Sehen Depressive alles grau?

  • Seeing Gray When Feeling Blue?
    foto: apa/rainer jensen

    Seeing Gray When Feeling Blue?

Wissenschafter entwickeln Methode zur objektiven Messung des subjektive Zustandes der Depression

Depression und Melancholie werden in Kunst und Literatur schon immer mit visuellen Begriffen umschrieben: Grau und schwarz sind die Farben, die für Melancholie oder Depressivität stehen. Im Englischen dagegen wird die niedergedrückte Stimmung mit der Farbe Blau in Verbindung gebracht, etwa wenn ein deprimierter Mensch sagt: "I'm feeling blue". Dass sich hinter diesen Sprachbildern auch eine empirische Wirklichkeit versteckt, hat nun eine Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Freiburg in Zusammenarbeit von Psychiatrie und Psychotherapie und Augenheilkunde gefunden.

Sollten sich diese Untersuchungsbefunde in weiteren Studien bestätigen, stünde mit dieser Methode ein Verfahren zu Verfügung, mit dem auf objektive Art und Weise der eigentlich subjektive Zustand der Depression gemessen werden könnte. Dies könnte weit reichende Auswirkungen nicht nur auf die Depressionsforschung, sondern auch auf die Diagnose und Therapie von depressiven Zuständen haben.

Schwarz-Weiß-Kontraste schlechter wahrgenommen

Schon bei früheren Untersuchungen fanden sie heraus, dass depressive Menschen Schwarz-Weiß-Kontraste schlechter wahrnehmen als Gesunde. In ihrer aktuellen Studie untersuchten die Freiburger Wissenschaftler mittels einer objektiven elektrophysiologischen Methode (quasi ein EKG der Netzhaut) die Antwort der Netzhaut auf alternierende Schachbrettmuster mit unterschiedlichen Kontrasten bei Depressiven und Gesunden. Es zeigten sich hoch signifikante Unterschiede: Depressive Menschen haben dramatisch kleinere Antwortamplituden auf der Netzhaut. Sogar auf Einzelfallebene konnten aufgrund der elektrischen Netzhautmessung depressive Menschen und Gesunde mit ungewöhnlich hoher Sensitivität und Spezifität unterschieden werden. Die Untersuchung wurde jetzt in dem renommierten Fachjournal "Biological Psychiatry" veröffentlicht. (red)

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24 Postings
Es fehlt die nötige Härte (ohne abzuwerten)

Ich denke generell bei psychischen Krankheiten (Träumern)gibt es sowas wie eine Bewusstseinsverflachung-damit mein ich-dass alle Sinne-die einen mehr-die anderen weniger abstumpfen(im weiteren dann auch die Motorik etc.)

Daher billige ich einerseits bei Leuten mit Depression, Burnout, Psychose etc. den unverschuldeteten Standpunkt-andererseits glaube ich aufgrund von psychisch kranken Mädchen/Frauen (z.B. in Asien)die anhand von eingebleuter Disziplin (Training der Sinne-> Kampfsport-Schule...) den Ausstieg aus der Krankheit ohne jegliche Medikamente etc. schafften - dass die Unschuldsvermutung zum Teil auch eine verweichlichte europäische Sicht darstellt - derer ich mich nicht anschliessen möchte

Und Medikamente bewirken oft Schlimmeres

Da ist sicher was wahres dran. Die plumpe Aussage wie ''purer Quatsch'' vom User ''Toeris'' kann ich nicht nachvollziehen.

Ich bin mir sicher,daß ...

die Erkenntnisse dieser Studie für schwer Depressive
stimmen.Natürlich weiß ich nicht,wie andere Depressive ihre Umwelt wahrnehmen,auf mich trifft es völlig zu.Habe seit drei Monaten eine schwere depressive Episode(wie schon oft),nehme die Farben in meinem Haus wie grau verschleiert war(was nicht am grauen Himmel lag!).Ich denke halt,daß die Kognition von Depressionen stark betroffen ist.Der Blick wird auch enger und auf das Naheliegendste beschränkt.Im Gegensatz dazu kenne ich auch die Wahrnehmung in langen glücklichen Zeiten,die die Welt bunt,weit und
vielfältig erscheinen läßt(die Perspektiven verändern sich drastisch).Da ich stark vermute,daß ich nicht der einzige Depressive bin,der das erlebt,dürfte viel
Richtiges dran sein!

ziehn's ihnan halt ein bunteres gwandl an

wenn alle stricke reissen, haeng ich mich auf.

Purer Quatsch.

Jedenfalls sehen sie in der schönsten Natur

und beim strahlendsten Sonnenschein nur den Müll, der irgendwo versteckt am Rand des Weges liegt.

Das heißt aber nicht, dass sie die Farben nicht wahrnehmen können!

warum nicht?

farben werden doch im gehirn wahrgenommen und bei der depression happerts genau dort.

happerts?

leicht abwertend, finden Sie nicht?

Farben sind auch von der Kultur beeinflusst

Im Westen denkt man Schwarz mit Trauer und Gruen mit Hoffnung; waehrend in China aber Weiss als Trauer und Rot als Freude und Herrlichkeit. Die Assoziation der Farben mit dem taeglichen Leben hat einen grossen Einflluss auf die Seele der Menschen gemacht.

Ich habe bis jetzt gar nicht gewußt,daß man mit Hilfe der "Seele"(was oder wo immer die auch sein mag?)Farben sehen kann? Ich glaube nicht,daß
Farben sehen durch Psychologie beeinflußt wird.Ich vermute,daß dabei eher die Chemie eine große Rolle spielt(bei Depressionen ist sicher die Chemie im Gehirn verändert). Außerdem ist die Wahrnehmung von Farben und deren Wirkung auf das Gemüt eine sehr individuelle Angelegenheit und weniger kulturell bedingt.

Sie haben recht...

Bei Depressionen ist der ganze Körper betroffen,also
beinahe alle Funktionen und Sinne.Man wird langsamer,vergeßlicher,unkonzentriert,die Verdauung wird träger,die Bewegungen ungeschickter,selbst die Durchblutung wird schlechter.Gar nicht zu reden von
abhandenem Geschmackssinn,Sexualunlust,Entspannungsschwierigkeiten,Müdigkeit und eben Beeinträchtigung des Sehsinn's.Natürlich liegt alles an der "fehlgeleiteten" Schaltzentrale im Kopf bzw.dessen Pendant,des sog.
"Bauchhirns",das ja schon allg.anerkannt wird.Die Auswirkungen einer schweren Depression kann man nur am eigenen Leib erfahren!Habe Erfahrungen gemacht mit Erklärungsversuchen in der Familie,im Freundeskreis:völlig vergeblich-unter allen Krank-heiten ist diese die Unverstandeste

Naja... ich erlebe - seit ich ein Antidepressiva nehme - Farben als "schreiend", auch Gerueche (und Geschmack) nehme ich mehr wahr. Das kann natuerlich auch eine Nebenwirkung des AD (Wellbutrin) sein, aber es ist - fuer mich - auffallend...

PeAcE

Ich weiss nicht, was sich dramatisch verändern sollte.

Es werden die Tabletten bezahlt, die Psychotherapie nicht. Es wird so bleiben, da man das Geld nicht in die Betroffenen investiert, sondern lieber die Pharma und Ärzte finanziert, die selten öffentlich sagen, dass Psychotherapie sinnvoll ist. Übrigens jede Studie belegt, dass Psychotherapie mindestens der medikamentösen Therapie ebenbürtig ist. Bei schweren Depressionen ist die Kombinationstherapie am Wirkungsvollsten.

Ja, Psychotherapie auf Krankenschein waere schon *lange* faellig. Es gibt Therapeuten "auf Krankenschein", die haben aber Wartelisten von vielen Monaten. Aber es braucht auch ein System zur Qualifikation der Therapeuten, zur Bewertung ihrer Erfolge... nur weil etwas nix kostet muss es noch nicht gut sein.

PeAcE

da bin ich ganz bei Ihnen

das österreichische System, in dem jede "Hausfrau" Therapeutin werden kann, sollte besondere Qualitätskriterien haben. Leider hat man das System für alle ausgeweitet und damit wahrscheinlich ein gut gemeintes System torpetiert.

Hausfrau schon deshalb nicht, weil der Einstieg in das heutige Pyramidenspiel der Psychotherapie-Ausbildung zigtausende Euro kostet.

reiche "Hausfrau"

das stimmt nicht ...

die therapien werden sehr wohl bezahlt.

es wird einem wie so immer in ö nicht leicht gemacht, aber viele bekommen sie und zwar komplett gratis!

und auch die tabletten haben ihre brechtigung - die sind gerade am anfang sehr wichtig.

Sie haben zwar recht, dass für eine kleine Anzahl die tehrapie auf Krankenschein möglich ist. Aber was würden sie sagen, wenn sie auf ein Antibitikum 6 Wochen warten müssten? Seinen Sie zufrieden Sie bekommen eines, wenn sie lange genug warten?

aber nur weil eine begrenzte Anzahl freigegeben wurde, heißt noch lange nicht, dass es Therapie auf Krankenschein per se gibt.
Die Qualität sollte bewertet werden.
Da die Ausbildung in Österreich nicht das Psychologiestudium voraussetzt, finde ich es zweifelhaft. Es gibt keine wirklich gut ausgebildeten Therapeuten in Österreich. Ich habe noch keinen gesehen. Zumindest wenn die persönliche Qualifikation nicht besonders ist, so ist doch in anderen Ländern, die Ausbildung besser, wie hier. In persönlichen Voraussetzung für das Bewältigen des Therapiestudiums sind in anderen Ländern höher, damit die Rate der psychisch beeinträchtigten Therapeuten geringer durch die höhere Ausfallrate und des längeren Vollzeitstudiums.

@clemens schwarz

auch ganz ihrer meinung!

da bin ich absolut Ihrer Meinung !!

@Clemens Schwarz

Absolut Ihrer Meinung!

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