Drei schwere Explosionen im Zentrum von Bagdad - Unklarheit über Zahl der Opfer - Iranische Botschaft besonders stark betroffen
Bagdad - Selbstmordattentäter haben im
Zentrum Bagdads bei einer koordinierten Anschlagsserie auf mehrere diplomatische Vertretungen mindestens 30 Menschen getötet. 224 Menschen wurden bei den drei
Explosionen am Sonntag verletzt, wie aus dem irakischen
Innenministerium verlautete. Zuvor gab die Polizei die Zahl der Opfer mit mindestens 50 an.
Besonders hart traf es offenbar die iranische Botschaft, die
bereits mehrfach Ziel von Anschlägen war. Der
Attentäter zündete
seine Bombe direkt vor dem Haupteingangstor. Die
Wucht der
Detonation zerstörte rund 30 Fahrzeuge. Außerdem wurden nach
Angaben des irakischen Finanzministeriums mehrere
Regierungsgebäude in der Nähe
beschädigt. "Das reicht. Wir haben
genug von den Explosionen. Wir fühlen uns nicht sicher", klagte
ein 39-Jähriger, der Verletzungen am
Kopf, Bein und Arm erlitt.
"Wir verlassen unser Haus und wissen nicht, ob wir zurückkommen
oder nicht."
Bombe detonierte als Konvoi ägyptische Botschaft verließ
Bei der
ägyptischen Botschaft rammte der
Attentäter sein
Fahrzeug direkt in einen davor aufgestellten Betonschutzwall.
Die Explosion schlug einen tiefen Krater
in die Straße vor der
diplomatischen Vertretung. Nach Angaben eines Augenzeugen wurde
die Bombe gezündet, als ein Konvoi die Botschaft verließ. Viele
Sicherheitskräfte seien getötet oder verletzt worden. "Die
Wachleute der Botschaft schossen auf den
Terroristen, aber er
machte weiter und sprengte sich in die
Luft", sagte der Sprecher
der Bagdader Sicherheitskräfte, Kassim
al-Mussawi. "Das gleiche
passierte bei der iranischen Botschaft."
Er fügte hinzu, dass
eine vierte Autobombe entschärft und der
verhinderte Attentäter
festgenommen worden sei.
Mussawi setzte die Zahl der
Opfer etwas niedriger an, als aus
dem Innenministerium verlautete. Demnach kamen bei der
Anschlagsserie insgesamt 17 Menschen ums Leben und 140 wurden
verletzt. Ob sich - wie aus Polizeikreisen verlautete - auch
Ausländer unter den Opfern befanden, war unklar. Eine
Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Auch bekannte sich
vorerst niemand zu den Attentaten.
Den Anschlägen waren eine
ganze Reihe von Gewalttaten
unmittelbar vorausgegangen. Sowohl am Samstagabend als auch am
Sonntagmorgen wurde mit Granatwerfern auf die
schwerbewachte
Grüne Zone gefeuert, in der sich diverse
Regierungsgebäude sowie
weitere Botschaften und Residenzen befinden. Bei der Explosion
einer am Straßenrand versteckten Bombe wurden am Sonntag in der
irakischen Hauptstadt außerdem fünf Polizisten und fünf
Zivilisten verletzt. Am Freitag ermordeten Bewaffnete bei einem
Überfall auf ein sunnitisches Dorf südlich von Bagdad 24
Menschen.
Die irakischen
Behörden hatten nach dem äußerst knappen
Ausgang der Wahlen Anfang März bereits
vor einer Eskalation der
Gewalt gewarnt, da immer noch unklar ist, wer künftig die
politischen Geschicke des Golfstaats lenken wird. Bei der
Abstimmung hatte kein Parteienbündnis eine Mehrheit der
Parlamentssitze errungen. Offiziellen Angaben zufolge gewann das
säkulare Bündnis des ehemaligen Regierungschefs Ijad Allawi zwei
Parlamentssitze mehr als die
Rechtsstaat-Allianz des amtierenden
Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Die
Gespräche zur Bildung
einer Regierung könnten sich noch Wochen oder gar Monate
hinziehen. (Reuters)