Staatsoper

Der luxuriöse Sound der Schüchternheit

6. April 2010, 17:02
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    foto: zeininger

    Rollengerechtes Leiden: Piotr Beczala (als Rodolfo) und Anna Netrebko (als Mimi).

Anna Netrebko in "La Bohème"

Wien - Nach wie vor kein Anzeichen dafür, dass Anna Netrebkos Kommerzcharme nicht mehr über die Grenzen der Opernbühne hinausreicht: Kaum verkündet sie, weder iPod noch Computer zu besitzen (unlängst in der Welt am Sonntag), ist die Petitesse dem Boulevard Meldungen wert. Das Schöne aber: Nach wie vor gibt es auch kein Anzeichen dafür, dass die Russin die Pflege ihrer für Klassikverhältnisse exorbitanten Reichweite als Aufgabe betrachtet, die es auch auf der Bühne mit Starritualen auszuführen gilt.

Sie nimmt den Bühnenraum nach wie vor als jenen vokalen Wahrheitsraum, in dem man sich der zu erzählenden Geschichte unterzuordnen hat. Wenngleich ihr die Bohème-Uraltinszenierung (von Franko Zeffirelli) keinesfalls jene "Opfer" abnötigt wie einst etwa die Traviata in Salzburg (auf einem von Herren rasant über die Bühne hin und her getragenen Sofa balancierend singen), ist der Verzicht auf Allüren jederzeit sichtbar. Netrebko hebt stimmlich rollengerecht ab: Nach wie vor ist es frappant, mit welcher Leichtigkeit sie einen Ton samtig strömen lässt oder wie Töne in der Höhe bei zunehmender Lautstärke nicht an Fülle verlieren, vielmehr zulegen. Andererseits wird der Klang auch mit jener Farbe der Schüchternheit versehen, die phasenweise zu Mimi passt. Mag sein, dass Natrebko, an sich selbst gemessen, eine Nuance Leichtigkeit eingebüßt hat. Was sie zu bieten hat, reicht allerdings noch immer für drei Karrieren.

Ein kleines Zusatzwunder, dass man die Netrebko auch wirklich immer hörte: Dirigent Constantinos Carydis ließ mitunter gar zu fetzig aufspielen, wodurch auch Piotr Beczala (als Rodolfo) noch deutlicher zeigen musste, über welch strahlende Höhen er verfügt, wenngleich er für diese Rolle insgesamt zu wenig Zwischentöne im Angebot hat. Tadellos Boaz Daniel (als Marcello) und Anita Hartig (als Musette) wie auch der Rest des Ensembles. An der Staatsoper hat Netrebko neben einer weiteren Bohème-Vorstellung (8. 4.) noch Bellinis I puritani (ab 19. 4.) und Bizets Carmen (ab 3. 5. als Micaela) zu absolvieren. (Ljubiša Tošić/DER STANDARD, Printausgabe, 7. 4. 2010)

Kommentar posten
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Maria Gugging
23
La Boheme?

Das vorauszusehende - aber dennoch überraschende - Phänomen des Herrn Ljubisa ist, dass - sobald der Name Netrebko auftaucht - es nicht mehr um eine Opernkritik geht, sondern um eine Lobhudelei (wirkliche sehr objektiv *g) an eben diese Russin/Österreicherin. Es mag für ihn ja jedes Mal einen unerreichten Höhepunkt zu bedeuten, wenn er diesen äußerst tiefen Soparn hören kann, doch er sollte endlich einmal lernen, eine objektive Kritik zu schreiben und nicht eine Biografie über eine Künstlerin.

Aber er hat ja noch ein paar Chancen ... vielleicht wirds ja mal was.

straßenkehrer
01
Nomen est omen?

Ich habe noch selten so einen blühenden Unsinn gelesen, denn abgesehen davon, dass, wenn ein Phänomen voraussehbar ist, es natürlich nicht unerwartet kommen kann, ist die stimmliche Einschätzung der Frau Netrebko ungefähr so, als wenn man Albert Einstein lediglich als Bartträger klassifiziert.

Was ich sehr traurig finde ist, dass es offensichtlich tatsächlich Leute gibt, die das was Anna Netrebko den Menschen bietet, offensichtlich nicht wahrnehmen können.

Kontrahent1
00
Also ich konnte es

von Milanov über Tebaldi, Freni und Cotrubas bis Gheorgiu wahrnehmen. Bei Netrebko ist das schon schwieriger.

Chuang tzu
11
objektiv?

der Herr Ljubiša heißt Tošic und eine objektive Kritik gibt's nicht.

Kontrahent1
00
Ist vielleicht Geschmacksache -

Tebaldi hatte auch ein sehr 'sattes' Timbre aber für das dramatische, italienische Fach war das nötig.

David-Lauritz
00
Was stimmt?

"Nach wie vor gibt es auch kein Anzeichen dafür, dass die Russin ..."

Dachte, Frau Netrebko ist Österreicherin.

Robert Waloch
00
ACHSO???

In den beiden MANON-Vorstellungen nach CARMEN singt sie also nicht mehr - na schau, Hr. Tosic?

Kontrahent1
03
Und dieser gekonnt placierte Seitenhieb

auf die 'Uralt-Inszenierung' ! Der Herr ist sich nicht klar, daß er hier eine Inszenierung sieht, welche Operngeschichte geschrieben hat. Hoffentlich ist er bei einem Paris-Besuch nicht auch über diese 'Uralt- Gioconda' im Louvre enttäuscht.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
02
III. Akt:

das ist es, was man unter "Bühnenmagie" versteht. Wenn einem alleine durch das auf der Bühne gebastelte Bild trotz angenehmer Temperaturen im Auditorium fröstelt.

Dafür fehlt halt den minderen Brüdern von Guth bis Schlingensief das Sensorium...

Kontrahent1
01
Zustimmung !

Und zu den 'minderen Brüdern' hat Astrid Varnay in ihren Memoiren ganz treffende Äusserungen gemacht. Wenn auch vorsichtig formuliert.

Robert Waloch
01
JA - es geht immer noch

ein Zauber aus von diesen Bildern, die nun schon an die 50 Jahre auf dem Buckel haben. Ich war bei beiden Behème-Aufführungen mit Netrebko/Beczala - und die Gänsehaut bei "O soave fanciulla" bestätigte, was meine Sinne da erlebten.

wackelkandidat
10

leider ist La Bohème eine ziemliche Schnulzenoper.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01
Es ist eine der menschlichsten und realistischesten Opern

überhaupt, und kann zumindest für die Zeit vor dem späteren Strauss und Britten auf dem Sektor fast Alleinstellung für sich beanspruchen.
Nicht umsonst hat sie auch in dem Experiment von Arte und DRS ("Bohème in der Vorstadt") letztes Jahr im Grunde szenisch immer noch gut funktioniert, bis hin zu Mimis verzweifelt einsamem Ende im abfahrenden Autobus.

Was alleine schon ein gewichtiges Argument gegen Kitsch ist: wie Puccini auf eine umwegige und womöglich bombastische Ouverture verzichtet (ja, gut, in der Hinsicht war er immer sparsam) und mit "draramdamdamm" uns schon mitten in Stimmung und Geschehen entführt hat.

Robert Waloch
00
Ach wissen Sie,

einer, der - wie Sie hier bewiesen - den Zusammenhang von Mona Lisa und La Gioconda nicht kennt, sollte nicht über Puccini oder "La bohème" werten. Ihnen fehlen doch schlicht und einfach die Vergleichsmöglichkeiten. Selbst die um einiges herbere Kupfer-Regie an der Volksoper huldigt immer noch der Raffinesse der Komposition....

wackelkandidat
10
10.4.2010, 09:06

Ach wissen Sie, ich freue mich eben immer darüber, wenn Sie sich über andere lustig machen. (einer meiner Lieblingsfilme ist übrigens "Die 120 Tage von Sodom").
Die Bemerkung über den Zusammenhang von Mona Lisa und La Gioconda war weder witzig, noch besonders geistreich.
Welche Antwort erwarten sie sich?
Daß man Ihnen applaudiert?

Robert Waloch
00
10.4.2010, 14:38
WAS

an Ihrer Bemerkung, dass Sie keinen Zusammenhang zwischen Mona Lisa und Gioconda sehen, hätte denn witzig oder besonders geistreich sein können? Sie war - in ihrer Ehrlichkeit - bezeichnend für Ihren kulturellen Hintergrund und entzog Ihrer späteren Bewertung von Puccinis "Bohème" somit jede Berechtigung....

wackelkandidat
10
11.4.2010, 09:19

Sie freuen sich nach wie vor darüber, dass ich keinen Zusammenhang zwischen Mona Lisa und Gioconda sah. Wie gesagt, das ist trotz meines Postings, ein Irrtum. Glauben Sie alles, was Sie lesen?
Sie wissen natürlich sofort über meinen "kulturellen Hintergrund" bescheid.
Welch freche Anmaßung!

Robert Waloch
00
11.4.2010, 18:16
Wer sich

als Ignorant vorstellt,
ist meistens auch einer, Herr Ignorant, der Sie die Meinung anderer als Frechheit sehen....

wackelkandidat
10
12.4.2010, 08:42

ja, ja, reicht schon...

Kontrahent1
00
Auch Erich Kästner

schrieb: 'Die Musik klingt, als wenn es süße Bonbons regnet'. Allerdings kannte er die Karajan-Interpretation dieser Inszenierung nicht. Empfehle den Kauf des Mitschnitts der Premiere oder auch der DVD, da ist von 'Schnulze' wenig über.- Wer da bei Panerais 'corragio' keine Tränen in den Augen hat, dem ist nicht zu helfen.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
>> Neidfreß<< ;-)

Habs vor einigen Jahren im September mit der damals noch ziemlich frischgfangten Frau Iveri (die aber schon recht gut war) und einem Herrn Sartori gesehen, der nicht ganz so gut war...

Robert Waloch
02
GIOCONDA???

Tosic würde wohl keinerlei Zusammenhang zu da Vincis Mona Lisa erkennen....

wackelkandidat
20

den Zusammenhang erkenne ich auch nicht.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
02

danke für so viel Ehrlichkeit

Robert Waloch
01
Sie sollten

sich beim STANDARD als Tosic-Substitut bewerben....

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