Rund ein halber Liter Sprit lässt sich mit den richtigen Reifen pro Hundert Kilometer sparen – hochgerechnet auf alle Fahrzeuge eine enorme Menge
Mit der neuen Kennzeichnungspflicht, ähnlich der bei Haushaltsgeräten, nimmt die EU nun auch die Reifenhersteller in Sachen Energiesparen in die Pflicht. Darin schlummert ein erhebliches Fortschrittspotenzial, immerhin liegen die Verbrauchsunterschiede je nach Fahrzeuggröße und Reifendimension zwischen 0,4 und 0,6 Liter Sprit je 100 km zwischen dem besten und schlechtesten.
Auf den gesamten Fahrzeugbestand hochgerechnet, ergibt das eine enorme Menge an CO2-Emissionen, die eingespart werden kann. Noch dazu erspart sich der Käufer durch den geringeren Verbrauch auch dann noch bares Geld, wenn der Energiesparreifen etwas teurer ist.
Bekanntermaßen gibt es aber bei der Konstruktion von Reifen mehrere Zielkonflikte. Das für die Sicherheit im Wesentlichen zuständige Maß lautet Nassgriff. Wenn man nur drei Kriterien herausgreift, nämlich Verschleiß, Verbrauch und Nassgriff, befindet man sich schon in einer veritablen Zwickmühle. Ein Spitzenwert in allen drei Disziplinen gleichzeitig ist auch mit großen Anstrengungen kaum möglich. Ein geringer Verschleiß kann zu einer Verdoppelung der Laufleistung führen, auch das ist ein Umwelt- und Kostenthema, denn auch die Herstellung eines Reifens ist sehr energieaufwändig.
Es heißt, ein Auto mit Energiesparreifen kann sich eines geringeren CO2-Ausstoßes erfreuen. Auf Kosten des Bremsweges? Auf Kosten der Laufleistung? Auch wenn das Thema Rollwiderstand, also Verbrauch, vermehrt in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt, wird es sich kein Reifenhersteller erlauben können, nun einseitig weiterzuentwickeln. Das heißt auch, trotz des offensichtlichen Einsparungspotenzials sind keine Wunder über Nacht zu erwarten. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/2.4.2010)