Standard-Interview

Karl: "E-Voting wird 2011 nicht mehr eingesetzt"

02. April 2010 17:46
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    Foto: standard/corn

    Für die Wissenschaftsministerin passt auch scheinbar Unvereinbares zusammen: Die Online-Abstimmung bei der ÖH-Wahl sei zwar ein Erfolg gewesen, wird aber mangels Akzeptanz auf Eis gelegt.

Wissenschaftsministerin Karl legt die Online-Stimmabgabe auf Eis - Sie eklärt, warum das Projekt für sie dennoch ein Erfolg war

Standard: Da liegt er jetzt, zehn Monate nach den ÖH-Wahlen: der Evaluierungsbericht zum E-Voting. Bleibt die Online-Wahlmöglichkeit auch für Sie das "Mitbestimmungsinstrument der Gegenwart und der Zukunft" , wie Ihr Vorgänger Johannes Hahn gehofft hat?

Karl: Ich sehe E-Voting als die Briefwahl des 21. Jahrhunderts. Es ist ganz wichtig, dass dieses wirklich zukunftsweisende Pilotprojekt ausprobiert wurde.

Standard: Was sind die Kernpunkte des Evaluierungsberichts?

Karl: Er zeigt, dass sich E-Voting als technologiebasiertes Wahlverfahren im Internet bewährt hat. Aber die Bürgerkarte, die ja für die Online-Stimmabgabe nötig ist, ist noch nicht so weit verbreitet, wie es notwendig wäre. Das war ein klarer Hemmschuh.

Standard: Was heißt das für die Zukunft des Projekts?

Karl: Daraus ziehe ich den Schluss, dass E-Voting 2011 bei der nächsten Hochschülerschaftswahl nicht mehr eingesetzt wird.

Standard: E-Voting war also ein Flop. Warum?

Karl: Nein, E-Voting war ein Erfolg. Ich würde mir wünschen, dass es auch bei anderen Wahlen zum Einsatz kommt, denn vom System her hat es ja funktioniert.

Standard: Warum stoppen Sie also das Projekt vorerst?

Karl: Die Bürgerkarte wird noch nicht ausreichend akzeptiert und ist noch nicht so weit verbreitet, wie es für eine erfolgreiche Wahl notwendig wäre.

Standard: Aber es haben sich doch über 14.000 Studierende registrieren lassen. Nur zur Wahl gegangen sind dann lediglich an die 2000.

Karl: Das Wissenschaftsministerium hat sehr viel getan, um die Akzeptanz für die Bürgerkarte zu steigern. Es wurde eine Internetplattform eingerichtet, es wurden Lesegeräte verteilt, die Karten gratis freigeschaltet. Dabei fällt das gar nicht in unseren Aufgabenbereich. Es ist Aufgabe des Bundeskanzleramtes, für die Akzeptanz der Bürgerkarte zu sorgen.

Standard: Woher rührt die fehlende Akzeptanz? Waren die Sicherheitsbedenken doch stärker als die von der ÖVP gepriesenen Vorteile?

Karl: Es gibt keine Sicherheitsbedenken. Aber die Bürgerkarte soll ja auch andere Abläufe online erleichtern, etwa im Gesundheitsbereich. Momentan wird noch zu wenig geboten. Wenn die Karte mehr Anwendungen beinhaltet, wird es auch eine stärkere Beteiligung geben.

Standard: Trotzdem passt das nicht zusammen: Bei der ÖH-Wahl wurden viele Karten gelöst, sind aber nicht zum Einsatz gekommen.

Karl: Es gab dann auch eine Diskussion im ÖH-Wahlkampf, die der Idee des E-Voting nicht dienlich war. Es wurde ja der gesamte Wahlkampf auf das Thema zugespitzt. Andererseits hat die Diskussion auch viele Denkanstöße gegeben. Ich konnte etwa aus den Gesprächen mit der ÖH klar ableiten, dass sie selbst E-Voting nicht wollen. Das ist auch ein Mitgrund, warum es beim nächsten Mal nicht zum Einsatz kommen wird.

Standard: Sie argumentieren das Aus für die Online-Wahl vor allem mit Befindlichkeiten - technische Probleme gab es nicht?

Karl: Nein, das System hat funktioniert, aber die nötigen Rahmenbedingungen haben gefehlt.

Standard: Immerhin wurden die Wahlen an der Uni Wien und in Salzburg aufgehoben.

Karl: Das hatte nichts mit E-Voting zu tun. Da ging es um die unvollständige Bezeichnung einer Wahlgruppe und um ein teilweise unvollständiges Wählerverzeichnis.

Standard: Sie meinen, das wäre bei der Papierwahl auch passiert?

Karl: Ja.

Standard: Das zentrale Argument, die Wahlbeteiligung steigern zu wollen wurde ad absurdum geführt. So gesehen doch ein Flop?

Karl: E-Voting ist sehr wohl geeignet, die Wahlbeteiligung zu steigern. Es gibt ja bei der ÖH-Wahl keine Briefwahl, und viele Studierende sind häufig gar nicht an der Uni präsent. Für die war E-Voting die einzige Möglichkeit, überhaupt an der Wahl teilzunehmen.

Standard: Umso schlimmer, die Beteiligung ist mit 25,7 Prozent am Tiefpunkt. Ist das kein Widerspruch zu sagen, die Wahlbeteiligung sank, die Akzeptanz war gering, aber E-Voting war ein Erfolg?

Karl: Ich glaube, mit einer höheren Akzeptanz der Bürgerkarte wird auch E-Voting mehr genutzt.

Standard: Was hat das Projekt insgesamt gekostet?

Karl: Da gibt es eine ganze Reihe von parlamentarischen Anfragen, da ist das alles restlos geklärt.

Standard: Die 900.000 Euro sind ja nicht alles.

Karl: Es gab mehrere parlamentarische Anfragen, wo das offengelegt wurde. Aber wenn man bedenkt, dass die Wiener Volksbefragung sieben Mio. Euro gekostet hat ...

Standard: ... trotzdem würde mich die Gesamtsumme interessieren.

Karl: Die habe ich jetzt nicht im Kopf. Das Kernprojekt E-Voting hat rund 900.000 Euro gekostet, dazu gab es noch Begleitmaßnahmen wie die Bewerbung und Freischaltung der Bürgerkarte.

Standard: Und das war es wert?

Karl: Absolut. Auf den Erfahrungswert wird man bei künftigen Wahlen zurückgreifen können.

Standard: Bei den Zugangsbeschränkungen gehen Sie auf Konfrontation mit der SPÖ und wollen auch für die WU und die TU eine Notfallsverordnung erwirken. Warum sollte der Koalitionspartner doch noch zustimmen?

Karl: Die SPÖ verschließt die Augen vor der Realität. In überfüllten Hörsälen kann keine Qualität geboten werden. Ich hoffe, dass die SPÖ diese Dramatik erkennt und doch noch zustimmt. Ein paar Wochen sind ja noch Zeit.

Standard: Sie sind selbst mit dem Notfallsparagrafen unglücklich. Was also tun bei den zu erwartenden Verdrängungsmechanismen etwa von der WU an andere Unis?

Karl: Es besteht ja auch für andere Unis die Möglichkeit, die Notfallsverordnung zu beantragen. Können die Probleme damit nicht behoben werden, wird man andere Maßnahmen andenken müssen.

Standard: Das wollten Sie ja unter anderem im Hochschuldialog. Macht der nach dem Ausstieg der Rektoren überhaupt noch Sinn?

Karl: Natürlich. Der Dialog ist ja von Anfang an sehr breit angelegt worden. Weil es um Zukunftsfragen geht. Da finde ich es sehr schade, dass sich die Rektoren aus der Diskussion herausgenommen haben. Damit nehmen sie sich auch Chancen mitzugestalten.

Standard: Hatten sie denn die Chance mitzugestalten? Es hat von Anfang an geheißen, die Ergebnisse sind nicht verbindlich.

Karl: Der Dialog kann nicht den politischen Verantwortlichen ersetzen. Die Entscheidung muss ich treffen. Für mich sind die Ergebnisse eine wichtige Grundlage. Vor allem, wenn sie auf breiter Basis zustande kommen.

Standard: Das wird schwierig wenn die Hauptakteure ausfallen.

Karl: Die Rektoren haben eine ganz wichtige Funktion in der österreichischen Hochschullandschaft, natürlich. Aber die Universitäten bestehen nicht nur aus Rektoren. (Karin Moser, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.4.2010)

ZUR PERSON:

Beatrix Karl (43) ist seit Jänner Wissenschaftsministerin. Davor war die Arbeits- und Sozialrechtlerin ÖAAB-Generalsekretärin.

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Albtraum der Zensur
06.07.2010 16:21
Das ist eben die schwarze Definition von Erfolg!

MBR
06.04.2010 09:06

wir haben noch mehr solche projekte
sollten sie scheiten, sind sie ein erfolg

und wenn das ganze wegen schachsinnigkeit abgeblasen wird ist der bundeskanzler schuld weil der nicht für ausreichend akzeptanz gesorgt hat

ferdinand dreier
05.04.2010 12:00
dieses "interview" ist schlicht aussagelos.

da hat sich die katze (karl) in den schwanz gebissen und in jeder antwort die vorvorgehende mit anderen worten wiedergegeben. arme karin moser.

korruptes österreich
05.04.2010 11:18

ich ersehne den tag an dem österreich wieder politiker hat die auch verstehen was sie von sich geben....

das e-voting war ein voller erfolg... und deswegen werden wir das e.voting aufgeben..... weil die bürger karte noch nicht verbreitet ist....

so ein schwachsinn.... das wäre ja so als ob man die mil h verbietet nur weil sie nicht ein jeder trinkt...

was allerding schon eher zutreffen kann ist, dass man nicht gewährleisten kann, dass die wahl durch hacker manipuliert wird, oder manipuliert worden ist...

=8-(
05.04.2010 12:06
e-voting zur Unterhaltung

das ganze läuft dann so ab:
http://www.youtube.com/watch?v=gR3A9rG022M

(mit Dank an http://derstandard.at/plink/126... d16219784)

ost bahn
05.04.2010 12:18
Stimmzettel Anschluss (April 1938)

Das historische Vorbild zum E-Voting Video:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File... chluss.jpg

Niemals vergessen!

ferdinand dreier
05.04.2010 09:38
liebe frau karl!

wenn lediglich 2000 studenten das e-voting in anspruch nehmen, wo heute jeder student mit pc und allen möglichen zugangskarten und -codes bestens ausgestattet ist, von erfolg zu sprechen halte ich für vermessen. aber kollega hahn war ja gleicher meinung. was hat da eigentlich eine gültige stimme von den möglichen 2000 gekostet? soviel wie ein aufgegriffener asylwerber durch unser BH im burgenland? so knapp über eine million euro?

Erich.Hartig
04.04.2010 23:32
Wozu die Bürgerkarte?

Jeder Student hat seine persönliche Uni - UserID, die mit einem persönlichen Password geschützt ist und auch Zugang zu personsbezogenen Daten enthält. Die Abstimmung über die Budgetverteilung wird schon seit Jahren auf diesem Weg abgewickelt, ebenso wie Vorlesung-Registrierungen, Notenabfrage, etc.
Warum ist nicht zusätzlich zu der persönlichen Stimmabgabe nicht auch über diese Platform die Wahl nicht möglich?
Vielleicht ist die Erweiterung zu einfach und kein Geschäft für 'Outside-Consultants'?
Oder wollte man vieleicht auf diesem Weg die elektronische Bürgerkarte forcieren?

farbrauschen
01.07.2010 10:42


die uni-user-id stellt sicher, dass du wirklich genau der bist, der sich anmeldet - es geht um eine identitätsfeststellung.

bei einer geheimen wahl sollte genau das
n i c h t möglich sein.
das ist z.b. eines von den großen problemen...

Quirks
05.04.2010 10:57
Das wäre eine grobe Abkehr von der geheimen Wahl!

Raubmordkopierer
05.04.2010 09:45
Blöde Idee

Eine Wahl ist etwas komplett anderes als die Anmeldung zu einem Seminar.

Anomymität/Wahlgeheimnis ist einfach nicht mehr gegeben, und Manipulationen sind leicht möglich, auch durch eine einzelne Person mit Zugriff auf das System. Läuft das ganze übers Internet müssen sie sich auch noch vor Hackern fürchten. Eine sichere Kontrolle ist nicht mehr möglich, und damit ist E-Voting einer Demokratie unwürdig und viel zu gefährlich.

Bei der ÖH-Wahl gehts nicht um allzuviel, aber die sollte ja auch nur ein Testlauf sein.

Erich.Hartig
05.04.2010 21:35
Bankgeschäfte sind wohl um einiges sensibler

und werden seit Jahren mit hoher Zuverlässigkeit abgewickelt, wenn man nicht gerade den IE verwendet ist auch diese Seite ziemlich sicher - viele verwenden ohnehin UNIX und da ist das noch weniger ein Problem.

Auch lassen sich die Transaktionen recht gut überwachen, loggen, nachvollziehen etc. Und welche Hacker haben schon Interesse an den Abstimmungen der Ö Unis? Da kann man doch kein Vermögen machen!

PS: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!

Joe_Chip
05.04.2010 11:03
e-voting ist einer demokratie unwürdig?

warum denn? wegen der gefahr der manipulation? die ist sicher nicht grösser als wenn irgendein ein Gemeinderat, von denen manche ausschauen als ob sie nicht bis zehn zählen können, händisch die zettel schlichtet und zählt.

ferdinand dreier
05.04.2010 12:14
nana, so ist es nicht. da gibts die

gegenprüfung durch andere parteien, die in der wahlkommission sitzen. manipulation unmöglich, außer es gibt nur eine partei in dieser 50 personen gemeinde oder - wie es fast immer ist - es sind alle die gleichen dodeln, aber dann ists eh wurscht.

ferdinand dreier
05.04.2010 09:43
das vermute ich auch. diese "outdoor-consultants"

sind mir schon lange verdächtig. diese obergscheiterln, die nur - außer spesen nichts gewesen - mist bringen.

die elster
 
04.04.2010 23:03
die bildungspolitische erfolgsstory ...

... geht also weiter. nach dem e-voting ohne wähler jetzt der reformdialog ohne entscheidungsträger. alles mit dem ziel vor augen, unis ohne studierende zu schaffen.

gaudeamus igitur.

tablespace65
04.04.2010 20:20
Gibt's schon eine Rechnung über 900.000 EUR für diesen Schwachsinn an die ÖVP/J. HAHN?

VvL
04.04.2010 18:29
Liebe Frau Moser

'Notfallsverordnung' und 'Notfallsparagraph' sind Begriffe aus Deutschland!

In Österreich wird kein"s" zur Verbindung von Termini gebraucht

also: Notfallverordnung und Notfallparagraph
(wobei die Begriffe an sich schon schlecht gewählt sind)

VvL
04.04.2010 18:25
E-Voting als die Briefwahl des 21. Jahrhunderts

dann schlag ich vor, Die probieren zuerst bei ÖH-Wahlen einmal die Briefwahl aus (wie auch bei den AK-Wahlen), den alleine die hat es bislang nicht gegeben!

ferdinand dreier
04.04.2010 17:42
hat metternich wieder

das kommando in der online-redaktion des standard übernommen?

Eleazar
04.04.2010 17:25

WoZU braucht man eine Bürgerkarte wenn man die Datenbanken mit den Passdaten und "was-weiß-ich" querverbinden kann?

Für jeden Furz einen Dreck!

Das ganze sollte nicht auf Eis gelegt werden, sondern sollte "INSTANT" in weiterführenden Pilotprojekten eingesetzt werden

Und eine direkte Abwahl von Politikern hätte ich auch noch gerne - über so ein Wahlverfahren

ferdinand dreier
04.04.2010 17:25
siehe auch profil 25/2009: "wahldebakel.com".

reini, das weichei.

Noby Noby Boy™
04.04.2010 17:18

"Es gibt keine Sicherheitsbedenken"

LOL

ferdinand dreier
04.04.2010 17:17
kann die frau ministerin nur eindringlich warnen und unterstützen, denn

wo POSCH draufsteht, ist mit SICHERHEIT mist drinnen. dieses milchbüberl hat seit über dreissig jahren nichts zusammengebracht, war immer nur ein protektionskind.

sam duke
04.04.2010 17:09
als es damals um das lehrerdienstrecht ging

hat man auch das e-voting herangezogen, von der gewerkschaft. natürlich ist die wahl im sinne der gewerkschaft ausgegangen.

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