Statt wie Nelson Mandela zu Zeiten der legendären Rugby-Meisterschaft 1995 auf Einheit zu setzen, scheint Zuma den Zwist zu legitimieren - von Julia Raabe
Die Ermordung des Rechtsextremisten Eugene Terreblanche kommt für Südafrika auch noch zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Seine Afrikaner Weerstandsbeweging ist zwar eine Randerscheinung, die von den meisten Weißen im Land nicht unterstützt wird. Doch der Mord rückt die weitverbreitete Gewalt und die horrende Kriminalitätsrate in grelles Scheinwerferlicht - und nährt so die ohnehin großen Zweifel, ob das Land während der Fußball-WM die Sicherheit gewährleisten kann.
Auch 16 Jahre nach dem Ende der Apartheid sind die Gräben zwischen den Bevölkerungsgruppen immer noch tief. Viele Weiße fühlen sich von den politischen Entscheidungen ausgeschlossen und wirtschaftlich bedrängt. Von den Fördermaßnahmen für Schwarze profitiert aber auch nur eine Minderheit. Die Bewohner der Armensiedlungen haben keinen Zugang zur neuen Elite und fühlen sich von der Regierung betrogen. Das birgt ein hohes Gewaltpotenzial, das sich immer öfter auch entlädt.
Präsident Jacob Zuma hat bisher nicht den Eindruck vermittelt, als wolle er daran substanziell etwas ändern. Den ANC-Jugendführer Julius Malema hat er nicht zurückgepfiffen, als dieser "Tötet den Buren" sang und jüngst die Enteignungspolitik Simbabwes lobte. Das ist gefährlich. Statt wie Nelson Mandela zu Zeiten der legendären Rugby-Meisterschaft 1995 auf Einheit zu setzen, scheint Zuma den Zwist zu legitimieren. (Julia Raabe/DER STANDARD, Printausgabe, 6.4.2010)