Bloggerinnen krempeln die Modebranche kräftig um

01. April 2010 20:51
  • Artikelbild

    Jane Aldridge

"Ich hätte am Anfang nie gedacht, dass Blogs einmal das werden können, was sie heute sind"

Als Jane Aldridge ihre ersten Blog-Eintrag ins Netz stellte, hoffte die 15-Jährige auf eine Handvoll Leser. Heute ist sie 18 und hat auf ihrem Blog "Sea of Shoes"jeden Tag etwa 70.000 Besucher. Magazine wie "Vanity Fair" und "Teen Vogue" haben über Jane Aldridge geschrieben, und sie hat auch schon selbst ihre ersten Schuhe entworfen, für den Designer Urban Outfitters.

"Ich hätte am Anfang nie gedacht, dass Blogs einmal das werden können, was sie heute sind"

"Ich hätte am Anfang nie gedacht, dass Blogs einmal das werden können, was sie heute sind", sagt die junge Frau. Die Fashion-Blogger sind zu einem wichtigen Faktor in der Branche geworden. Bei Präsentationen sitzen sie ganz vorn am Laufsteg neben den Redakteurinnen und Redakteuren der großen Modemagazine. Und sie arbeiten mit großen Mainstream-Marken beim Design neuer Entwürfe zusammen.

"Im vergangenen Jahr ist das geradezu explodiert", sagt die Ressortleiterin für Modenachrichten bei der "Teen Vogue", Jane Keltner. Und die Blogger werden immer jünger. Die 13-jährige Tavi Gevinson, Verfasserin des Fashion-Blogs "Style Rookie", hat dem Modesigner Rodarte dabei geholfen, Kleider für den Einzelhändler Target zu entwerfen. Sie ist auf dem Cover des Magazins "Pop" ebenso zu finden wie auf den Modeschauen in aller Welt. Ihre Kommentare erschienen auch schon im "Harper's Bazaar".

Der größte Kleidungshersteller in den USA, American Apparel, präsentierte Bloggerinnen wie Karla Deras in seiner Werbung. Und Marc Jacobs hat eine Tasche nach dem Blogger Bryanboy benannt.

Die großen Marken sind alle sehr daran interessiert, Kontakt zu Bloggern zu bekommen, die bereits eine große Anhängerschaft haben und als einflussreich gelten. Der Sprecher des Einzelhändlers Target, Joshua Thomas, erklärt, dies sei eine gute Möglichkeit, um den Kundenkontakt zu vertiefen. "Tavis Blog ist äußerst populär, und sie hat eine treue Anhängerschaft."

Der kanadische Einzelhändler Holt Renfrew hat sich bei der Schaufenstergestaltung an den Arbeiten von sechs Fashion-Bloggern orientiert, unter ihnen Jane Aldridge. Zurzeit gebe es schon fast eine Übersättigung mit Modebloggern, sagt Kreativdirektor John Gerhardt. "Aber diejenigen, die wirklich populär sind und ihre Anhänger haben, sind auch diejenigen, die wirklich ein Auge haben."

Vier Tage in der Woche mit der Kamera unterwegs

Jane Aldrigde hat zusammen mit ihrer Mutter Judy, die selbst ein Modeblog (Atlantis Home) betreibt, einen Trenchcoat für Gryphon gestaltet. Nach diesem Projekt sagte Gryphon-Designerin Aimee Cho, es habe ihr gefallen, wie Mutter und Tochter die gleichen Kleider hätten tragen können, aber jeweils etwas anders. "Ich denke, dass Kleidung Spaß machen sollte, und das mag ich an Jane und Judy." Blogger, vor allem im Teenager-Alter, ermöglichten einen ungefilterten Blick auf die Mode.

Aber laufen die jungen Blogger nicht Gefahr, von kommerziellen Interessen missbraucht zu werden? Der Kreativdirektor des Luxusartikelhändlers Barneys New York, Simon Doonan, sagt, er respektiere das Engagement für die Mode. Aber er mache sich auch Sorgen um die jungen Blogger, die schon in so frühem Alter so viel Aufmerksamkeit erlangten. Und Erfolg in der Modewelt verlange nicht nur Talent, sondern auch eine gewisse Reife.

Spaß

Tavi wehrt sich auf ihre Weise: "Viele Leute haben keinen Blick dafür, warum es mir bei meinem Blog überhaupt geht - um Spaß."

Für Jane Aldridge begann das Bloggen über Mode damit, dass sie sich in der texanischen Kleinstadt Trophy Club mit ihrem Interesse an Morde ziemlich allein gefühlt habe. Die Fotos in ihrem Blog zeigen oft sie selbst, in Trophy Club oder in den Wäldern der Umgebung, in den Sachen, die sie selbst gern trägt, vor allem hohe Stiefel. «Das ist auf seine Weise inspirierend, wenn man seine eigene kleine Welt erschafft.» Ihr letztes Schuljahr kann sie weitgehend daheim verbringen, und so fotografiert Jane Aldridge an vier Tagen in der Woche oft mehrere Stunden lang für ihr Blog.

Die junge Frau hat ihr Leben ganz auf ihr Blog ausgerichtet - und auf die Chancen, die sich daraus ergeben. Ende vergangenen Jahres fuhr sie so nach Paris, um am Crillon Ball teilzunehmen, eingekleidet von Chanel. Inzwischen braucht sie dieses Flair: "ich bin nicht sicher, ob ein normales Leben etwas für mich wäre." (APA/AP)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
e_arni
 
09.04.2010 12:56
Heimwerkerkönig
 
03.04.2010 11:33
Tussis eben

Alice Schwarzer würde im Grab rotieren - wenn sie schon tot wäre.

hellfast
05.04.2010 03:13

bei deinen postings rotieren so einige leute. ein typ, der sich für rosenkranz ausspricht, und sich traut sich auf alice schwarzer zu beziehen...

-.-

damienduff
02.04.2010 16:41
der teufel trägt prada,

jetzt blogt er auch noch...

dorian .
02.04.2010 12:56
dazu passt das jetzt...

...wie die faust aufs auge:
http://stylishkidsinriot.com/wordpress... ids-heaven

und nein, die FASHION BLOGS sind nicht der untergang der modewelt...sie bereichern sie und machen noch dazu KOSTENLOS werbung für die großen labels und zeigen auch noch neue talente auf.

-e!-
02.04.2010 21:23

Gerade ums Werbung machen für grosse Labels soll es nicht gehen, sondern darum, den Zeitgeist und auch Trends fernab des Mainstream zu kolportieren.

Genau das, und nichts anderes hat Blogs populär gemacht. Sonst könnten immer noch Vogue und Konsorten brillieren.

Aber "rich kids" (?) sehen das wohl anders...

dorian .
03.04.2010 13:35
natürlich...

...haben blogger da was verändert. das steht ausser frage. dennoch, und ich sehe das vor allem im marketing bereich, sind sie auch großteils erfüllungsgehilfen von den großen labels geworden. eine seite wie "net - a - porter" bietet mode an die nicht gerade billig ist und auch keine unbekannten designer. werbetechnisch findet man sie hauptsächlich bei blogs da anscheinend die zielgruppe dort daheim ist.

aber wie bei allem muss man klar differenzieren. es geht mir eigentlich nur darum das viele blogger über produkte und mode schreiben die sie sich nicht leisten können...eine art vor sich hinträumen...aber ein teil der leserschaft schon.

Mr.StrictlyIntimate
 
02.04.2010 12:49

Erstens: der Blogerszene in Wien haben wir es zu verdanken, dass wir uns im Modebereich wenigstens ein wenig in Richtung internationales Niveau weiterentwickeln.

Zweitens: Mode hat aufgehoert Kunst zu sein? Um Himmels Willen, wenn du das so siehst, dann kannst du dir gleich eine Maske aufsetzen und ein Blindenabzeichen und so weiterhin durch die Welt gehen, denn wie man sieht hast du absolut kein Verstaendnis fuer Mode und keine Ahnung. DU orientierst dich an Namen wie McQueen und Lagerfeld und denkst du hast Ahnung?! Nenn mir - ohne zu recherchieren - oesterreichische Designer - und dann erzaehl mir nochmals du recherchierst!

xoxo

Mr.StrictlyIntimate

irina_p
02.04.2010 12:59
internationales niveau?

das wird noch lange dauern.
wenn dann eher durch blogger wie http://thepetfanclub.blogspot.com/
als durch den vorher erwähnten.

dame pipi
04.04.2010 12:35
siehe unten

the pet fanclub ist ein offizieller magazin-blog und hat nichts mit dem zu tun, worüber hier geredet wird.

XXhris
 
02.04.2010 12:17

*hehe* cooler vertipser:
[...] dass sie sich [...] mit ihrem Interesse an Morde (!!!!) ziemlich allein gefühlt habe

nukularteilchen
02.04.2010 08:49

Wie in der Mode verdrängen viele Blogger die klassische Strukturen, welche nicht immer mit der Zeit gehen, gehen dürfen und durch falsche Entscheider stranguliuert werden. Siehe Rundfunk, TV, Printmedien.

c80
02.04.2010 08:39
nun...

... dass Jane Aldridge sich mit ihrem Interesse an MoRde ziemlich allein gefühlt hat, freut mich durchaus für die Bewohner der texanischen Kleinstadt Trophy Club...

das poppende lottchen
02.04.2010 03:02
die mode-blogs beweisen den untergang des aktuellen fashion business.

zuerst wurden die wichtigen labels von investoren aufgekauft, nun wurden die blogs als marketing- bzw. werbeinstrumente entdeckt.
mode hat aufgehört, kunst zu sein. alexander mcqueen hat sich geschlichen, yves saint laurent ist tot, lagerfeld hält noch die stellung - der rest besteht aus sehr gut ausgebildeten, aber persönlichkeitsarmen designern, die kommen und gehen und kommen und...
mode ist nur noch ein teil der globalen schickimicki-society. das dort übliche geschwätz ohne tiefgang wird nun auch schriftlich verbreitet - in den mode-blogs. ahnungs- und kritiklos wird alles bejubelt, was irgendwie "cool" sein soll. zwischen tradition, talent und innovation können diese bloggerinnen mangels (aus)bildung gar nicht unterscheiden.

irina_p
02.04.2010 13:03
ad poppendes lottchen!

du hast recht. durch die modeblogs wird alles ein einheitsbrei und alles verliert an wert....

lady red
02.04.2010 12:21

werden da mal wieder alle bloggerInnen über einen kamm geschert, liebes poppende lottchen? es gibt sehr wohl blogs, deren autorInnen sich intensiv mit der materie mode beschäftigen und durchaus auch künstlerische oder journalistische ausbildung haben.
in den medien sind ja immer nur die gleichen vertreterInnen abgebildet aber das schöne an modeblogs ist doch die unglaubliche vielfalt abseits der magazine und oft eine viel deutlicher vertretene meinung abseits der abhängigkeit von werbekunden.

das poppende lottchen
02.04.2010 16:45
mein posting bezieht sich auf den artikel und dessen inhalt.

also auf den darin angesprochenen mainstream und die großen labels und die englischsprachigen blogs.
klar gibt es auch designer, die kunst machen, und hervorragende modebloggerinnen, die reflektierte inhalte bieten - aber die sind nicht mainstream und nicht annähernd so berühmt wie tavi gevinson & co.

Alkolix
02.04.2010 12:06
also

eh wie eh und je ;)

hagane
02.04.2010 09:01
mode ist nur noch ein teil der globalen schickimicki-society

wann war das denn jemals anders?
mode und vor allem modetrends werden vollkommen überbewertet und künstlich hochstilisiert... so wie trüffelfressen.

Sagenhaft
02.04.2010 12:39
Vielfalt

Und genau darum geht's. Es gibt unzähliche Modeblogs, die nicht den Trends und berühmten Designern nachrennen, sondern auf Individualität und Persönlichkeit setzen. (Mode-)Blogs bedeuten für mich mehr Vielfalt.

AutoPostBack
01.04.2010 21:51
Sagenhaft
01.04.2010 21:42
In Österreich gibts viele FashionbloggerInnen!

Immer die gleichen Leute, die in den Medien präsent sind... Was ist mit den heimischen ModebloggerInnen? Da wären zB http://www.cooloutfit.at oder http://stylekingdom.com . In deren Blogrolls gibts noch 100te mehr!

irina_p
02.04.2010 12:14
warum nicht über die österreichischen blogs geschrieben sind? die sind irrelevant!

das kannst du doch echt nicht vergleichen! ich finde es gibt keinen einzigen GUTEN österreichischen modeblog. und ich hab mich wirklich eingehend damit beschäftigt. es mag zwar blogs geben, aber die sind echt nicht sehr herausragend. man kann sie sicher nicht mit sartorialist usw vergleichen. stylekingdom zum beispiel finde ich echt mies. die hat sowas von überhaupt keinen geschmack! da zeigt sich halt wieder mal das österreich eine modeprovinz ist!

lady red
02.04.2010 12:27

schon mal was von "geschmäcker sind verschieden" gehört? ;-)
und vielleicht will sich ja auch niemand mit dem sartorialist vergleichen. wäre ja dann auch nur eine schlechte kopie, oder?
du hast dich eingehend damit beschäftigt? wieviele österreichische modeblogs kennst du? ich kenne über 60 - und die meisten davon haben einfach spaß an dem was sie tun und machen sich zum glück keine gedanken darüber ob sie sich mit irgendjemandem vergleichen müssten! ;-)

Sagenhaft
02.04.2010 12:26
Irrelevant für wen??

Es gibt zu jedem Geschmack und jedem Segment (auch heimische) BloggerInnen, da kannst du dir immer deine Favoriten aussuchen. Ich würde hier wirklich nicht verallgemeinern und deinen persönlichen Geschmack als allgemeines Relevanzkriterium hernehmen. Ein Blog muss nicht die Mode-/Designszene beeinflussen, um gut zu sein.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.