EU-Präsident Van Rompuy wird in Loipersdorf eine Rede halten
Großkonferenzen sind für den Thermenort Loipersdorf Routine, die Infrastrukturen - Hotels, Parks, Bäder - mehr als großzügig bemessen. Im Blick auf Mittwoch nach Ostern ist in dem 1000-Einwohner-Dorf dennoch ein gewisses Prickeln zu verspüren. Da kommt mit Herman Van Rompuy die wohl ranghöchste Persönlichkeit vorbei, die sich je an den Rand der Südoststeiermark verlaufen hat. Der Belgier hat am 1. Dezember des Vorjahres das Amt eines "Ständigen Präsidenten des Europäischen Rates" übernommen, leitet als solcher die Tagungen der Staats- und Regierungschefs der EU. Mehr geht in Europa nicht.
Protokollmäßig steht er auf einer Stufe mit US-Präsident Barack Obama oder Chinas Staatschef Hu Jintao. Eingeladen wurde der Christdemokrat aber nicht von Bundespräsident Heinz Fischer, der im Intensiv-Wahlkampf steht und noch vor einer Woche an einem Treffen mit ihm "sehr interessiert" war, sondern von der ÖVP. Diese hält in Loipersdorf ihre Klubklausur ab - ein Coup für ÖVP-Chef Josef Pröll. Mehr noch Vizelandeshauptmann Hermann Schützenhöfer, der bei den Wahlen im Herbst Franz Voves vom Thron stoßen will. Rompuy wird eine EU-Rede halten. Fischer wird er nicht treffen. Stattdessen darf Kanzler Werner Faymann Rompuy empfangen - Dienstag um 19.40 Uhr ("Film- und Fotomöglichkeit" laut Aussendung). Um 20 Uhr ist das Treffen vorbei. Pröll, beim Sport verletzt, weiß noch nicht, ob er nach Loipersdorf fahren kann. (tom, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.3.2010)