Warum Rennfahrräder wieder ein Renner sind

5. April 2010, 19:05

Ein italophiler Fahrrad-Restaurateur aus Wien eröffnet sein Geschäft wieder - an wechselnden Orten

Wien - Schuld, sagt Markus Böhm, sei der STANDARD. Schließlich habe er wirklich aufhören wollen. Aber nachdem das im Standard zu lesen war, "sind so viele Leute auf das ,Radlager' aufmerksam geworden, dass ich jetzt weitermachen muss." Denn als neulich "sogar mein neuer Steuerberater sagte: ,Was, du warst der mit dem Shop für alte Rennräder? Ich wollte immer so ein Rad - aber ich habe zu spät von dir gehört'", war für den 42-Jährigen klar: Rücktritt vom Rücktritt als Instandsetzer alter Rennräder. Denn damit hatte Böhms "Radlager" in Wien-Mariahilf eineinhalb Jahre lang für Furore gesorgt.

Böhms Geschäftsmodell war auf den ersten Blick skurril: Zum einen gab es bei dem italophilen Unternehmer den - mutmaßlich - besten Espresso der Stadt. Zum anderen eben Fahrräder: Böhm kaufte alte, meist italienische Rennradklassiker aus privaten Quellen, restaurierte sie - und verkaufte sie dann (zu Preisen von 250 bis 3000 Euro) weiter.

"Fahrräder sind am schönsten, wenn sie fahren", meint Böhm. Und dass viele Wiener das ebenso sehen, belegt der Blick auf die Straße: Alte Renner liegen im Trend.

Zum einen, weil es Fahrräder längst auch zum Statussymbol geschafft haben. Zum andern auch aus praktischen Gründen: Kopfsteinpflaster, das noch vor 15 Jahren omnipräsent war, gibt es heute kaum mehr - also kommt man mit schmalen Rennradreifen längst gut durch die Stadt. Auch weil Reifen, Speichen und Felgen heute robuster sind - und modernes Material optisch unauffällig auch auf alte Räder passt.

Ausnahme von Radwegpflicht 

Nicht zu vernachlässigen ist ein dritter Grund. Auf dem Rennrad schlägt man der Straßenverkehrsordnung (StVO) ein Schnippchen: Rennräder sind von der Radwegbenutzungspflicht ausgenommen. Denn während das Gesetz Rennräder präzise beschreibt, ist der hier in der StVO erwähnte Begriff "Trainingszweck" dehnbar: Da Mediziner nicht müde werden zu betonen, dass jede Radfahrt einen (zumindest minimalen) Trainingseffekt hat, ist man sogar im Anzug auf "Trainingsfahrt".

Böhm jedenfalls brachte in den eineinhalb Jahren, in denen er in der Windmühlgasse Fahrräder und Espresso feilbot "mindesten 200 alte Rennräder" unters Volk, bevor er vergangenen Juni zumachte. Doch nun wird er wieder alte Bikes verkaufen. Allerdings als "Händler in Residence", oder - wie Böhm es nennt - per "Pop-up-Shop": An ausgesuchten Orten wird es Retro-Bikes geben. Immer nur für ein paar Tage. Den Anfang macht am 10. und 11. April - während des Wiener Bike-Festivals am Rathausplatz - der Volksgarten-Pavillon. Ende Mai will Böhm dann in einer Maß-Jeans-Designerboutique auf der Gumpendorfer Straße Station machen. "Die Designer werden dafür eine eigene Rad-Jean kreieren." Danach ist ein Gastauftritt in München geplant.

Und - ja - auch Nichtradfahrer will Böhm glücklich machen: "Unsere Espressomaschine wird überall mit dabei sein." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD - Printausgabe, 6. April 2010)

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"Denn während das Gesetz Rennräder präzise beschreibt"

Wo bitte? Erstens steht das m.W. nicht in der StVO sondern in der Fahrradverordnung (ist eine Verordnung und daher kein Gesetz im formellen Sinn) und zweitens wird dort ein Rennrad u.a. so beschrieben, daß es einen "Rennlenker" haben muß, wobei aber nicht definiert ist, wie der aussieht. Wenn ich einfach davon ausgehe, daß ein Rennlenker ein Lenker ist, der bei Rennen verwendet wird, dann treffen die Eigenschaften auch auf die heute üblichen MTB zu. Mit Ausnahme des Raddurchmessers, aber wenn man von dem ausgeht, dann gibt's heutzutage überhaupt keine Rennräder mehr, denn auch ein Straßenrennrad hat heutzutage nur mehr einen Laufraddm. von 622mm und nicht die geforderten 630!

alle theorie ist grau

bei allen unfällen und kontrollen wurde mein laufraddurchmesser noch nie abgemessen ;)
ich denke auch, dass solche formulierungen bei einem prozess unhaltbar sind.

Habe ich nie verstanden, warum sich alle mit einem Mountainbike

durch die Stadt quälen!

Schienen und Dämpfung.

Weils dich nicht in Straßenbahnschienen saugt

muss man eben aufpassen und nicht blind durch die gegend fahren. bin seit jahren mit meinem rennrad in keine geleise gerutscht.

Wienflussradweg bis Kennedybrücke: Spatenstich 16.4., Fertig im Herbst
http://www.facebook.com/pages/Wie... all&ref=mf

Sind Rennräder auch von der Lichtbenutzung im Dunkeln ausgenommen?

Nein. Du musst nur mit einem RR nicht ständig ein Licht bei dir führen. Ab Einbruch der Dämmerung gilt dann aber natürlich ein Fahrverbot.

es gibt keine "licht mitführen" pflicht

bei guter sicht (also tagsüber) braucht man am fahrrad kein licht - nur reflektoren. auch mitführen von lamperln ist KEINE pflicht, schließlich kann man bei einfall von dunkelheit oder nebel auch jederzeit absteigen und schieben.

Danke.

Dann habe ich mich das letzte mal zu Unrecht über die Gesetzgebung aufgeregt.

Werde mich das nächste mal halt über die Fahrlässigkeit dieser Radfahrer aufregen die meinen ohne Licht auf einer Landstraße im dunkeln "trainieren" zu müssen.

"Werde mich das nächste mal halt über die Fahrlässigkeit dieser Radfahrer aufregen die meinen ohne Licht auf einer Landstraße im dunkeln "trainieren" zu müssen."

Davon gibt es in der Tat mehr als genug.

man hat sowieso das gefühl die frage wär eher tendenziös, fast schon ein wenig trollig, gestellt.
müssen radler jetzt unter tränen allen ihr leiden mit autolenkern mitteilen ?

Sicher nicht.

Weitere Gründe für Rennräder:
Man kann sich die Beine rasieren, ohne für irgendwie merkwürdig gehalten zu werden, und hautenge Klamotten gelten auch als très chic.

aus unwissen bloedelt es sich leichter

rennradler stürzen öfters, über den asphalt schlitternd. die körperbehaarung verhindert rasches abheilen. wenn hobbysportler sich die beine rasieren, sind sie vorsichtig oder/und wollen einfach dazu gehören. ich wuerde den bloedlern nicht empfehlen, auch nur 1000 kilometer im jahr ohne eng anliegende funktionsbekleidung mit dem rennrad zu fahren, damit sie sich gesundheitsprobleme zu ersparen.

egal ob renn- oder mountainbike, suv oder familienkutsche: ich würd mir wünschen, dass alle verkehrsteilnehmer wieder lernen, ein bisserl rücksicht zu nehmen. mich nerven die autofahrenden "radler-hasser" genauso wie die radelnden rücksichtslosen gehsteig- und geh/radweg-raser und absichtlich blockierer. meine theorie: wurscht, auf/in welchem verlehrsmittel diese leut sitzen, die bleiben grundlegend deppert. die fahren wahrscheinlich sogar mit dem tretroller aggressiv.

du hast vollkommen recht, rücksicht nehmen!

aber man muss hier schon unterscheiden:
1. autos sind für alle anderen verkehrsteilnehmer lebensgefährlich, radfahrer nicht. der stärkere muss gegenüber dem schwächeren naturgemäß mehr rücksicht nehmen als umgekehrt.
2. wäre es auf der straße für radfahrer nicht lebensgefährlich und gäbe es ausreichend radwege, würden radfahrer auch nicht am gehsteig fahren müssen (oder soll ich z.b. mit meinem 6-jährigen sohn auf der straße fahren?)

Gehsteigradler sind aber aber nicht so sehr ruecksichtslos als unfaehig. Unfaehig sich wie ein Fahrzeug zu verhalten.

Leider wird "Rücksichtnahme" vor allem von den Stärkeren eingefordert.

Soll heißen: Autofahrer regen sich auf dass Radler nicht Rücksicht nehmen, Radfahrer regen sich auf dass Fußgänger nicht Rücksicht nehmen - das ist idiotisch.

Ja was sonst?
Der Schwächere soll dem Stärkeren (dem potentiell stärker Schädigenden) gegenüber rücksichtsvoll sein? Das Kleinkind gegenüber dem Mann? Der Nichtraucher gegenüber dem Raucher, etc. etc.
(Evtl. im Voposting schlecht ausgedrückt: Unfaehig sich wie ein Fahrzeug zu verhalten --> Auf der Fahrbahn ist gemeint.)

... weil sich erwachsene männer so gern in enge fummel zwängen es aber nur im sport gesellschaftlich anerkannt ist?

der fetisch mit den rasierten wadln is auch ein nicht zu unterschätzender faktor.

Behalte ich selbst außerhalb der Saison bei - es schaut einfach besser aus.

den fetisch hab ich auch schon besser erklärt bekommen ;)

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