Hinter der Tatsache, dass alle Reifen schwarz und rund sind, können sich brisante Details verstecken Umweltsieger, die beim Bremstest versagen – oder Sommerreifen, die ein M+S-Symbol tragen
Jedes Frühjahr erscheint ein Sommerreifentest, jeden Herbst ein Winterreifentest. Sie werden von den europäische Autofahrerklubs und Konsumentenschutzorganisationen das ganze Jahr über gemeinsam durchgeführt und eben zur passenden Jahreszeit veröffentlicht. In Österreich sind dafür der VKI (Zeitschrift Konsument) und der ÖAMTC zuständig.
Obwohl alle Reifen rund und schwarz sind, gibt es immer wieder Überraschungen. Dass chinesische Reifen in ihren Eigenschaften oft zu akuter Sorge Anlass geben, ist nichts Neues, dass sie auch noch die neu eingeführte Winterreifenpflicht ad absurdum führen, ist aber ein weiterer Grund zur Erregung. Und zwar deshalb, weil offenbar fast alle China-Reifen das europäische M+S-Symbol und die amerikanische Schneeflocke tragen, obwohl sie eindeutig als Sommerreifen profiliert sind. Auch die Tatsache, dass ein Wagen mit dem chinesischen Sunny SN3800 noch 50 km/h schnell war, während der Testsieger bei Bremsen auf nasser Fahrbahn schon stillstand (Goodyear Eagle F1), beängstigt einigermaßen.
Dass die Konstruktion von Reifen mehrere Zielkonflikte bereithält, ist hinlänglich bekannt. So schlägt der slowenische Sava bei Verschleiß und Verbrauch (Rollwiderstand) alle – allerdings auf Kosten der Sicherheit, beim Bremsen rutscht er sogar hinter den besten Chinesen zurück; der ideale Reifen für besonders Sparsame, aber was nützt das, wenn wegen einer Notlage gleich das ganze Auto kaputt ist, von persönlichen Schicksalen ganz zu schweigen. Oder Michelin: Die Franzosen sind bei Verschleiß und Verbrauch immer ganz weit vorn. Bei den sportlichen Breitreifen hat man aber beim Verschleiß ein wenig nachgelassen, zugunsten der Sicherheit, also des Bremswegs.
Neue Kennzeichnung ab 2012
Da auch die Reifenhersteller ihren Beitrag zur Verbesserung der CO2-Situation leisten sollen, hat die EU für 2012 eine neue Kennzeichnung beschlossen, ähnlich den Haushaltsgeräten. Es gibt drei Kriterien: Verbrauch, Lärm, Bremsen bei Nässe. Die Verbrauchswertung ist ähnlich dem EU-Energie-Label, mit dunkelgrünem A als Bestwert bis zu einem roten G als Schlusslicht in Sachen Energieeffizienz. Die Lärmentwicklung wird mit einem Lautsprechersymbol mit einer bestimmten Anzahl Wellen dargestellt.
Zusätzlich zum internationalen Testverfahren bringt der ÖAMTC immer wieder Spezialtests, um häufig gestellte Fragen ein für allemal klar zu beantworten. Diesmal: Soll man bei ungleich abgefahrenen Reifen die besseren eher vorn oder hinten montieren? Klare Antwort aus der Sicherheitsperspektive: Die besseren Reifen mit mehr Profil gehören nach hinten. Wichtig ist das jedenfalls bei Profilunterschieden von mehr als einem Millimeter.
Ökonomisch wäre es natürlich sinnvoller, bei einem Fronttriebler die jeweils besseren Sommerreifen nach dem Winter vorn zu montieren. ÖAMTC-Tipp: Bei krassem Profilunterschied lieber gleich vier neue Reifen kaufen – da freut sich immerhin die Reifenbranche. Oder: gleich auf einen Hecktriebler umsteigen. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/2.4.2010)