Investments von Harvard und Yale machen Schule

Lukas Sustala, 05. April 2010 18:35

Das Stiftungsmodell der Eliteuniversitäten ist für viele Investoren Vorbild. In Wien können Studenten die Strategie der Hochschulen nun umsetzen

Wien - Wie in der Welt des Sports gibt es auch in der Finanzwelt die Topathleten, zu denen aufgeschaut wird. Im Bereich der Vermögensverwaltung sind das die beiden US-Spitzenuniversitäten Harvard und Yale. Ihr Stiftungs-modell ("endowment model") wird bereits von vielen Portfoliomanagern nachgeahmt oder als ambitionierter Maßstab herangezogen.

Die beiden Universitäten managen Stiftungsvermögen von 16,3 Mrd. Dollar (12,1 Mrd. Euro, Yale) und 26 Mrd. Dollar (Harvard). Ein Blick auf die Investmentgeschichte zeigt, dass Harvard und Yale anderen Investoren mehr als einen Schritt voraus waren. 100 Dollar, investiert 1985 in eines der beiden Portfolios wären auf 1931,4 Dollar (Harvard) bzw. 2621,9 Dollar (Yale) gestiegen - investiert in den US-Aktienindex, wären nur 1015,5 Dollar herausgekommen.

Die Finanzkrise hat aber auch am Stiftungsmodell gerüttelt. Verluste zwischen 25 und 30 Prozent für 2009 haben die Personalpolitik der Universitäten massiv unter Druck gesetzt. Zwischenzeitlich haben die Einnahmen aus den Stiftungserträgen rund 40 Prozent zu den Gesamteinnahmen der Universitäten beigetragen.

Lehren aus der Krise

Die Manager der beiden größten Universitätsportfolios haben daher in den vergangenen Monaten ihre Lehren aus der Krise gezogen. David Swensen, Manager des Yale-Portfolios, etwa hat die Positionen in Hedgefonds massiv reduziert. Stattdessen sind in der Allokation mehr Immobilien- und Rohstoffwerte. In Harvard sind die Manager hingegen von der Praxis abgegangen, das Portfolio zu hebeln, sprich mit Fremdkapital die potenziellen Erträge zu steigern.

Lehren wurden auch in Wien gezogen. 28 Studenten managen am Institut für Strategische Kapitalmarktforschung Portfolios, die den Investmentstil von Harvard und Yale nachahmen. Durch eine Kooperation zwischen der Wirtschaftsuniversität Wien und der Privatstiftung des Investors und Philanthropen Peter Pühringer sind sie für drei Strategien verantwortlich, die je mit einer Million Euro ausgestattet sind. Die Allokationen von Yale und Harvard sowie eine weitere der ZZ Vermögensverwaltung werden verfolgt, wobei die Studenten kein Kapitalrisiko tragen.

Theorie und Praxis

Die Professoren Josef Zechner und Engelbert Dockner sind für die theoretische Fundierung der Investmententscheidungen verantwortlich. Ziel ist es, die Methoden und Instrumente der modernen Kapitalmarkttheorie nachhaltig einzusetzen. In regelmäßigen Abständen gibt es technische Aufgaben für die Studenten, die theoretische Modelle auf Praxisfragen anwenden sollen.

Die Zielvorgabe für die Portfolios sieht einen jährlichen Ertrag von zwölf Prozent vor, bei einer Volatilität von 20 Prozent. Diese Ziele wurden auch in der Krise fast erfüllt: Die drei Portfolios haben in den vergangenen zwei Jahren zwischen 9,7 und 34 Prozent verdient, während US- und europäische Aktienmärkte zwischen 15 und 25 Prozent verloren haben. Im Mai werden die Portfolio-Manager gewechselt. Bewerben kann man sich bis zum 22. April.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.4.2010)

 

Al Berto
06.04.2010 19:01

die unis auf dem "ich werde reich, ohne zu arbeiten"-trip.

lächerlich und unwürdig.

gibt´s denn keine volkswirte mehr? anlagestrategien funktionieren nur so lange überdurchschnittlich, als sie nicht von vielen marktteilnehmern imitiert werden.

außerdem: die frage lautet nicht: wie werden einige reich, sondern: wie geht es allen gut.

einsermichel
06.04.2010 08:59
und wie soll bei einem wirtschaftswachstum von viell 2 % eine

Rendite von 12 % erzielt werden? Wenn die Renditenerwartung der Finanzwirtschaft die der Realwirtschaft so abhängt, braucht man sich nicht wundern, wenn in einigen Jahren der nächste Crash passiert ...

Ivan Bukov
06.04.2010 09:37

Der Teufel liegt eben im Detail. Die Gesamtwirtschaft ist naemlich nicht die Messgrundlage

Kahuna
06.04.2010 01:08
Bitte gebts den Profs kein Geld zum Investieren

Ich habe mich schon bei meinem Studium gewundert, ob man vom BWL-Papst Gutenberg, der einen Konkurs hingelegt hat, etwas lernen kann.

Den Studenten, die Verlust bauen, soll man einen Fuenfer geben. Obwohl das ja realitaetsfern waere; Verluste werden ja vom Steuerzahler ausgeglichen.

Christiane Amanpour
 
05.04.2010 23:59
Wie schaut denn das rechtlich aus?

Ich wünsche den Studenten vom Institut für Strategische Kapitalmarktforschung bei ihren Experimenten eine gute Hand & viel Glück beim Investieren.

Was ist aber, wenn sie Verluste machen? Wer ist dann dafür verantwortlich? Wer bekommt Sanktionen zu spüren? Die Studenten? (Mussten die Studenten vorher etwas unterschreiben? Wenn ja, was?) Die Professoren?

Hr. Pühringer hat den Professoren Zechner und Dockner 3 Millionen € zur Verfügung gestellt. Was ist, wenn die weg sind?

Ganz abgesehen von diesen Unklarheiten scheinen diese Studenten altmodisch dafür ausgebildet zu werden, Finanzblasen zu produzieren, die wie inzwischen bekannt, zu einem Desaster führen.

Hoffentlich muss sich die Justiz nicht für diesen Graubereich interessieren.

Ivan Bukov
06.04.2010 09:38

Wenn sie Verluste machen ist dem Puehringer sein Geld halt futsch...

Konrad Euler
05.04.2010 23:02
prof. zechner + prof. dockner...

... sind doch auch "mastermind" bei iqam, einer investmentgruppe, die jetzt sehr vieles für die spaengler fonds vernatwortlich "managt".

zum beispiel den konservativen anleihenfonds "spartrust m", der zuvor lange zeit von der erstebank sehr erfolgreich gemanagt wurde.

seit die truppe das ruder übernommen hat, fällt der fonds mindestens ins mittelfeld zurück...

überall funktionierts also doch nicht so gut...

Unser Wandeln braucht Härte
05.04.2010 21:22
there is no free lunch

harvard und yale haben hochriskante portfolios, bei denen der anteil an illiquiden investments (real estate, hedge funds, private equity) über 50% beträgt. diese "alternatives" werden nicht täglich am markt bewertet wie börsennotierte instrumente. von daher wird die volatilität systematisch unterschätzt, wodurch überlegene risikokennzahlen herauskommen. welche risiken in den portfolios schlummern, hat man in der krise gesehen.

RiotX
06.04.2010 09:24
Sehr richtig!

Und die Performance dieser Unifonds dann mit dem "US-Aktienindex" (welchen eigentlich) zu vergleichen spricht eh für sich.

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