Dutzende Baumwollbauern aus der als "Selbstmordgürtel" geltenden Region sahen aufgrund stark gefallener Preise keinen Ausweg
Neu Delhi - In Indien haben wieder Dutzende Bauern Selbstmord
begangen: Nach einer verheerenden Missernte nahmen sich binnen zehn Tagen in der
zentralindischen Region Vidarbha mehr als 30 Baumwollfarmer das Leben,
berichtete der Sender NDTV am Sonntag. Die meisten Landwirte seien hoch
verschuldet gewesen und hätten aufgrund der Ernteausfälle sowie stark gefallener
Preise für Baumwolle keinen Ausweg mehr aus der Krise gesehen.
"Es gab Mahnungen von der Bank. Örtliche Kredite mussten beglichen werden.
Wir haben sogar versucht, unsere Ochsen zu verkaufen, aber es gab keine
Interessenten", sagte der Bauer Baba Tekam, dessen Sohn Laxman zu den jüngsten
Selbstmordopfern gehört.
"Selbstmordgürtel"
Die vom Baumwollanbau geprägte Region Vidarbha liegt etwa 600 Kilometer
nordöstlich der Metropole Mumbai. Aufgrund des Freitods Tausender Bauern ist
Vidarbha in der Vergangenheit immer wieder als "Selbstmordgürtel" Indiens in der
Schlagzeilen geraten. Nach Angaben der indischen Regierung haben sich seit 1997
landesweit etwa 180.000 meist hoch verschuldete Landwirte das Leben genommen.
Die jüngste offizielle Zahl stammt aus Jahr 2007, in dem 16.600 Bauern den
Freitod wählten. 2006 waren es mehr als 17.000 Selbstmorde.
Die indische Regierung hatte bereits Anfang 2008 ein umgerechnet knapp 10
Milliarden Euro umfassendes Hilfspaket für den Agrarsektor verabschiedet, mit
dessen Hilfe 30 Millionen Kleinbauern die Schulden erlassen werden sollten.
Bürgerrechtler kritisieren jedoch, dass das Programm nur Kredite bei Banken
einschließt, nicht aber bei örtlichen Geldverleihern. Daher könne bisher nur ein
Bruchteil der betroffenen Bauern von der Schuldentilgung profitieren. (APA)