Lehrerbildung "neu": die Blinde und die Lahme

1. April 2010, 18:48
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    foto: apa/hochmuth

    Ein neues Papier ist auf der Welt: Bildungsministerin Claudia Schmied vertraut jedoch auf die alten Institutionen.

Warum der jüngst von Claudia Schmied vorgelegte Endbericht der "Expertengruppe zur Reform der Lehrerbildung" das Papier nicht wert ist, auf dem er geschrieben steht

Was ist zu erwarten, wenn man eine Reform und Aufwertung der Lehrerbildung, wie in den nun präsentierten Expertenempfehlungen vorgesehen, jenen Institutionen überlässt, die sich schon bisher als nicht willig oder nicht ausreichend ausgestattet erwiesen haben? Universitäten, die blind sind für die Anforderungen professioneller Entwicklung im Bereich der Lehrerbildung, und pädagogische Hochschulen, deren Dienstrecht und Finanzierungsstruktur den Aufbau einer akademischen Kultur lähmen. Ohne radikale Neuorientierung in der Substanz werden auch die neue Schläuche nur den alten Wein liefern.

An den österreichischen Universitäten ist ein klarer Wille für eine solche Neuorientierung nicht erkennbar. Keine hat es bis heute geschafft, der Lehrerbildung jenen Stellenwert einzuräumen, der seit Jahrhunderten für die Ausbildung von Medizinern oder Juristen eine Selbstverständlichkeit ist: Es gibt Fakultäten, die einerseits für die Ausbildung verantwortlich sind, andererseits durch Forschung, Entwicklung und Weiterbildung für das Berufsfeld ihrer Absolventen unverzichtbar sind. Eine akademische Profession braucht eine derartige Verankerung. In gewissem Sinn ist die derzeitige Lehrerausbildung an den Universitäten gerade das nicht, was ihr vielfach zugute gehalten wird: wissenschaftlich. Die angehenden Lehrer und Lehrerinnen kommen zwar mit Wissenschaften in Kontakt, die dort betriebene Forschung und Entwicklung hat aber mit ihrer zukünftigen Tätigkeit überwiegend nichts zu tun.

Die Grundeinstellung an den Universitäten ist die folgende: Lehrer-Sein ist eine Zusatzqualifikation, der Kern akademischer Ausbildung ist das Fach, alles Andere ist bloß Anhängsel. In diesem Sinn haben an den Universitäten jene Instanzen für die Lehrerbildung die Verantwortung, für die sie jeweils nicht das Hauptanliegen ist. Das gilt sowohl für die Fachinstitute als auch für die erziehungswissenschaftlichen.

Wie sieht es an den pädagogischen Hochschulen aus? Hier ist zwar Lehrerbildung das Hauptanliegen, die Praxisorientierung ist auch wesentlich größer, es fehlt aber weitgehend jene innovative wissenschaftliche Kraft, die Neues andenkt, und ausprobiert, die sich international verankert und die jene Dynamik in das Bildungssystem bringt, ohne die es eher der gesellschaftlichen Entwicklung nachhinkt als ihr voranzugehen. Praxisorientierung ist zu wenig für eine akademische Ausbildung, es bedarf auch der kritischen Distanz zur Praxis.

Um dieses akademische Potenzial aufzubauen, dazu bräuchte es entsprechendes Personal, Strukturen und Geld. Ich bin nicht sicher, ob nicht auch die pädagogischen Hochschulen blind sind für diese neuen Anforderungen, es lebt sich ja auch ganz gut in einer bewährten Lahmheit. Einige Rektoren sehen zwar die neuen Anforderungen sehr deutlich, gleichwohl sind sie gefangen im System einer zum Teil stark von außen gesteuerten schulischen Kultur ohne ausreichendes Forschungs- und Entwicklungsbewusstsein.

Die für eine akademisch-professionelle Lehrerbildung blinde Universität und die für eine solche zu lahme Pädagogische Hochschule sollen kooperieren? Ohne grundlegende Erneuerung bzw. Neubeginn, d. h. ohne Neugründung, wird nichts Besseres herauskommen als wir haben: Lehrer/-innen, die in der Entwicklung ihres professionellen Weitblicks von den offiziellen Ausbildungseinrichtungen weitgehend im Stich gelassen werden.

Es ist erstaunlich, wie viel an Ideen und Engagement für eine bessere Schule bei Lehrern und Lehrerinnen dennoch zu finden ist. Für die gemeinsame Reflexion, für gemeinsame professionelle Verantwortung für das Schulsystem und für eine andere als die gängige gewerkschaftliche Haltung gegenüber Reformen, dafür wäre eine akademische Lehrerbildungsinstitution notwendig, die diesen Namen verdient. (Roland Fischer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.4.2010)

Zur Person:

Roland Fischer ist Professor der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung an der Universität Klagenfurt.

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    24 Postings
    Mike Webman
    00
    20.4.2010, 23:05
    Notorische Geldverschwenderin...

    ...diese Schmidt ! Produziert jede Menge buntbedrucktes Altpapier, Inseratenkampagnen und finanziert ihre BIFI(e)-Würstchen fürstlich, statt den Schulen dringend benötigte Werteinheiten zu geben!

    AMERICAN PIE in den neuen PÄDAKs mit Bätschlan, Mastern, Pappdoktorhüten und Rektoren mit seltsamen Halsketten. In diesen Lach-Hochschulen sitzen nach wie vor dieselben alten Politgünstlinge
    und stehlen jungen Menschen sehr viel Zeit.
    So sieht Lehrerbildung "neu" 2010 aus !

    Ich gebs zu
    00
    Der Entwurf zur neuen Lehrerausbildung enspricht

    der guten alten Praxis des BMUKK:

    Man lässt die zukünftigen Anbieter sich das Pflichtenheft gleich selber schreiben.

    So geschehen bei der Geburt des Bifie, er größten Geldvernichtungsaktion, die dieses Ministerium je zustande gebracht hat.

    Wenn - bis auf wenige Ausnahmen - die Verfasser/innen des Konzepts ihre eigenen Einkünfte herbeischreiben können, kommt der Vorwurf der Befangenheit auch dem Unbefangenen leicht über die Lippen.

    Jetzt wird auf Teufel komm raus reformiert, ein wenig polemisiert, und wenn dann Matthäi am Letzten ist, weil auch die engagiertesten Lehrer/innen resigniert das Handtuch werfen, wird erst recht wieder jede/r unterrichten dürfen.

    Ich B. Sisyphos
     
    00

    Ich fürchte, dass eine vernünftige Lehramtsausbildung vor allem viel mehr Zeit erfordern würde.

    In den ersten sechs Semestern werden die fachspezifischen Grundlagen gepaukt, kommen dabei viel zu kurz und überfordern weil doppelt, zumindest bei gewissen Kombinationen von Fächern, trotzdem jeden Studenten.

    An den Fakultäten werden die Lehramststudien auch nicht ganz zu unrecht immer stiefmütterlich behandelt.

    Vielleicht brauchts eine auf Pädagogik spezialisierte Paralleluniversität. Oder sonst spezielle Abteilungen an jedem Institut, die auch wirklich was bewirken können. Und nicht so wie jetzt eine Person die als dritte Nebentätigkeit ein bisserl aufs Lehramt schaut.

    Provinzlerin1
    01
    Wie sehr prägt Schule?

    Ich persönlich kann mich nicht erinnern, dass mich ein(e) LehrerIn geprägt hätte (Schulanfang noch in den 50ern, noch etwas hard, trotzdem keine einzige Watschn o.ä. miterlebt). Ich denke, dass sich ein Schüler das nimmt, was er brauchen kann.
    Die geistige Offenheit, die Bandbreite der persönlichen Bildung zumindest bei den meisten Pflichtschullehrern ist ein Graus.Ergebnis einer jahrzehntelangen Negativauslese der PA-Kandidaten und einer entsprechenden "Studiums" an den PA`s.

    blackdeeper
    01

    bedauerlicherweise halte ich weder die lehrpersonen an den universitäten für fähig, praxisprobleme zu verstehen (die sind gefangen im "elfenbeinturm"), noch sehe ich an der PÄDAK leute, die eine sache mal allgemein-strukturell betrachten könnten, statt nur anlassbezogen. ... deren formale aufwertung bis hin zu den kindergärtnerinnen zeigt nur, wie wenig man in österreich versteht, was "wissenschaft" sein sollte!

    testarossa
    00
    11.4.2010, 22:29

    "noch sehe ich an der PÄDAK leute, die eine sache mal allgemein-strukturell betrachten könnten"

    Tut mir Leid für Sie, aber dann dürfte Ihr Beobachtungssegment ziemlich eingeschränkt sein!

    blackdeeper
    00

    guter artikel! ... die lehrerausbisdung an den universitäten sah vor 10 jahren noch so aus, dass man im germanistik-studium sich mit goethe und co. befasst hat und beim unterrichten in der AHS-unterstufe plötzlich vor der frage stand, was 12jährige denn eigentlich so lesen.

    darkblue2
    42

    wieso sollen lehrer überhaupt wissenschaftlich ausgebildet werden; lehrer unterrichten buchwissen; ihre einzig aufgabe ist es, dieses buchwissen in erträglicher und verständlicher art den schülern nahe zu bringen!! das ist die ihr handwerk das sie erlernen sollten! wissenschaft kann sowieso nur ausserhalb der schule funktionieren weil ja die schüler selbst kaum in einem alter sind um wissenschaftlich zu arbeiten!

    griasdi
    12

    da hat einer den beruf des lehrers und das prinzip "wissenschaftlich" nicht ganz kapiert ...

    darkblue2
    10

    der beruf des lehrers wird in einem ausmaß überschätz wie es diesem berufsstand überhaupt nicht zukommt;
    sie sollen nicht visionär, missionarisch, wissenschaftlich oder sonst wie sein, sonderen den schülern einfach den "state of the art" in verständlicher weise beibringen; sonst einfach nix;

    Kleinhirn
    01

    Was lernt ein Schüler von einem Lehrer der vorne steht und aus einem Buch vorliest?
    - das auswendig lernen von Büchern

    Was lernt ein Schüler von einem Lehrer der einen interessanten Unterricht gestaltet, weiß wovon er spricht, auf die Kinder/Jungendlichen eingeht und nicht nur stur Stoff vorträgt?
    - mitdenken, verstehen, Interesse, Sinn hinter dem ganzen

    Also ich denke schon das eine fundierte Lehrerausbildung sinnvoll ist.

    moki328
    00
    Bravo! Sehr schöner Kommentar!

    Sehe ich auch so!

    Heavyweather
    22

    Ist doch völlig egal was wir unterrichten.
    Die Kinder nehmen sich was sie brauchen oder eben nicht.
    Irgendwann ist man es leid immer hinter den Eltern her zu wischen.

    Stabilo13
    01

    im besten fall leiden sie an burnout ansonsten halte ich ihre haltung für untragbar
    wie dem auch sei, schnell beruf wechseln bitte

    Heavyweather
    02

    AHS ist eben kein Kindergarten. Besser gesagt sie sollte es nicht sein.

    Ich frage mich nur warum wir modulare Systeme ausprobieren aber am Ende sowieso nichts dabei heraus kommt.
    Warum gibt es bei uns kein Kurssystem? Wozu muss ich Kinder unterrichten die nicht in der Schule sitzen wollen?
    Die letzte Folge von "My name is Earl" gesehen?

    Vom Ministerium kommt Weltfremdes und wir wurschteln weiter wie immer.
    Die Qualität des Unterrichts ist in Ordnung...aber schwachsinnige Reformen möchte man das gerne ändern.
    Learning to the test ist genau das was die Zentralmatura z.B. bewirkt.

    teuerzahler
    32
    such dir einen andern beruf,

    du ruinierst sonst zu viele lebensläufe.

    Heavyweather
    00

    Quatsch.
    Wenn ich kein engagierter Lehrer wäre würden mir diese Artikel sowieso am A.... vorbei gehen.

    Was hat die Schulzeit mit dem Lebenslauf zu tun?

    teuerzahler
    00
    Was hat die Schulzeit mit dem Lebenslauf zu tun?

    das ist aber jetzt nicht dein ernst!?

    ich kenne aus eigener erfahrung ein halbes dutzend biografien von mitschülern, die durch sadistische oder sonst wie gestörte lehrer einfach kaputt gemacht wurden: notenterror, jahrgangswiederholungen, schulverweis, schulabgang, lebenslauf kaput gemacht!

    und das waren nur jene, die nicht zu dumm oder zu faul oder lernunwillig waren. das waren nur jene, die dem lehrer nicht passten, ihn reizten, sich nicht anpassten oder unter ordneten!!!

    Heavyweather
    01

    Durchgeflogen ist bei mir noch keiner.
    Verer gibt es auch nicht....
    Nicht beurteilt habe ich noch an zu bieten...aber das geht wohl auf die Kappe der Schüler.

    Musische Fächer werden bei den Reformen und Lehrplänen sowieso ständig übergangen.

    leser 4712
    11
    aufwertung

    der lehrerausbildung? die schul- und bildungsdiskussion verfolge ich nun schon seit 20 jahren & was hat sich geändert?
    gar nix - da ist die gewerkschaft schon dahinter, dass "alles beim alten bleibt".
    (immerhin haben wir das immer schon so gemacht und es hat gut funktioniert ...)

    carbonara
    20
    Die Blinde, die Lahme und die Faulen

    FatFaceRicky
    03
    alles Andere ist bloß Anhängsel

    Ist ja nicht nur bei der Lehrer-Ausbildung so, auch in den übrigen Fakultätetn. Was da teilweise an pädagogischen Nieten auf Studienanfänger losgelassen wird, ist schauderlich.

    Karlgaard
    12

    "blind" und "lahm" - schöne metaphern in zeiten der behindertenintegration. selbst betroffene eltern werden wiehern vor lachen.

    teuerzahler
    01
    geh bitte, man kann es auch übertreiben,

    da können wir gleich schweigen.

    eine vollkommen pc-kompatible sprache wäre tot. da könnt ma gleich computer für uns reden und schreiben lassen.

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