Warum Rennfahrräder wieder ein Renner sind

Ein italophiler Fahrrad-Restaurateur aus Wien eröffnet sein Geschäft wieder - an wechselnden Orten

Wien - Schuld, sagt Markus Böhm, sei der STANDARD. Schließlich habe er wirklich aufhören wollen. Aber nachdem das im Standard zu lesen war, "sind so viele Leute auf das ,Radlager' aufmerksam geworden, dass ich jetzt weitermachen muss." Denn als neulich "sogar mein neuer Steuerberater sagte: ,Was, du warst der mit dem Shop für alte Rennräder? Ich wollte immer so ein Rad - aber ich habe zu spät von dir gehört'", war für den 42-Jährigen klar: Rücktritt vom Rücktritt als Instandsetzer alter Rennräder. Denn damit hatte Böhms "Radlager" in Wien-Mariahilf eineinhalb Jahre lang für Furore gesorgt.

Böhms Geschäftsmodell war auf den ersten Blick skurril: Zum einen gab es bei dem italophilen Unternehmer den - mutmaßlich - besten Espresso der Stadt. Zum anderen eben Fahrräder: Böhm kaufte alte, meist italienische Rennradklassiker aus privaten Quellen, restaurierte sie - und verkaufte sie dann (zu Preisen von 250 bis 3000 Euro) weiter.

"Fahrräder sind am schönsten, wenn sie fahren", meint Böhm. Und dass viele Wiener das ebenso sehen, belegt der Blick auf die Straße: Alte Renner liegen im Trend.

Zum einen, weil es Fahrräder längst auch zum Statussymbol geschafft haben. Zum andern auch aus praktischen Gründen: Kopfsteinpflaster, das noch vor 15 Jahren omnipräsent war, gibt es heute kaum mehr - also kommt man mit schmalen Rennradreifen längst gut durch die Stadt. Auch weil Reifen, Speichen und Felgen heute robuster sind - und modernes Material optisch unauffällig auch auf alte Räder passt.

Ausnahme von Radwegpflicht 

Nicht zu vernachlässigen ist ein dritter Grund. Auf dem Rennrad schlägt man der Straßenverkehrsordnung (StVO) ein Schnippchen: Rennräder sind von der Radwegbenutzungspflicht ausgenommen. Denn während das Gesetz Rennräder präzise beschreibt, ist der hier in der StVO erwähnte Begriff "Trainingszweck" dehnbar: Da Mediziner nicht müde werden zu betonen, dass jede Radfahrt einen (zumindest minimalen) Trainingseffekt hat, ist man sogar im Anzug auf "Trainingsfahrt".

Böhm jedenfalls brachte in den eineinhalb Jahren, in denen er in der Windmühlgasse Fahrräder und Espresso feilbot "mindesten 200 alte Rennräder" unters Volk, bevor er vergangenen Juni zumachte. Doch nun wird er wieder alte Bikes verkaufen. Allerdings als "Händler in Residence", oder - wie Böhm es nennt - per "Pop-up-Shop": An ausgesuchten Orten wird es Retro-Bikes geben. Immer nur für ein paar Tage. Den Anfang macht am 10. und 11. April - während des Wiener Bike-Festivals am Rathausplatz - der Volksgarten-Pavillon. Ende Mai will Böhm dann in einer Maß-Jeans-Designerboutique auf der Gumpendorfer Straße Station machen. "Die Designer werden dafür eine eigene Rad-Jean kreieren." Danach ist ein Gastauftritt in München geplant.

Und - ja - auch Nichtradfahrer will Böhm glücklich machen: "Unsere Espressomaschine wird überall mit dabei sein." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD - Printausgabe, 6. April 2010)

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