Am Mittwochabend eröffnete Claudia Schmied die 40. Rauriser Literaturtage
Rauris - Bevor 1971 die Rauriser Literaturtage zum ersten Mal in der kleinen Marktgemeinde in den Pinzgauer Bergen stattfanden, hatte Thomas Bernhard Erwin Gimmelsberger, der die Literaturtage mit Dorothea Granegger zu gründen plante, gesagt: "Bist du verrückt, du züchtest dir nur Feinde".
Natürlich hat dann Bernhard bei den ersten Rauriser Literaturtagen doch gelesen. So wie in den folgenden Jahrzehnten fast alle, deren Namen - nicht nur - in der deutschsprachigen Literatur einen guten Klang haben: Handke und Wühr, Jandl, Mayröcker, W. G. Sebald, Inger Christensen, Martin Walser und Uwe Johnson.
Im Lauf der Jahre wurden die Säle voller, das Publikum wurde gemischter, das Programm umfangreicher. In Gaststuben wird hier neueste Prosa gelesen, studentische Arbeitskreise diskutieren mit Autoren, und Literaten begeben sich auf die Stör, lesen bei Bauern und Handwerkern und reden über ihren Beruf, in dem man ein Leben lang Anfänger bleibt.
Zudem gehört der jährlich vergebene, mit 8000 Euro dotierte Rauriser Literaturpreis für den besten Erstling zu den begehrtesten Auszeichnungen unter Debütanten. Norbert Gstrein, Juli Zeh, Peter Stamm, Franz Innerhofer und Michael Köhlmeier gewannen ihn unter anderen. Heuer wird der junge deutsche Autor Thomas Klupp und sein rasanter Pubertätsroman "Paradiso" ausgezeichnet (der Förderpreis geht an Martin Fritz).
Das Programm, die Rauriser Literaturtage finden von Donnerstag bis Sonntag statt, ist dem 40-Jahr-Jubiläum entsprechend exquisit. Unter anderen werden Julian Schutting, Katja Lange-Müller, Peter Esterházy, Wolf Haas, Antonio Fian, Peter Henisch, Adolf Muschg, Michael Köhlmeier, Silke Hassler und Peter Turrini lesen. Hubert von Goisern steuert am Samstagabend Musikalisches bei.
Eröffnet werden die 40. Rauriser Literaturtage am Mittwochabend um 19 Uhr von Bundesministerin Schmied, die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller wird den Preis an Thomas Klupp übergeben. Rauris ist zur Institution geworden - und doch lebendig geblieben. Was nicht allzu oft vorkommt. Die Reise lohnt. (Stefan Gmünder/DER STANDARD, Printausgabe, 7. 4. 2010)