Chinesischer Kohlefrachter lief auf Riff auf - 230 Meter langes Schiff droht zu zerbrechen - mit Video
Sydney -Der auf dem größten Korallenriff der Welt vor Australien auf Grund gelaufene chinesische Kohlefrachter kommt nicht los. Die Gefahr wächst, dass das 230 Meter lange Schiff auseinanderbricht. Dann könnten am Great Barrier Reef, einem hochsensiblen Ökosystem, 950 Tonnen Öl ins Meer laufen.
"Wir sind darauf vorbereitet, weiter Chemikalien zu sprühen", teilte die Behörde für Meeressicherheit am Montag mit. Am Sonntag waren aus einem lecken Tank der "Shen Neng 1" bereits rund zwei Tonnen Öl ausgelaufen und hatten einen drei Kilometer langen Ölteppich gebildet. Das Leck war am Montag zunächst gestopft. Mehrere Versuche, das Schiff bei Flut wieder ins tiefere Wasser zu bekommen, scheiterten.
Das Great Barrier Reef erstreckt sich über 345.000 Quadratkilometer. Es gilt
als der größte lebende Organismus der Welt. Das sensible Ökosystem wird bereits
durch den Klimawandel und Abwässer der Landwirtschaft bedroht.
65.000 Tonnen Kohle und 950 Tonnen Öl
Bei ersten Bootspatrouillen und Beobachtungsflügen wurden unweit des
Unglücksortes kleinere Ölflecken entdeckt. Bisher gebe es aber keinen
"wesentlichen Ölverlust", teilten die Behörden mit. Die "Shen Neng 1" war mit
65.000 Tonnen Kohle und 950 Tonnen Öl beladen. Das Schiff muss voraussichtlich
geborgen werden. Die Besatzung blieb zunächst an Bord.
Der australische Umweltminister Peter Garrett sagte dem Sender ABC, es sei
noch nicht klar, ob das Leck des chinesischen Frachters dauerhafte Auswirkungen
auf das als Weltnaturerbe gelistete Great Barrier Reef haben werde. Zum Schutz
des Korallenriffs sollten nun so schnell wie möglich ein Dispersionsmittel zur
Absorption des ausgelaufenen Öls eingesetzt werden. Zunächst müsse aber die
Wirksamkeit des Mittels getestet werden.
Vom Kurs abgekommen
Der Unfall ereignete sich in der südlichen Zone des Naturschutzgebietes Great
Barrier Reef. Die Behörden prüften nun, warum das chinesische Schiff so weit
entfernt von der Fahrrinne unterwegs gewesen sei, sagte die Regierungschefin von
Queensland, Anna Bligh, vor Journalisten.
Im März 2009 war aus dem Containerschiff "Pacific Adventurer" vor dem Great
Barrier Reef eine große Menge Öl ausgelaufen. Dabei wurden die Moreton-Insel und
die Strände der Sunshine Coast in Queensland verschmutzt.
Die Umweltschutzorganisation Capricorn Conservation Council warnte vor
weiteren Schiffsunglücken, die dem Korallenriff schaden könnten. "Wir können
sicher sein, dass das ein Vorzeichen für die kommenden Ereignisse ist", sagte
Sprecher Ian Herbert über das Unglück der "Shen Neng 1". Es wird erwartet, dass
aus den Häfen von Queensland in den kommenden Jahren verstärkt Kohle und
Flüssiggas verschifft werden, um den wachsenden Energiebedarf in Asien zu
stillen. (APA/apn)