CEE-Länder

Arbeitslosenrate heuer bei zehn Prozent

02. April 2010 11:00

WIIW: Arbeitslosigkeit erreicht erst ihren Höhepunkt

Wien - Die Wirtschaftskrise trocknet auch den Arbeitsmarkt in Mittel- und Osteuropa aus: Die Arbeitslosenrate im CEE-Raum erreicht heuer voraussichtlich einen Wert von durchschnittlich 10 Prozent. "Die Arbeitslosigkeit strebt in den mittel- und osteuropäischen Ländern erst heuer auf ihren Höhepunkt zu", sagte Peter Havlik, Ökonom am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) laut WirtschaftsBlatt. Vor der Krise lag war die Arbeitslosigkeit mit einer Quote von 6,5 Prozent niedriger als im Westen. "Es wird drei bis fünf Jahre dauern, bis die Arbeitslosenrate das Vorkrisenniveau erreicht."

Die Lage am Arbeitsmarkt ist je nach Land unterschiedlich stark angespannt: In Ungarn und Polen werde die Arbeitslosigkeit über 10 Prozent betragen, in der Slowakei 13, in Lettland 20 Prozent, so die Berechnungen des WIIW. In den Ländern Südosteuropas ist die Arbeitslosigkeit in der Regel noch höher: In Mazedonien über 30 Prozent, in Serbien oder Bosnien-Herzegowina mehr als 20 Prozent. Weil die Wirtschaft nur mäßig wachse, werde die Arbeitslosigkeit nur langsam zurückgehen, erwartet Havlik.

Besonders gefährdet, den Job zu verlieren bzw. keinen mehr zu bekommen sind in erster Linie niedrig qualifizierte Arbeitssuchende. Sie werden laut Havlik vom Arbeitsmarkt verdrängt. Als besonders betroffene Branchen nannte Havlik die Bauwirtschaft und die Industrie, etwas weniger der Bereich Dienstleistungen und der öffentliche Sektor.

Junge besonders gefährdet

Als besonderen Problemfall nannte das WIIW junge Menschen zwischen 20 und 25. Ein Drittel von ihnen leide unter der Arbeitslosigkeit, habe oft keine Berufserfahrung und meist einen niedrigen Schulabschluss. Ihre Aussichten, in den nächsten zwei bis fünf Jahren Arbeit zu finden, seien gering. "Manche sprechen in diesem Zusammenhang von einer Lost Generation", sagt Havlik.

"Die Bezeichnung ist unzutreffend und plakativ", meint hingegen Monika Mott, Head of Education bei KulturKontakt Austria. Es stimme zwar, dass in manchen Ländern, etwa Kosovo oder Bosnien, die Jugendarbeitslosigkeit hoch sei. Zwischen den Ländern und selbst innerhalb der Länder gebe es aber große Unterschiede, so Mott.

Gemäß OECD ist in der Krise sogar die Hälfte der Schulabgänger gefährdet, den Kontakt zum Arbeitsmarkt zu verlieren und somit zur "verlorenen Generation" zu werden. Springt der Arbeitsmarkt wieder an, ziehen Arbeitgeber "frische Schulabgänger" jenen vor, die länger arbeitslos waren. 60 Prozent von Polens Jugend findet außerdem keinen fixen, sondern nur temporäre Jobs.(APA)

Bergdolm
03.04.2010 23:02
Dieser Artikel passt überhaupt nicht

zu den Meldungen "Krise vorbei - Aufschwung".

Der Automarkt soll nahzu explodieren, Auftragseingänge schnellen in die Höhe ...

Das viele öffentliche Institutionen (Gemeinden, Länder, Bund) hoch verschuldet sind, und ihre Leistungen kürzen müssen, was mit weiterer Arbeitslosigkeit verbunden ist, bleibt absolut unbeachtet.

Solange "sparen" angesagt ist, kann es keinen Aufschwung geben!
Klar, auf ewig kann man sich auch nicht verschulden, und Schulden müssen einmal zurückgezahlt werden. Deswegen muss dieses System zwangsweise kollabieren. Ist nur die Frage: wann.

Bertel Mann
 
05.04.2010 11:44
Er passt ganz genau

Wichtig für "die Wirtschaft" und den neoliberalen Mainstream sind eben die Börsenindizes und nicht die Arbeitslosenrate.

Management Quatscher
04.04.2010 14:46

Diese Meldung passt auch nicht zu den üblichen Wehklagen der Unternehmen über den demographischen Wandel ("uns gehen die jungen Arbeitskräfte aus") über den Fachkräftemangel ("wir suchen händeringend nach Fachkräften, es bewirbt sich aber niemand")

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.