Hedgefonds-Gewinne

Auf eigenes Risiko

Eric Frey, 2. April 2010, 19:03

Hedgefonds trugen zur Beilegung der Krise bei, gehören aber auch strenger überwacht als bisher

Kann irgendein Mensch auf redliche Weise vier Milliarden Dollar in einem Jahr verdienen? Nein, werden die meisten sagen und David Tepper in eine Reihe mit allen Bankern stellen, die Millionenboni kassieren.

Aber Tepper, Chef des Hedgefonds Appaloosa Management, kann diesen Rekordgewinn seinem Mut verdanken, am Höhepunkt der Finanzkrise mit seinem Geld und dem seiner Kunden voll auf Bankaktien zu setzen. Spekulanten wie er trugen das volle Risiko und schadeten niemandem.

Im Gegenteil: Hedgefonds beschleunigten die Erholung der Finanzwerte im Frühjahr 2009 und trugen so zur Beilegung der Krise bei. Das macht sie nicht zu guten Samaritern: Nach dem Lehman-Crash im September 2008 brachten ihre Leerverkäufe die Finanzmärkte fast zum Kollaps.

Aber auch damals waren die Hedgefonds die Überbringer der bösen Nachrichten und nicht ihre Verursacher. Deshalb ist ihre Regulierung heute weniger dringend als jene der Banken. Auch die Idee, die Bankensteuer auf sie auszudehnen, hat einige Haken: Hedgefonds profitieren von keiner Staatshaftung und sind besonders mobil.

Andererseits gehören auch diese Hasardeure der Finanzmärkte strenger überwacht als bisher. Die Aufsichtsbehörden müssen rechtzeitig wissen, wo in der Welt der Hedgefonds systemische Risiken entstehen. Ist die Transparenz einmal gegeben, dann kann man ihnen ihre durch Geschick und Glück erzielten Milliardengewinne ruhig gönnen. (Eric Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4./5.4.2010)

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hygrometer
00

warum ärgere ich mich .. bei konsequenter umsetzung ist der letzte absatz geradezu revolutionär ..
ich stimme voll zu, dass die harsardeure d. finanzmärkte strenger überwacht werden .. und an dem tag, wo das ganze so gestaltet ist, dass syst. risken tatsächlich einfach so entdeckt werden können, lass ich einen sektkorken knallen ..
"wenn die transparenz erst mal gegeben ist" .. ja genau!!! wir brauchen ja auch ziemlich viel transparenz, um s. risken zu erkennen .. ich stimme dieser letztlich radikalen forderung nach transparenz voll zu!
das mit den mrd.gewinnen ist wieder enttäuschend.. aber wann werden die schon nur mit "geschick und glück" verdient .. durch diese formulierung möchte sich der autor bestimmt ein türl offen lassen

RichardRoe
01
Am Ende hatten doch alle geglaubt, dass aus Geld noch mehr Geld zu machen sei, ohne dass dahinter irgendein produktiver Prozess steht, irgendein Unternehmen, das mehr Gewinn macht

.. sagt Lenny Fischer im Welt-Interview. Und weiter:. Es ist unmöglich, dass im Durchschnitt an den Kapitalmärkten mehr verdient wird, als die Wirtschaft wächst.

Auch wenn sich der Appaloosa Dingsda einen 'Hedgefond' nennt, dieses Geschäft ist keines, das ein solcher per definitionem tätigt. Hedgefonds kaufen Produktionen bzw Ernten zu definierten Preisen im Vorhinein auf und machen dann beim Weiterverkauf Gewinn oder Verlust.

Das, was dieser Tepper gemacht hat, war Geld aus Sch..sse zu produzieren. Und das ist genau das Problem, das uns in diese letzte Krise geführt hat und aus der wir noch lange nicht raus sind. So lange nicht wie solche Geschäfte möglich sind.

Unser Wandeln braucht Härte
02
stimmt nicht

an den kapitalmärkten wird mehr verdient, wenn die geldmenge wächst. durch leveraging werden die buchgewinne in die höhe geschraubt, ohne dass die produktivität gestiegen sein muss. was wir in den letzten jahren erlebt haben und jetzt wieder erleben, ist eine inflationierung der asset-preise, wobei durch ein asymmetrisches risikoprofil gewinne privatisiert und verluste sozialisiert werden (beschränkte haftung bei ltds bzw. kapitalgesellschaften (als solche sind hedgefunds u. banken auch organisiert); asymmetrisches auszahlungsprofil bei derivaten). durch den exzessiven einsatz von leverage kommt es zu eruptiven preisbewegungen.

RichardRoe
00


Ha! 'Die Geldmenge wächst'. Das tut sie, fürwahr! Produktivität und Kredit lassen die Geldmenge wachsen. Dass Produktivität nicht der Faktor des Geldmengenwachstums gewesen ist, darüber dürften wir uns einig sein. Das Dilemma dürfte sein, dass die adequate Entwertung des Geldes im korrekten Verhältnis zum Wachstum der Geldmenge nicht stattgefunden hat. Aus politischen Gründen und aus der Frage heraus, was denn anstatt des US-Dollar die Leitwährung sein sollte. Und nachdem sich Euro-Land erfolgreich in den Fuss geschossen hat (Maastricht).

Fakten sind egal- was zählt ist die Meinung
00

Erschreckend ist, wie wenige Leute es nur mehr gibt, die das einigermaßen durchschauen. Obwohl, den Reitz, "dabei" sein zu dürfen, bei den Alchemisten, wenn auch nur mit dem kleinen lächerlichen Portfolio scheint sehr groß zu sein. Brot und Spiele für das Volk hieß es schon einst. Heute reichen Spiele und ein Versprechen auf Brot und alle tanzen wieder ums Kalb.
Wenn sie wissen wollen wie die Sache ausgeht: das alles war schon einmal da und hieß auch damals schon Kapitalismus. Es fand sein Ende 1929 in der großen Depression. Also dort, wo wir gerade wieder hinsteuern.
Und täglich grüßt die Tulpenzwiebel...

Ludmilla von Country de la Musica
01
" Beilegung der Krise"

:D

nichts verstanden.

Fakten sind egal- was zählt ist die Meinung
21

Dass so ein oberflächerlicher und unrichtiger Schwachsinn in einer so genannten Qualitätszeitung überhaupt erscheinen darf, ist beachtlich bis bedenklich.

griasdi
00

oh nein! es stellt sich heraus dass mein sündenbock nicht schuldig war. was mach ich denn jetzt? hat wer einen anderen sündenbock für mich? (wenn möglich einen nicht allzu komplizierten)

Fakten sind egal- was zählt ist die Meinung
01

"Die Medien jubeln Sache und Personen hoch und untergraben mit der vorherrschenden Parteinahme für Kapital und neoliberale Ideologie die demokratische Meinungs- und Willensbildung." (Karl Georg Zinn, Wie Reichtum Armut schafft, Köln 2006, S. 9 falls jemand wie sie einmal was lesen möchte könnte ja nicht schaden).

Übrigens sollten sie vorsichtig sein: "In der deutschen [und somit auch in der österreichischen, Anm.] Geschichte hatte Manipulation, Volksverdummung und das Aushebeln demokratischer Prozeduren immer besonders verheerende Folgen." (ebenda, S. 10)

Ludmilla von Country de la Musica
01
auch literaturtipps für interessierte:

Hermann Lueer: Warum verhungern täglich 100.000 Menschen. Argumente gegen die Marktwirtschaft Münster (Monsenstein und Vannerdat) 3. Aufl. 2008, 196 S.

und:
Hermann Lueer: Der Grund der Finanzkrise. Von wegen unverantwortliche Spekulanten und habgierige Bankmanager, Edition Octopus, 2. Aufl. 2009, 128 S.

lueer hat auch eine interessante website.

http://is.gd/bfNyq

Fakten sind egal- was zählt ist die Meinung
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Also die Marktwirtschaft würde ich jetzt nicht abschaffen wollen:

Ökosoziale Marktwirtschaft - super!
Steuersatz 50% für alles und jeden Cent - super!
Sozialismus - funktioniert nicht - widerspricht dem Menschen
Kapitalismus - verursacht Elend, Armut und Krieg
Globalisierung? - differenzieren: Warum sollen wir uns mit bestialischen Diktaturen, die über Leichen gehen, sozialisiert sind wie die ärgsten Tiere und die Umwelt in einer Generation für immer zerstören in einen Standortwettbewerb begeben? Ein Boxkampf, bei einer das Reglement einhält und der andere mit Messer, und Pistole bewaffnet keinerlei Regeln kennt?
Globalisierung mit fairen unsubventionierten Wettbewerb auf Basis sozialer Regeln - gerne.
WTO; IWF - die Hände der Teufel

Vollmilch
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die intoleranten Toleranten

Bedenklich ist eher, dass Leser wie Sie nicht bereit sind, andere Ansichten zu akzeptieren.

Bauen Sie sich ruhig ihr einseitiges Weltbild auf und igeln sich in ihrer Welt ein. Beschweren Sie sich dann aber auch nicht darüber, dass manche Personen auf der ideologischen Gegenseite es Ihnen gleich tun.

RichardRoe
00


Nein, es ist keine 'Ansicht', sondern Faktum. Hedgefonds sollten Geschäfte ganz anderer Art machen, dazu wären sie da. In Wahrheit aber haben sie (und andere) uns mit ihrer Zockerei und zweifelhaften Papieren die - geplatzte - Spekulationsblase von 2008 beschert.

Es ist niemand zu feiern dafür, dass er mit Zocken mehr Geld produziert als der betreffende Wirtschaftssektor tatsächlich erarbeitet. Zu prügeln ist dafür vor allem die US-Politik, die solches möglich machte und die europ. Politik, die da fröhlich mitmachte, ja gesetzliche Grundlagen veränderte, um es erst möglich zu machen.

uncle sam3
30
2009

hat spaß gemacht und 2010 wird auch gut.

nur rechtzeitig wieder aussteigen - und die verluste andere - die neider - überlassen.

hygrometer
00

ja genau .. fest weiterspekulieren .. noch einen kredit aufnehmen und rein in den markt .. mögen ihnen die wechselkurse, zinssätze, aktienindizes, etc nur so vor den augen flimmern ..

Fritz Wunderlich
00

return on investment: wieviel verlangen investoren vulgo kapitalisten in welchem zeitraum vom fondsmanager?
"Nach dem Lehman-Crash im September 2008 brachten ihre Leerverkäufe die Finanzmärkte fast zum Kollaps-"
welche leerverkäufe von welchen titeln???
es gibt zwei arten von leerverkäufen, das sollte herr frey wissen

ino
12
Spekulanten trugen das volle Risiko und schadeten niemandem

ähm.. moment. schon mal was von schattenbanken gehört? wenn plötzlich ein großer teil der ersparnisse einer volkswirtschaft in hedge fonds und andere unregulierten organisationen fließt, kann der schaden ganz enorm sein. ist 2008 schon wieder vergessen?

und welches risiko tragen leute die mit fremden geld hochriskante positionen eingehen? der übliche hedge fonds manager nimmt 20% vom ertrag eines investors und beteiligt sich zu 0% an dessen verlusten. wie sieht die anreizstruktur bei so einem vertrag aus? natürlich gehen die hedge fonds in die riskantesten veranlagungen.

und zur Erholung der Finanzwerte im Frühjahr 2009: was war an der gut? waren die werte nicht völlig überhöht? wäre eine langsamere erholung nicht angezeigt gewesen?

bum jacques
11

Ich glauge Frey meint nicht dass der Manager allein, sondern dass das Paar Investor/Manager das Risiko tragen. Es gibt keine Ausfallshaftung.

Mitleid mit den Investoren scheint mir nicht angebracht: wenn der Manager 4 Mrd verdient hat (und jedes Investment ein Treffer war), dann haben seine Kunden ca. 15 Mrd verdient.

Fakten sind egal- was zählt ist die Meinung
01

Wen jemand behauptet, dass in diesem Spiel irgendjemand irgendetwas verdient hat, dann tut er mir leid.

Ludmilla von Country de la Musica
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aha

und was ist mit dem milliarden-boni?

Fakten sind egal- was zählt ist die Meinung
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Das ist - wenn auch zeitverzögerter Diebstahl ihrer Steuergelder auf Basis virtueller Fantasiezahlen, die in irgendwelchen Computern gespeichert sind. Schalten sie einmal den Strom aus und schauen sie mal, was an "Werten" übrig bleibt.

Ludmilla von Country de la Musica
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ah ok, so meinen Sie das.

ino
01
ja, aber...

die investoren haben bei einem hedgefonds doch keine ahnung womit das geld gemacht wird. die anlagestrategie gehört bei diesen typen doch zu den strengstens gehüteten business geheimnissen. investoren gehen also bewusst das risiko eines blindflugs ein und die manager gewinnen umso mehr, je risikanter sie agieren.
ideales rezept für desaster.

das problem ist ja nicht ob ein einzelner 5mrd gewinn oder 7mrd verlust macht; aber wenn da aufgrund des unterschätzten risikos riesige beträge vernichtet oder zumindest einer langfristig produktiveren verwendung entzogen werden, schadet das der ganzen volkswirtschaft.

sir karl popcorn
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bingo!

nur über die kunden/investoren redet keiner...kennen auch die meisten nicht.

diese verdienen wesenlich mehr als ihre fundmanager.

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