Wunder-Nonne erneut erkrankt

Seligsprechung Johannes Paul II. verschoben

01. April 2010 17:54

Nach Ausfall des Wunder-Nachweises soll ausgerechnet die Heilung eines kommunistischen Friseurs für das Upgrade des Ex-Papstes herhalten

Am Freitag ist der fünfte Todestag von Papst Johannes Paul II. Die polnische Kirche und seine Fans drängen auf seine Seligsprechung. Doch eine Heilung, die nicht von Dauer war, könnte Probleme machen.

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Bei Millionen Verehrern genießt er Kultstatus. Unter den Devotionalienhändlern rund um den Petersdom gilt er noch immer als der Verkaufshit. Auch fünf Jahre nach seinem Tod findet der fromme Kitsch mit dem Bild des segnenden Polen reißenden Absatz.

Johannes Paul II. lächelt von Teetassen und Flaschen, Fingerhüten und Schirmmützen. "Santo subito" ("sofort heilig"), hatten Gläubige 2005 bereits wenige Stunden nach dem Tod Karol Wojtylas skandiert. Auch die polnische Kirche bemüht sich massiv um seine Seligsprechung. "Merkwürdig" sei das, beanstandet Pater Peter Gumpel, seit fünfzig Jahren Untersuchungsrichter in der päpstlichen Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse.

Natürlich versteht der strenge 84-Jährige den Wunsch vieler Anhänger nach baldiger Seligsprechung ihres Idols. "Den Übereifer der Begeisterung zu dämpfen erfordert Mut" , sagt Gumpel. 200 langwierige Verfahren warten darauf, nach den akribischen Regeln des "Divinus perfectionis magister" abgewickelt zu werden. Eine "nie erlebte Eile" registriert Gumpel im Fall Johannes Paul II. Am 16. Oktober, 32 Jahre nach Beginn seines langen Pontifikats, sollte der Vorgänger Joseph Ratzingers seliggesprochen werden. Indessen gilt bereits als sicher, dass der Termin auf das kommende Jahr verschoben wird.

Das Wunder wackelt

Der Grund: Der für die Seligsprechung erforderliche Nachweis eines Wunders scheint zu wackeln. Eine angeblich von Johannes Paul II geheilte Nonne aus Frankreich soll erneut erkrankt sein. Der Vatikan dementiert derartige Indiskretionen und verweist auf die "Komplexität des Untersuchungsverfahrens".

Der massive Druck irritiert die zuständige Kongregation. Deren Vorsitzender Erzbischof Angelo Amato zählt die Pflichtetappen auf dem Weg zur Seligkeit auf: "Zwei ärztliche Gutachten, Prüfung durch den medizinischen Beirat, Untersuchung durch Theologen und Kardinalskollegium." Die medizinische Kommission werde erst im April tagen. Sollte die Heilung der Ordensschwester Marie Simon-Pierrem nicht als Wunder anerkannt werden, bietet sich ein römischer Barbier als Ersatz an. Der freilich ist mit einem nicht unwesentlichen Makel behaftet: Er ist Kommunist.

In seinem winzigen Salon an der Via Appia fingert Gianni Vecchio einen Parteiausweis mit Hammer und Sichel und ein Bild von Mutter Teresa aus der Brieftasche. "Glaube und Politik sind zwei verschiedene Kapitel", schmunzelt der Friseur. Seit 1973 ließ sich ein damals weitgehend unbekannter polnischer Kardinal mit dem fremdartigen Namen Karol Wojtyla oft in Vecchios Salon rasieren. Auf dessen großformatiges Foto fiel der Blick des Friseurs, als er unlängst wegen eines Bandscheibenvorfalls ins römische San-Giovanni-Krankenhaus eingeliefert wurde. Doch die bereits anberaumte Operation musste wieder abgeblasen werden: Das Leiden des Patienten war aus unerklärlichen Gründen geheilt.

"Ich weiß, dass es Wojtyla war", versichert Vecchio dem Standard. Natürlich würde er gerne als "miracolato" zur Seligsprechung seines früheren Kunden beitragen. Das dafür geforderte "tugendhafte Leben" kann der Kommunist aber nach eigenem Bekenntnis nicht vorweisen: Er ist geschieden und lebt seit Jahren im unkeuschen Konkubinat mit seiner kroatischen Freundin. (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 2.4.2010)

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Urmele
06.08.2010 23:31
Ich verlange ein "upgrade" für KHG!

Für ihn gilt immer noch die Unschuldsvermutung. Ist das nicht ein Wunder?!

Birgit 68
 
22.07.2010 14:41
Sehr geehrtes Team von "der Standard",

Bitte posten Sie mein Kommentar nicht doppelt, wenn Sie sich endlich dazu entschließen können, es durchzustellen.

rudolf schladming
10.07.2010 17:47
oder:

die politische organisation "katholische kirche" verleiht also wieder einmal ihre zweithöchste auszeichung für verdienste um die ideologie des katholizismus. der postum zur auszeichnung vorgeschlagene ist der polnische theologieprofessor und jangjährige vorstand der organisation ("papst") karol wojtyla.

06.04.2010 00:49
Ich vermute mal ganz frech, dass jeder

von einem heiligen geheilter erdenbürger irgendwann wieder erkrankt ist. Wobei eine erkrankung anderer art, was anscheinend für die heiligsprechung nicht stören dürfte, imho eine bösartige perfidie des jeweiligen heiligen darstellt. Nur um der natur letztlich nicht in's handwerk zu pfuschen, die eine krankheit durch eine andere zu ersetzen scheint mir doch etwas scheinheilig. Anstatt der zeitweiligen verschiebung des natürlichen todes, welche von zahllosen heiligen praktiziert wurde , sollte doch endlich mal einer ein allgemein anerkanntes wunder vollbringen und jemand von allen krankheiten dauerhaft heilen, aufdass dieser Glückliche durch sein ewiges Leben ein herrliches Zeugnis von der Größe gottes ablege.

Birgit 68
 
22.07.2010 12:03
Hierzu stellt sich folgende Frage:

Wer ist "er" (der Glückliche?) Wenn er jetzt nur ein seelenloses Stück Fleisch ist, so wird er wohl nicht glücklich werden, da alle Materie bekanntlich irgendwann wieder vergeht (abgebaut wird/seinen Zustand ändert).
Wenn "er" jedoch, wie es alle mir bekannten Religionen lehren, materieloser Geist (Seele) ist, dem ein Körper als Werkzeug mitgegeben wurde, um sich auf dieser, unserer, Erde adäquat bewegen zu können, so ist er wohl glücklich.
Nur, das Wunder kann nicht mehr vollbracht werden, da dies bereits geschehen ist.

Flann O'Brien
05.04.2010 13:00
Wahrscheinlich hat sie zum Ratzinger gebetet,

worauf sie wieder erkrankt ist.

docw
05.04.2010 08:49

das größte wunder geschieht täglich darin,dass millionen menschen diese kabarettreifen peinlichkeiten und belustigungen auch noch ernst nehmen.

Alf von Melmak
02.05.2011 04:29
das größte wunder geschieht täglich darin,dass millionen menschen diese kabarettreifen peinlichkeiten und belustigungen auch noch ernst nehmen

'
Wie wahr!

Kunigunde IV
03.04.2010 20:32
Ich habe gestern zu Che Guevarra gebetet

und heute sind meine Kopfschmerzen weg, auch der Stuhl ist wieder ok.

Seligsprechung sofort!

A. Wolfowitsch
04.04.2010 17:03
Ich im Vormonat zu Lenin,

mein Raucherhusten ist wie weggeblasen!

_valina
04.04.2010 20:53
ich vor zwei tagen zu marx

und meine blase am zeh trocknete aus!

hosiannahmariandl!

Nix da Smoothies! Obst trinkt man gebrannt
22.06.2010 14:44

Sie wünschen - wir spielen:

St. Marx hat sogar eine Schnellbahnstation.

Bromer
02.04.2010 22:45

Die Krankheit ist wieder da? Ein zweites Wunder! Santo subito!

byron sully
02.04.2010 18:05

eigentlich kabarettreif...

mathias haas1
02.04.2010 17:33
Advocatus Diaboli...

...muss schon ein geiler Job sein.

nömix
02.04.2010 17:10
Falsches Foto

Zweimal musste ich bereits wegen eines Bandscheibenvorfalls operiert werden. Beide Male sah ich vorher im Salon meines Friseurs ein großformatiges Foto von Kemal Atatürk. Beide Operationen mussten durchgeführt werden und wurden nicht abgeblasen.
Jetzt weiß ich, warum.
Ich ziehe in Erwägung, meinen Friseur zu wechseln.

starship
 
02.04.2010 15:05
oh gott, ein wunder!

das einzig erkennbare wunder rund um den johannes paul II besteht darin, daß er noch NICHT heilig gesprochen wurde.

und wenns dann soweit sein sollte, wird´s auch niemanden wundern.

astemp79
02.04.2010 14:32
unlängst?

Die Geschichte vom Friseur des Kardinals Wojtyla kenne ich schon seit mindestens einem Jahr: da stand sie schon in einem österr. Magazin, bebildert sogar. - Von einem Bandscheibenvorfall "unlängst" kann also nicht die Rede sein.

Alfred Jodelhuber
 
02.04.2010 13:02

Wunder-Nonne erneut erkrankt
Seligsprechung Johannes Paul II. verschoben

Danke Gerhard Mumelter, großartiger Titel. Und witziger Artikel. Santo piu tardi!

Queen of Sheba
 
02.04.2010 12:48
Wenn bei jeder Spontanheilung eine/r seelig/heilig gesprochen wird, wirds bald eng im Himmel.

Whisker
11.07.2010 00:41
Das paßt schon.

Denn die Menschen, die wissen, wie man feiert und Spaß hat, kommen ja sowieso in die Hölle.

Und dann haben die dort wenigstens genug Platz...

bacchus1at
02.04.2010 12:16

oh, ich kann mich erinnern, im jahre schnee eine zeitung mgelesen zu haben, wo ein papstbild (nebst anderen natürlich) präsentiert war,....plötzlich war mein husten weg....komisch, nicht? weiss aber nicht, welches bild dies verursachte....kann mir jemand helfen, oder sollte ich für einen jörgl plädieren?

die Großmutter
04.04.2010 14:50

Ich plädiere auch für Jörg, denn, wir haben unsere eigenen Heiligen.

Nirvanacharly
 
02.04.2010 09:41
der pole

von der ig farben war alles andere als heilig und schon immer der verlängerte arm des deutschen. es werden wohl wieder ein paar krampfadern für die seligsprechung herhalten müssen. das kleinkindliche weltbild ist zum wiehern, kasperl und pezi sind da erwachsener als dieser kindergarten des grauens.

t-bonesteak
03.04.2010 20:51
karol wojtyla

war und ist zurecht ein nationalheld für die polen.

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