationalität müssen gefördert werden.

SchülerStandard: Sollten Maturanten heute ein "selbstverwirklichendes" Studium wählen oder sich mit ihrer Studienwahl an den Arbeitsmarkt anpassen?

Karl: Junge Menschen sollten natürlich etwas studieren, das sie interessiert. Man muss aber auch bedenken, dass es in einigen Studienrichtungen kaum Berufsaussichten gibt. Wir haben im Moment die Situation, dass 60 Prozent der Studienanfänger in bloß 10 Prozent der Fächer gehen. Das heißt, wir müssen die Schülerinnen und Schüler noch besser darüber informieren, welche Studienrichtungen es eigentlich gibt.

SchülerStandard: Kommt bei der Umstellung des Studiensystems und der damit verbundenen Orientierung auf dem Arbeitsmarkt die Wissens- und Bildungsgesellchaft nicht ein wenig zu kurz?

Karl: Das passiert ja so nicht. Aber im Zuge von Bologna wird immer wieder diskutiert, ob eine Universität Bildung oder Ausbildung bieten soll. Wir brauchen natürlich beides. Aber sind wir uns ehrlich: Was wollen die meisten Studierenden? Die meisten wollen ja nach dem Studium einen guten Job. Deshalb ist es die Aufgabe der Universitäten, den Studierenden auch eine sehr gute Ausbildung zu bieten. Denn wie viele Studenten studieren nur deshalb, weil sie sich bilden wollen? Die wenigsten. Die meisten wollen eine Ausbildung.

SchülerStandard: In der Wirtschaft gibt es noch Probleme, den Bachelor einzuordnen. Wie wirken Sie dem entgegen?

Karl: Wir führen immer wieder Projekte durch, um den Bachelor in der Wirtschaft noch populärer zu machen. Beispielsweise geben wir in Kürze gemeinsam mit der WKÖ eine Broschüre heraus, in der wir über den Bachelor informieren. Aber es gibt Gott sei Dank auch Felder, in denen man von vornherein gute Jobaussichten hat, wie etwa nach technischen Studien.

SchülerStandard: Was denken Sie darüber, dass Frauen auch als Absolventen technischer Fächer weit niedrigere Einstiegsgehälter haben als ihre männlichen Kollegen?

Karl: Das ist leider ein generelles Problem, nicht nur in der Technik. Aber da es nicht in meinen unmittelbaren Kompetenzbereich fällt, sind mir gewissermaßen die Hände gebunden. Nichtsdestotrotz möchte ich Frauen motivieren, in technische Berufe zu gehen. Das Problem dieser Lohndiskrepanz haben wir in vielen Bereichen, bei den technischen Berufen sind die Gehälter wenigstens vergleichsweise hoch. Das Problem ist, dass Frauen eher in Berufe tendieren, die schlechter bezahlt sind.

SchülerStandard: Der Studierenden-Sozialreport 2009 hat gezeigt, dass die Studenten heute im Vergleich zu früheren Jahren mehr arbeiten, sich ihre finanzielle Situation aber verschärft hat.

Karl: Das muss man sich noch ansehen, denn die Studierenden-Sozialerhebung ist ja in einer Rohfassung an die Öffentlichkeit gelangt. Wenn sich zeigt, dass die Realität wirklich so aussieht, dann muss an den Unis auch mit entsprechenden Lehrangeboten wie dem E-Learning reagiert werden.

SchülerStandard: Sie haben also keine Erklärung dafür, warum sich die finanzielle Lage der Studenten verschlechtert hat?

Karl: Ich werde mir die Studierenden-Sozialerhebung sehr genau ansehen. Wir können da nur mit Stipendien unterstützen.

SchülerStandard: Mussten Sie während Ihres Studiums arbeiten?

Karl: Nein, ich habe mein Studium mit Stipendien finanziert.

SchülerStandard: Wie stehen Sie dazu, dass die Studiengebühren an den Unis abgeschafft wurden, man sie an den meisten FHs aber noch immer zahlen muss?

Karl: An den Unis wurden die Beiträge nur teilweise abgeschafft. An den Fachhochschulen bestimmen die FHs selbst, das liegt nicht in meinem Kompetenzbereich. Die derzeitige Regelung an den Universitäten ist aber kompliziert und wenig praktikabel.

SchülerStandard: Sie selbst machen sich ja für eine Wiedereinführung der Studiengebühren stark. Haben Sie dafür schon einen konkreten zeitlichen Rahmen?

Karl: Es gibt keine konkreten Pläne. Ich habe immer gesagt, dass ich Studienbeiträge für sinnvoll halte. Aber derzeit gibt es die politische Mehrheit nicht, die dafür notwendig wäre. Daher liegt dieses Vorhaben auf Eis. (Aurora Orso und Johanna Tirnthal, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.4.2010)

ZUR PERSON:

Beatrix Karl, geb. 1967 in Graz, studierte Jus an der Uni Graz, wo sie auch als Assistenzprofessorin arbeitete. Vor ihrer Angelobung war sie ÖAAB-Generalsekretärin.

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Machine Gun
01.07.2010 04:18

einfach unsympathisch die frau...
und inhaltlich, naja raiffeisen fpövp eben...

lanz1
 
15.07.2010 14:20
studenten wollen gut verdienen!!!

ist so typisch an unserer gesellschaft. jeder will gut verdienen, ob hackla oder gstudierta!

sisa100
10.04.2010 23:38
Karlsche Logik III

"Karl: Was mich damals wie heute gestört hat bzw. stört, sind die überfüllten Hörsäle."

wenn das, dass einzige wäre was Sie stören sollte, wäre alles vieeeeel trivialer, als es tatsächlich ist... das ist nur ein SYMPTOM dieses ganzen auswuchses an inkompetenten entscheidungsträgern (Sie und ihr amtsvorgänger mit eingeschlossen, sorry), kaum interesse der öffentlichkeit wirklich was ändern zu wollen (da kaum verständnis für die studierenden), und und und...

sisa100
10.04.2010 23:26
Karlsche Logik II

"Denn wie viele Studenten studieren nur deshalb, weil sie sich bilden wollen? Die wenigsten. Die meisten wollen eine Ausbildung. "

So Fr WISSENSCHAFTSministerin - irgendeinen Funken an wissenschaftlichem Nachweis für diese überaus qualifizierte Aussage? Oder ist das eher nur die allgemeine Weltanschauung der ÖVP: "der Großteil von euch will doch eh keine Bildung, also blablabla..." - danke, dass SIE das für UNS entscheiden!

mir wird übel...

sisa100
10.04.2010 23:22
Karlsche Logik

"In drei Massenstudien, nämlich in Publizistik, Architektur und in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der WU liegen Anträge für eine Notfallverordnung vor, die den Zugang beschränken sollen."

Ausgezeichnete Idee. Man nehme sich ein Beispiel an der medUni. Am besten weiterhin wie bisher, dieses tolle Aufnahme-Verfahren, damit wir ja nicht allzu viele Ärzte auf den Arbeitsmarkt loslassen. Weil unsere Gesellschaft eh immer jünger wird, brauchen wir keine leistbare Gesundheitsversorgung, indem mehr Ärzte den Wettbewerb erhöhen und medizinische Leistungen preiswerter anbieten. (Soweit die ökonomische Theorie)

Thomas Anonym
09.04.2010 20:28

weiss einer in welchem land es keine zugangsbeschränkungen gibt?

Soulman
11.04.2010 18:31

In manchen Entwicklungsländern bzw. in der Sahelzone - dort wo halt die wahre wissenschftliche Elite blüht und gedeiht...

smea_gol
14.04.2010 16:12

haben sie dort studiert?

Duck of Death
08.04.2010 11:04
"Die meisten Studenten wollen ja einen guten Job"

Diese Widerporste!

Londo Mollari
 
08.04.2010 09:44
was die oevp wirklich kann,

ist damen in die politik zu entsenden, deren geistiges alter auf eine geburt zu franz josephs zeiten schließen ließe: diese dame, das wurstsemmerl, die schottermizzi. ich frage mich, wes geistes diese gesinnungsgemeinschaft sein muss, dass sie zum tummelplatz geistiger vergreisung wird - und habe damit die antwort wohl schon gegeben.

Walter Tiefenthaler
08.04.2010 04:05
guter job...

...wenn totalversager (und manchmal auch plagiatoren) spitzenpolitiker werden koennen und cv'ler, parteigaenger und diverse buendler sich die top-positionen aussuchen koennen, dann wirds mit den guten jobs fuer abgaenger nicht mehr so gut aussehen. und jetzt tut wieder jede(r) so als wenn die studierenden schuld waeren am system...

Gallo Way
08.04.2010 02:48

Woher weiß die Karl was die meisten Studenten wollen? Einen guten Job? Müssens das wollen(so wie es mit Bologna sein wird) oder dürfens das wollen? Guter Job = viel Geld und/oder guter Job = Selbstverwirklichung? Für manche mag wohl der Selbstverwirklichungsaspekt größer sein als der finanzielle Aspekt aber das ist irrelevant denn darum gehts ja nicht, nicht wahr? Geht eher darum wie andere, von dem was Studenten machen, am meisten profitieren nicht unbedingt die Studenten selber.

griasdi
08.04.2010 13:13

die uni soll AUSBILDUNG anbieten in einem umfeld, das persönliche bildung ermöglicht. diese persönliche bildung ist jedoch eigeninitiativ von jedem selbst zu bewerkstelligen, das kann und soll die uni nicht bieten.

Gallo Way
08.04.2010 13:27

Das ist deine persönliche Meinung und nichts weiter.
Die Unis haben sehr wohl einen Bildungsauftrag.

Soulman
11.04.2010 18:34
Falsch.

Die Gymnasien haben den Auftrag zur Allgemeinbildung - und die Matura hat man zu haben, bevor man ein Uni-studium beginnt. Die Unis haben einen Auftrag zur Vermittlung der Wissenschaften - das ist auf der ganzen Welt so. Lücken in der Allgemeinbildung nachzuholen bleibt Privatproblem des Studenten.

Gallo Way
12.04.2010 00:56

Echt auf der ganzen Welt? Warum läuft dann bspw. bei den Amis 2 Jahre general education mit auf der Uni?

shangl
08.04.2010 10:45
du willst bildung?...

...machs wie ich...setz dich in andere lv's...es soll doch tatsächlich möglich sein, irgendwelche kurse zu belegen, auch ohne ects etc. dafür zu bekommen ;)...ich kann die beobachtung von karl nur teilen...ich studiere in ibk informatik und wir haben die möglichkeit, im rahmen des info studiums auch vo's aus physik oder mathe zu belegen (mit gleichzeitiger anrechnung)...weisst du wieviele das angebot in meinem jahrgang nützen? mit mir ganze 2...ich habe schon soviele diskussion mit leuten geführt, die nur wegen ihrem titel studieren...also hör mir doch auf mit bildung...wer bildung will, kann das auch in bologna machen...man braucht nämlich keinen wisch mit noten drauf, um bildung zu geniessen...einfach mal in andre vo's reinsetzen ;)

Gallo Way
08.04.2010 11:42

Also soweit ich das weiß ist Mathematik zu großen Teilen sowieso Bestandteil des Informatik Curriculums und darum würd ich das mal nicht so zur Bildung einfach dazunehmen. Eher noch Rhetorik, Soziologie oder Politikwissenschaften in deinem Fall. Also so toll find ich das nicht, weder von dir noch von dem Bologna System.

Nur zum Vergleich ich hab im alten System auch nebenbei Vorlesungen belegt. Da wären, eben Rhetorik, Philosophie, Soziologie, Musikwissenschaften, Pädagogik, Kommunikationswissenschaften, Kulturwissenschaften, Linguistik und auch Mathematik. Und all das neben einem Psychologiestudium, natürlich fallen da auch die freien Wahlfächer rein.

Diese freien Wahlfächerstunden wurden mittlerweile halbiert in Bologna.

griasdi
08.04.2010 13:15

das heisst du willst dich nicht persönlich bilden wenn es nicht irgendwo angerechnet wird? alles klar.

aber deinen bh bekommst du des morgens alleine zu?

Gallo Way
08.04.2010 13:32

Na bei dir hats scheinbar nicht ganz funktioniert. Nicht mal das sinnerfassende lesen scheinbar. Ein "auch" ist aber AUCH so schwer zu überlesen.

Warum sollte ich denn einen BH tragen???? Hab noch keine Manboobs sorry. Musst ja nicht von dir auf andere schließen ;-D

shangl
08.04.2010 12:13
du weisst...

...anscheinend über info und über mathe so gut wie nichts...mathe ist nicht gleich mathe...und vieles, das in mathe gemacht wird, hat nicht wirklich viel mit informatik zu tun (natürlich einiges schon)...teil der bildung ist, sich sein spektrum selbst auszusuchen (ich muss mir doch nicht von dir sagen lassen, was für mich bildung wäre und was nicht ;))...ich habe übrigens auch kurse aus bwl und powi gemacht...worum es mir geht ist, dass du das ganze jederzeit machen kannst...da brauchst du keine freien wahlfächer dazu ;)...du willst ein diplom, auf dem steht, dass du gebildet bist...kannst du sowas nicht einfach so machen? wo ist dein problem? und dass die wahlfächer gekürzt wurden, ist kein problem von bologna sondern eines der umsetzung

Gallo Way
08.04.2010 13:44

Braves Schubladendenken ;-) Klar will ich ein Diplom das mir alles bestätigt. Genau darum gehts doch, um Scheinhaftigkeit :D Man bin ich gscheit und gebildet und der Guteste von den Guten. hahahaha

Mal im Ernst, klar brauchst keine freien Wahlfächer. Das hab ich auch nicht geschrieben sondern du in deinem Eifer einfach angenommen ^^ Es sollte jedoch angemerkt werden, dass der Raum für freie Entfaltung gegeben sein sollte und das sehe ich in der momentanen Lösung einfach nicht.

Analysis, Mengenlehre und Stochastik sind doch Teile der Mathematik und auch gleichsam Teile des Informatik Curriculums (hier in Salzburg zmdt)? Was ist diese "Bildung" dann mehr als eine Erweiterung und event. Vertiefung von Grundkenntnissen?

shangl
08.04.2010 14:08
ad mathe (teil 2)...

...übrigens könnte man nach der logik nichts als bildung bezeichnen, weil ohnehin alles ein teilbereich der physik ist ;)

shangl
08.04.2010 14:07
ad mathe (teil 1)...

...dass in informatiker in salzburg glauben, dass sie mathe machen ist mir schon klar ;)...das "mathe" das die da machen ist lächerlich...aus tirol kommen massenweise leute dorthin, weil sie den analysis kurs bei uns nicht schaffen (gibt sogar eigene tirolergruppen)...aber das ist eine andere sache...was du hier erklärt hast, ist bei weitem nicht mathe...da sind soviele gebiete, die in ganz andere richtungen gehen...worums mir da gegangen ist, ist, dass kaum einer der studenten die möglichkeiten nutzt...btw. auch vertiefung ist bildung...bildung muss nicht nur breite in möglichst viele fächern sein, sondern kann auch ein breiteres wissen in einer bestimmten disziplin sein...

Gallo Way
08.04.2010 18:41

Bildung würd ich eher im aufklärerischen Sinne verstehen. Es geht um die Entwicklung des selbstständigen, kritischen und hinterfragenden Denkens und zwar losgelöst von ökonomischen Fragen. Dazu gehört eine gewisse Breite von Wissen und Erfahrung die vorwiegend dem Individuum nützen soll, nicht in Hinblick auf wirtschaftliche Interessen.

Das was du meinst scheint mir eher Weiterbildung zu sein.

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