Im Kaiserwalzer gibt es ein "Menü aus der verpönten Küche"
Max Stiegl vom burgenländischen Gut Purbach war der Erste, der das gastronomische Potenzial erkannt hat, das in jenen Teilen des Schlachtviehs liegt, die gemeinhin schnurstracks in der Tierfutter-Fabrik enden - wenn überhaupt. Dass unter den Innereien nicht nur Leber und Bries das Zeug zur hochnoblen Delikatesse haben, sondern auch Herz und Magen, Niere und Gekröse, ja sogar Darm, Hoden und Euter auf erhebliche Tradition als wohlschmeckende Mahlzeit zurückblicken, hatten wir dank stetig fallender Fleischpreise fast vergessen.
Stiegl initiierte vielgängige Menüs "aus dem Inneren des Tiers" und erntete dafür Hymnen im in- wie ausländischen Gastro-Feuilleton. Jetzt folgt das Gasthaus Kaiserwalzer in Wien-Mariahilf nach und bietet am 15. April ein "Menü aus der verpönten Küche". Eine Sulz aus Hühnerherzen ist nur der Anfang, es folgen Ritschert vom Entenmagen, geröstete Kaninchennieren, gesottenes Euter auf Semmelkren, Hoden mit Eiernockerln (haha!) und zu guter Letzt Kitzleber mit Marillen. Der Preis ist mit 35 Euro für ein siebengängiges Menü denkbar niedrig angesetzt. Jetzt bleibt nur noch, auf einen extrafrühlingshaften Abend zu hoffen - der Garten des Kaiserwalzer ist in krassem Gegensatz zum Interieur nämlich besonders schön. (corti/Der Standard, Printausgabe 03.04.2010)