Zentral-Indien

Selbstmordserie nach Missernte

04. April 2010 14:06

Dutzende Baumwollbauern aus der als "Selbstmordgürtel" geltenden Region sahen aufgrund stark gefallener Preise keinen Ausweg

Neu Delhi - In Indien haben wieder Dutzende Bauern Selbstmord begangen: Nach einer verheerenden Missernte nahmen sich binnen zehn Tagen in der zentralindischen Region Vidarbha mehr als 30 Baumwollfarmer das Leben, berichtete der Sender NDTV am Sonntag. Die meisten Landwirte seien hoch verschuldet gewesen und hätten aufgrund der Ernteausfälle sowie stark gefallener Preise für Baumwolle keinen Ausweg mehr aus der Krise gesehen.

"Es gab Mahnungen von der Bank. Örtliche Kredite mussten beglichen werden. Wir haben sogar versucht, unsere Ochsen zu verkaufen, aber es gab keine Interessenten", sagte der Bauer Baba Tekam, dessen Sohn Laxman zu den jüngsten Selbstmordopfern gehört.

"Selbstmordgürtel"

Die vom Baumwollanbau geprägte Region Vidarbha liegt etwa 600 Kilometer nordöstlich der Metropole Mumbai. Aufgrund des Freitods Tausender Bauern ist Vidarbha in der Vergangenheit immer wieder als "Selbstmordgürtel" Indiens in der Schlagzeilen geraten. Nach Angaben der indischen Regierung haben sich seit 1997 landesweit etwa 180.000 meist hoch verschuldete Landwirte das Leben genommen. Die jüngste offizielle Zahl stammt aus Jahr 2007, in dem 16.600 Bauern den Freitod wählten. 2006 waren es mehr als 17.000 Selbstmorde.

Die indische Regierung hatte bereits Anfang 2008 ein umgerechnet knapp 10 Milliarden Euro umfassendes Hilfspaket für den Agrarsektor verabschiedet, mit dessen Hilfe 30 Millionen Kleinbauern die Schulden erlassen werden sollten. Bürgerrechtler kritisieren jedoch, dass das Programm nur Kredite bei Banken einschließt, nicht aber bei örtlichen Geldverleihern. Daher könne bisher nur ein Bruchteil der betroffenen Bauern von der Schuldentilgung profitieren. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 56
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Mooswieser
06.04.2010 15:16

Monsanto GVO "funktionieren" nur im Labor wie gedacht. Sobald die Wirkungslosigkeit dieses Unfugs genug Bauern in den Ruin getrieben hat, wird hoffentlich auch langsam die unkritische Haltung einiger Bauern zugunsten einer differenzierten Sichtweise weichen.

Btw: Da diese Pflanzen ohne spezielle Gifte nicht lebens/konkurrenzfähig sind und Gene lt. aktueller Molekularbiologie etwas sehr dynamisches sind wird sich auch der "Impact" der Gentec auf die Flora des Planeten hoffentlich in Grenzen halten.

springflower
06.04.2010 09:46
Der amerikanische Konzern Monsanto hat

diese Bauern in die genmanipulierte Abhängigkeit gebracht. Diese furchtbare Entwicklung wurde bereits
in Dokumentationen thematisiert. Anscheinend hat niemand was dagegen unternommen!

fyi1
06.04.2010 04:46
Das erzwungene Freihandelsabkommen ist Schuld ...

Mr. Bush musste 2000 die Inder dazu zwingen , die Zollbarrieren fallen zu lassen - das Ergebnis sind die üblichen Opfer der Marktwirtschaft - Menschen die Ihre Existenz verlieren . Wann hört dieser Wahnsinn der Amerikaner eigentlich auf ?

Artischoke
06.04.2010 00:46

Ich möchte nicht behaupten, dass Monsanto unschuldig wäre. Aber deren Wichtigkeit wird hier im Forum doch recht übertrieben dargestellt.

Das Problem hat seinen Ursprung darin, dass es für ungebildete Landbewohner kaum Alternativen gibt. So bleiben sie halt in der Landwirtschaft wie die Eltern und Geschwister. Damit konkurrieren sich die Bauern gegenseitig unter jede Notdürfdigkeitsgrenze, als ob es nicht schon schwer genug wäre mit 5 Kühen eine Familie zu erhalten. Und natürlich gibt es dann unmoralische Kreditgeber. Im Prinzip ist das ganze am besten mit Leibeigenschaft vergleichbar. Und solange so viele Inder im primären Sektor arbeiten wird sich daran auch nicht viel ändern.

Matthias Fuchs
 
05.04.2010 23:36

Das ganze ist wirklich schrecklich, all die Befürchtungen der seriösen Gegner von GMOs werden nicht nur bestätigt sondern übertroffen ...

Im Prinzip leben wir in einem schrecklichen Horrorfilm aus dem es endlich aufzuwachen gilt.

Gramurcki
05.04.2010 16:32
Freie Marktwirtschaft!

Hurra! Hurra! Hurra!

el peregrino
05.04.2010 16:17
warum schreibt der standard nicht, dass es sich hier um monsanto-machenschaften handelt?

warum verliert der standard keine zeile über die knebelungsverträge der indischen baumwollbauern mit monsanto? warum zeigt er nicht die direkten zusammenhänge auf? wird auch der standard von monsanto "angefüttert"?

Flowchi
05.04.2010 16:01
an Fred der Prophet

Mein Freund: Dir ist aber schn bewußt, daß dort BT-Baumwolle angepflanzt wird die wiederum von Monsanto kommt, die Leute in den Feldern zusätzich krank macht usw.

DESWEGEN posten WIR hier ALLE gegen GV!

grumbleduke
 
05.04.2010 15:48
Titelseite, Abschnitt "Wirtschaft"

Links: "Selbstmordserie nach Missernte"
Rechts: "Hedgefonds: Höchste Boni aller Zeiten"

Da sollt' man mischen können, aber ehrlich!

Cuca Racha
 
05.04.2010 18:37
Wirtschaft, links - rechts

Der Standard nimmt eben seinen Bildungsauftrag ernst. Sehr löblich !

susi strolcher
05.04.2010 12:53
die meisten dieser bauern leben seit generationen in schuldknechtschaft

monsanto und co machen es natürlich noch schlimmer, aber zu den selbstmorden führt eher der terror der landbesitzer. von deren schuldeintreibern könnte sogar die mafia noch was lernen.da wird nicht nur geprügelt, sondern da werden auch schon mal die töchter und hübsche knaben in bordelle in bombay verschleppt.

Fred der Prophet
05.04.2010 12:28

Warum posten hier alle gegen Gentechnik, in dem Artikel wird das mit keinem Wort erwähnt. Mit gentechnisch veränderten Produkten hätte sich eine Missernte vielleicht vermeiden lassen.

I_prefer_not_to
05.04.2010 16:21

Sie sitzen dem weit verbreiteten Irrtum auf, dass gentechnisch veränderte Pflanzen resistent gegen Krankheiten wären. Das sind sie aber nicht, sie vertragen nur mehr Pestizide. Die von Monsanto.

Dazu kommen dann - wie unten von yomellamo erwähnt - neue, bisher unbekannte Krankheiten.

Monsanto gehört genauso bekämpft wie jede andere kriminelle Organisation.

yomellamo
05.04.2010 15:02

der witz ist, dass die GMO baumwolle an krankheiten zugrunde geht die bisher unbekannt waren.

Der einzige grund warum bauern auf GMO pflanzen umsteigen sollen ist, dass Monsanto und Co. an jeder tonne die auf dieser welt gesäät wird verdient. Einerseits weil die bauern dazu gezwungen sind deren saatgut zu kaufen und andererseits weil die bauern implizit dann auch dazu gezwungen sind Roundup zu kaufen.

Die erträge von GMO pflanzen sind übrigens nicht höher als jene von konventionellen pflanzen.

Die bauern bringen sich nicht zum Spaß um, sondern weil sie keinen ausweg mehr haben. Sie müssen das saatgut+roundup teurer kaufen (von monsanto) und haben mehr missernten (dank Monsanto GMO).

schauen sie sich den Report an (siehe weiter unten)

Pröll's Leistungsträger & die fidele Banksterbagage
06.04.2010 13:27
Genau aus dem Grund hat Ägypten schon Schluss gemacht mit der Gentechnikschei+e im Baumwollanbau.

Der engagierte Bio-Pionier Aboul Eisch (Anbaugemeinschaft "Sekem") konnte den Landwirtschaftsminister überzeugen, dass das ganze nur zum Untergang führt.

Lionel Messi
05.04.2010 11:03
wenn man die gift und gene dokumentation über monsanto sieht kommt einem das grauen

wenn weiter nichts gegen diese skrupellosen machenschaften vorgeht, werden wir bald alle nur mehr das gift dieses ungeheuers essen müssen. mit allen schrecklichen folgen für mensch und natur. am schlimmsten ist, dass die verbreitung manipulierter pflanzen irreversibel ist und alle natürlichen arten ungestört und unkontrolliert verändert werden, sich verbreiten und dank des patentschutzes im eigentum von monsanto stehen

spoiled ballot
05.04.2010 13:15
aber geh

das sind die "leistungsträger" ohne sie und ihre gekauften politmarionetten würden wir alle verhungern, den nur wenn es der korrupten "wirtschaft" gut geht, geht es den menschen gut.

bis auf die hunderte millionen menschen in entwicklungs- und schwellenländern auf deren kosten das system funktioniert.

Steven Biko
05.04.2010 12:49
Was am traurigsten ist....

die Köpfe dieses " wie sie es bezeichnen " Monsters, sind Menschen, Abkömmlinge einer Art in deren Bezeichnung das Wort "menschlich" mitschwingt.

Armer Wolf, was kann er für das blöde Sätzchen, "Der Mensch ist des Menschen Wolf".

SB

Michel Berger
05.04.2010 11:03
Das Verhalten indischer Bauern ist durchaus mit dem der österr. Bauern vor 40 Jahren vergleichbar.


Wenig Ahnung von Betriebswirtschaft, keine Ahnung von Chemie, Vertrauen auf den Inhalt von schönen Prospekten (damals Raiffeisen Düngemittelberatung - heute Monsanto) und die Gier mit weniger Aufwand jährlich noch mehr aus dem Boden herauszuholen.

Auch die indische Landwirtschaft kommt nicht um den notwendigen Strukturbereinigungsprozeß herum und dieser ist für die Kleinbauern nicht gerade erfreulich. Erschwerend kommt hinzu, daß sich diese Leute den Luxus von 5 und mehr Kindern leisten ohne diesen eine Lebensgrundlage oder Perspektive bieten zu können.

Alle Schuld an dieser Misere nur an Monsanto aufzuhängen ist schlichte Verdrängung der Fakten und Schwarz/Weiß-Malerei.

Christos Da Silva
06.04.2010 16:20
scheinbar

war Herr Berger niemals in Indien :-) und hat auch sonst wenig Ahnung von den Hintergründen .. Ansonsten kann ich hinter seinem starken Auftreten , nur ahnungslose Dummheit (beneidenswert heutzutage ) oder Eigeninteresse vermuten :-) beides = unangebracht ..

her wig
06.04.2010 07:45
"nicht gerade erfreulich"

Sollten Sie auch mal unter die Räder eines Strukturbereinigunsprozesses geraten, wird das für Sie auch ein nicht gerade erfreuliches Erlebnis werden. Aber keine Sorge, alles halb so schlimm, die Menschen auf der anderen Seite werden ihr Ableben gelassen nehmen.

Steven Biko
05.04.2010 12:55
mal ne Frage......

Ahnung von BWL, VWL.....
etwa so wie die Manager diverser Investmentbanken, oder kleineren "systemrelavanten" Banken.
Etwa die Ahnung diverser Medienkonzerne die mittlerweile pleite sind.
Ahnung, ja diese Ahnung müßten Sie wohl haben, die indischen Bauern, dann würden zwar Ihre Mitmenschen verhungern, Sie selbst aber in Saus und Braus in Goa im Reichtum schwelgen.

Ich danke Ihnen, für die erneuten Einblicke in die menschliche Seele, deren Ignoranz, wie würde es Einstein formulieren, neben der Dummheit ( vom Universum konnte er es ja nicht 100% ig sagen) ebenfalls unendlich ist.

Herzlichst
SB

lucifer, sohn der morgendämmerung
 
05.04.2010 12:25

anscheinend hast du (haben sie?) wenige indische menschen kennengelernt... von gier und faulheit zu sprechen, ist schonmal mehr als vermessen, und dass die 5 und mehr kinder soviel kosten - naja, allerspätestens mit 10, vermutlich im schnitt viel früher helfen die kinder schon auf den feldern und im haushalt mit, und erarbeiten sich ihr essen selbst.

dass sie wenig ahnung von bwl haben und westlichen wundermitteln gerne vertrauen, stimmt allerdings

heinz feichtinger
05.04.2010 09:16
Monsanto klingt wie Vatikan

In Wirklichkeit ist es eine ebenso profitsüchtige Firma, die oft in Kooperation mit dem Saatgutmonopolisten Pioneer auftritt.Das neueste Projekt ist die Entwicklung eines eiweißreicheren Reises, der neben aller anderen Eigenschaften wie Resistenz gegen Pestizide etc, der Nichtwiederverwendbarkeit als Saatgut, Die Bauern müssen immer Saatgut kaufen, Trockenresistenz, wegen der Erderwärmung, das Eiweiß als Gluten einbaut. Die Resistenz gegen Gluten ist im Weizengürtel (Also in der "Weißen" Zivilisation) zum Großteil gegeben. Zöliakie hält sich in Maßen, trotz permanenter Steigerung des Glutengehaltes.
Monsanto bereitet in der Dritten Welt mit diesem Reis einen Völkermord vor. Monsanto hat ja schon mit Cox Orange in Vietnam was vorexerziert.

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