Sebastian Vettel gewinnt den GP in Malaysia vor Teamkollege Marc Webber und Nico Rosberg. Schumacher out - WM-Leader Massa
Sepang - Red Bull steht voll im Saft. Das österreichisch-englische Team hat
am
Sonntag beim Formel-1-Grand-Prix von Malaysia in Sepang einen
Doppelsieg eingefahren und erstmals Kapital aus seinem überragenden Auto geschlagen. Der Deutsche Sebastian Vettel gewann knapp fünf
Sekunden vor seinem australischen Teamkollegen Mark Webber, Rang drei
ging an den deutschen Mercedes-Piloten Nico Rosberg. Für Rekord-Weltmeister Michael
Schumacher dauerte das Rennen nur neun Runden, der Deutsche schied wegen einer defekten Radmutter am linken
Hinterreifen aus.
Raketenstart
Der befürchtete Tropenregen, der im Vorjahr in Malaysia zu
einem
Abbruch geführt hatte, war entgegen allen Erwartungen am Renntag
ausgeblieben. Vettel legte den Grundstein zu seinem sechsten
Grand-Prix-Sieg mit einem Raketenstart. Der 22-jährige Deutsche
katapultierte sich an Pole-Mann Webber und dem später
drittplatzierten Deutschen Nico Rosberg vorbei. "Das war mit
Sicherheit entscheidend", erklärte Vettel.
In weiterer Folge zogen die beiden überlegenen Red-Bull-Boliden
dem Feld auf und davon. Webber ließ nicht locker, verlor aber beim
Boxenstopp wegen eines stecken gebliebenen Schlagschraubers 2,5
Sekunden - und damit die Chance, seinen Stallgefährten noch ernsthaft
zu gefährden. Der Brasilianer Massa übernahm trotz Rang sieben die
WM-Führung, weil Ferrari-Topstar Alonso zwei Runden vor Schluss an
neunter Stelle liegend der Motor hochging.
Die beiden Ferraris waren ebenso wie die beiden McLaren wegen
falscher Strategie im verregneten Qualifying aus dem hinteren Drittel
des Feldes gestartet. Lewis Hamilton fuhr mit einem beherzten Rennen
im McLaren immerhin auf Platz sechs vor - unmittelbar hinter den
Überraschungspiloten Robert Kubica (Renault) und Adrian Sutil (Force
India). Alonso bezahlte den harten Kampf um Platz acht mit
Weltmeister Jenson Button mit dem Out.
Red Bull belohnt sich
Red Bull dagegen feierte nach deren vier im Vorjahr bereits den
fünften Doppelsieg in der Königsklasse, den siebenten Triumph
insgesamt. Die Trophäe für den siegreichen Konstrukteur durfte nach
der österreichischen Bundeshymne Stardesigner Adrian Newey
entgegennehmen, der für das überragende Auto verantwortlich zeichnet.
Nach der Zieldurchfahrt hatte es an der Boxenmauer eine kräftige
Umarmung mit Teamchef Christian Horner gegeben.
Die Erleichterung war groß, hatten technische Defekte Vettel
doch
schon in den ersten beiden Saisonrennen in Bahrain und Australien um
zwei sicher scheinende Siege gebracht. "Ist das süß, oder ist das
süß?", jubelte Vettel über Boxenfunk. "Nach diesen zwei Rennen war es
wichtig, nicht in Panik zu verfallen. Das sind wir auch nicht",
betonte der Jungstar. "Es ist eine große Erleichterung, denn es wurde
auch langsam Zeit. Aller guten Dinge sind drei."
Das Duell mit Webber - vor allem am Start - sei hart, aber fair
gewesen. "Wir haben bis zum Ende gegeneinander gekämpft, aber das
muss auch so sein", meinte Vettel. "Ich habe die Chance genützt, aber
das hätte Mark auch getan." Beide hätten sich einwandfrei verhalten,
versicherte Horner. "Das ist ein brillantes Ergebnis für uns. In den
ersten beiden Rennen haben wir wenig Glück gehabt und viele Punkte
liegen gelassen", erinnerte der Teamchef.
Webber war zwar die schnellste Runde gefahren, war aber nicht
vollends zufrieden. "Ich wäre gerne noch einen Platz weiter vorne,
aber wir haben zu einem kritischen Zeitpunkt eine super Leistung
gebracht", sagte der Australier. Erste WM-Punkte gab es auch für Red
Bulls Zweitteam Toro Rosso - deren zwei durch Jaime Alguersuari. Der
20-jährige Spanier landete nach starker Leistung als Neunter erstmals
in seiner Karriere in den Punkterängen.
Schumi ausgebremst
Der Pechvogel des Rennens war dagegen Rekordweltmeister Michael
Schumacher. Während Teamkollege Rosberg den neuen Mercedes erstmals
aufs Podest stellte, blieb der 41-Jährige im dritten Rennen nach
seinem Comeback bereits nach neun Runden mit Defekt liegen. Eine
Radmutter hatte sich gelöst, das Auto war unfahrbar geworden. "Wir
hätten sicher gerne noch mehr gezeigt", gestand Schumacher. "Aber
diese Dinge gehören zum Rennsport."
"Ich habe Spaß an der Formel 1", versicherte der 91-fache
Grand-Prix-Sieger nach dem Ausfall. Über den technischen Defekt wollte
er sich nicht weiter ärgern.
"Man kann sich darüber ärgern, oder sagen, das ist 'part of the game'.
So sehe ich das derzeit", versicherte der Rückkehrer. So richtig nimmt
man ihm das Phlegma allerdings nicht ab, war man beim Rekordchampion
doch stets dessen unvergleichlichen Ehrgeiz gewöhnt. "Was mich
betrifft, bin ich im Fahrplan", meinte Schumacher. "Was das Auto
betrifft, sind wir es noch nicht." (red/APA)