Das Stiftungsmodell der Eliteuniversitäten ist für viele Investoren Vorbild. In Wien können Studenten die Strategie der Hochschulen nun umsetzen
Wien - Wie in der Welt des Sports gibt es auch in der Finanzwelt die Topathleten, zu denen aufgeschaut wird. Im Bereich der Vermögensverwaltung sind das die beiden US-Spitzenuniversitäten Harvard und Yale. Ihr Stiftungs-modell ("endowment model") wird bereits von vielen Portfoliomanagern nachgeahmt oder als ambitionierter Maßstab herangezogen.
Die beiden Universitäten managen Stiftungsvermögen von 16,3 Mrd. Dollar (12,1 Mrd. Euro, Yale) und 26 Mrd. Dollar (Harvard). Ein Blick auf die Investmentgeschichte zeigt, dass Harvard und Yale anderen Investoren mehr als einen Schritt voraus waren. 100 Dollar, investiert 1985 in eines der beiden Portfolios wären auf 1931,4 Dollar (Harvard) bzw. 2621,9 Dollar (Yale) gestiegen - investiert in den US-Aktienindex, wären nur 1015,5 Dollar herausgekommen.
Die Finanzkrise hat aber auch am Stiftungsmodell gerüttelt. Verluste zwischen 25 und 30 Prozent für 2009 haben die Personalpolitik der Universitäten massiv unter Druck gesetzt. Zwischenzeitlich haben die Einnahmen aus den Stiftungserträgen rund 40 Prozent zu den Gesamteinnahmen der Universitäten beigetragen.
Lehren aus der Krise
Die Manager der beiden größten Universitätsportfolios haben daher in den vergangenen Monaten ihre Lehren aus der Krise gezogen. David Swensen, Manager des Yale-Portfolios, etwa hat die Positionen in Hedgefonds massiv reduziert. Stattdessen sind in der Allokation mehr Immobilien- und Rohstoffwerte. In Harvard sind die Manager hingegen von der Praxis abgegangen, das Portfolio zu hebeln, sprich mit Fremdkapital die potenziellen Erträge zu steigern.
Lehren wurden auch in Wien gezogen. 28 Studenten managen am Institut für Strategische Kapitalmarktforschung Portfolios, die den Investmentstil von Harvard und Yale nachahmen. Durch eine Kooperation zwischen der Wirtschaftsuniversität Wien und der Privatstiftung des Investors und Philanthropen Peter Pühringer sind sie für drei Strategien verantwortlich, die je mit einer Million Euro ausgestattet sind. Die Allokationen von Yale und Harvard sowie eine weitere der ZZ Vermögensverwaltung werden verfolgt, wobei die Studenten kein Kapitalrisiko tragen.
Theorie und Praxis
Die Professoren Josef Zechner und Engelbert Dockner sind für die theoretische Fundierung der Investmententscheidungen verantwortlich. Ziel ist es, die Methoden und Instrumente der modernen Kapitalmarkttheorie nachhaltig einzusetzen. In regelmäßigen Abständen gibt es technische Aufgaben für die Studenten, die theoretische Modelle auf Praxisfragen anwenden sollen.
Die Zielvorgabe für die Portfolios sieht einen jährlichen Ertrag von zwölf Prozent vor, bei einer Volatilität von 20 Prozent. Diese Ziele wurden auch in der Krise fast erfüllt: Die drei Portfolios haben in den vergangenen zwei Jahren zwischen 9,7 und 34 Prozent verdient, während US- und europäische Aktienmärkte zwischen 15 und 25 Prozent verloren haben. Im Mai werden die Portfolio-Manager gewechselt. Bewerben kann man sich bis zum 22. April.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.4.2010)