Heilung von Knochenbrüchen

Schrauben, die sich auflösen

2. April 2010, 10:03
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    foto: ap/matthias rietschel

    Milchsäure könnte Abstoßungsreaktionen verhindern

Nägel, Platten, Stützen, Fäden und Folien aus Milchsäure sind die neuen Helfer in der Chirurgie

Sinzing - Nägel helfen Knochenbrüche heilen: Sie fixieren die Bruchstelle, damit der Knochen wieder richtig zusammenwächst. Aber sie haben einen Nachteil: Nach der Heilung sind sie nicht nur überflüssig, sondern bisweilen sogar gefährlich. Denn das Immunsystem des Körpers erkennt sie als Fremdkörper und bekämpft sie, das berichtet der deutsche Reportagedienst obx-medizindirekt. Mit neuen Nägeln, Schrauben und Folien aus Biomaterial bestehe diese Gefahr jedoch nicht mehr. Denn diese Helfer lösen sich allmählich im Körper wieder auf. Übrig bleiben am Ende nur etwas Kohlendioxid, das über die Lunge abgeatmet wird, und Wasser.

Material Milchsäure

Gemacht werden die neuen Operationshilfen aus Milchsäure, wie sie auch im menschlichen Körper vorkommt. Deshalb werden Stifte und Schrauben aus diesem Material vom Immunsystem nicht bekämpft. Aus Milchsäure lassen sich so genannte Polylaktide herstellen, die zu belastbaren Materialien geformt werden können. Die Stifte und Schrauben lösen sich unter Einwirkung des Wassers im Körper innerhalb von zwei bis fünf Jahren restlos auf und werden vom Körper entsorgt. Einziger Nachteil: Der Preis. Ein Milchsäure-Stift kostet um die 80 Euro. Allerdings werden andererseits in Deutschland jährlich rund 100 Millionen Euro aufgewendet, um Stifte, Schrauben oder Platten aus Metall wieder aus dem Körper von Patienten zu entfernen. Bei Schrauben aus Milchsäure erübrigt sich das. 

Allerdings ist die Festigkeit der Milchsäure-Schrauben begrenzt - deshalb werden die Werkzeuge aus abbaubarer Milchsäure eher bei kleineren und besonders komplizierten Eingriffen eingesetzt. Zum Beispiel in der Orthopädie bei Schulterverletzungen, bei denen der Bindegewebsring der Gelenkpfanne abgerissen ist: Mit Ankern aus Milchsäure lässt sich dieser Ring wieder befestigen. Auch bei Operationen an der Wirbelsäule werden bioresorbierbare Implantate eingesetzt. Ein wichtiger Bereich ist die Reparatur von Knorpelbrüchen in Gelenken. Kieferchirurgen verwenden Schräubchen aus Milchsäure zur Versorgung von Kieferbrüchen. Folien aus Polylaktiden werden in der Herzchirurgie oder in der Geburtshilfe benutzt, um Weichteile in ihrer Form zu halten. Und als Nahtmaterial werden Fäden aus Milchsäure ebenfalls erfolgreich eingesetzt.

Neuartige Stents

Ein besonderes Feld tut sich für die Helfer aus Milchsäure in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Krankheiten auf: Die ersten biologisch abbaubaren Gefäßstützen aus Milchsäure wurden in Japan bei 15 Patienten eingesetzt. Diese so genannten Stents dienen dazu, verengte Arterien aufzudehnen. Die bisher verwendeten Gefäßstützen aus Edelstahl rufen häufig Komplikationen wie Entzündungen und einen Wiederverschluss der Arterie an der gleichen Stelle hervor.

Schließlich arbeiten Wissenschafter verschiedener deutscher Universitäten auch an körperverträglichen Bioimplantaten, die sich nicht auflösen: Aus Traubenzucker werden mit Hilfe von Bakterien des Typs Acetobacter xylinum Zellulose-Hohlfasern "gestrickt", die als künstliche Blutgefäße verwendet werden können. Das Material ist im Gegensatz zu Gefäßprothesen aus Kunststoff ebenso glatt wie natürliche Blutgefäße. Dadurch wird das Risiko der Bildung von Blutgerinnseln ausgeschlossen. Allerdings lässt sich bisher die Bio-Ader nur mit einem Innendurchmesser von einem Millimeter und einer Länge von eineinhalb Zentimetern züchten. (red)

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13 Postings
Irma la Douce
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@ Material "Milchsäure":


Ist Polylactat ein irgendwie unanständiges Wort, und bloß ich hab 's nicht bemerkt?

Quintus Beckloeffel
15
"Schrauben, die sich auflösen"

Ein Nebenprodukt der IKEA-Grundlagenforschung.

Nr.3645
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das selbe dachte ich mir auch :)

kein nick will mir mehr einfallen
04

ich finde nicht dass eur 80.- anbetrachts der gesamtkosten einer osteosynthetischen op incl metallentfernung ernsthaft ins gewicht fallen.

ordo ab chao
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yep vor allem die entfernung dann

mir wurde mein os-material diese woche ausm handgelenk entfernt.

1,5 tage spitalsaufenthalt sind sicher auch nicht billig. hat mich allein schon 20 euro selbstbehalt gekostet.

davon mal abgesehen, wenn nur 1mal operiert werden müsste würde es die krankenhäuser massiv entlasten.

dafür hab ich jetzt aber ein paar hübsche titan-andenken :)

Ein nitupsaR
 
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Mein Unterschenkelmarknagel aus Titan kostet angeblich 5000 Euro, das sollt in Milchsäure schon billiger gehen.

Den Auflösungseffekt find ich schon geil, das erspart eine zweite OP zur Entfernung. Wobei Titan eh im Körper belassen werden kann, da es hierbei zu keinen Abstoßungsreaktionen kommt, sondern der Knochen wunderbar mit dem Titan verwächst. Ich möcht ihn freilich trotzdem raushaben, irgendwie nervt er mich.

datschka
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23.12.2010, 11:36

Es wundert mich, dass mein Tibianagel inkl. Spitalsaufenthalt nur mit knapp 3.000 EUR auf der letzten KK-Abrechnung aufgeschienen ist.

Interessant wäre zu wissen, ob ein Implantat aus Polylaktiden notfalls auch entfernt werden könnte. Ist ja nicht so, dass Implantate die Bewegungsfreihit nicht einschränken.

klemens z
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stell ich mir unlustig vor..

..jedesmal am Flughafen... pieps.

Ein nitupsaR
 
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Gar nicht. Wie ich letztens nach Indien und retour geflogen bin, haben von zehn Scannern gerade mal zwei angeschlagen. Ich schätze, die sind auf große Metallgegenstände, die außen am Körper getragen werden, geeicht. Piercings oder Hosenknöpfe lösen die Dinger üblicherweise ja auch nicht aus.

Und falls doch, so hat man hoffentlich seinen Implantatsausweis dabei. Ein Bekannter von mir, der keinen hatte, wurde im Iran tatsächlich mal aufgefordert, die Schrauben in seinem Bein zu entfernen - der ist wirklich zwei Stunden festgesessen, bis er die Sicherheitsheinis überzeugt hatte, daß das nicht geht.

ordo ab chao
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laut zimmerkollegen, dem genau so ein marknagel ausm unterschenkel entfernt worden ist, piepsts nicht. ka wie die detektoren funktionieren, aber es könnte sein, dass der knochen das metall abschirmt.

Nr.3645
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der knochen schirmt das metal nicht ab, aber meine wissens ist titan, ebenso wie aluminium nicht magnetisch -> die sensoren die darauf nicht ansprechen funktionieren wohl mit einem magnetfeld.

jene die ansprechen wohl mit anderen techniken.

datschka
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23.12.2010, 11:38

Ja, Titan ist leider nicht magnetisch.
Hätte es einfach zu geil gefunden, Notizen auf meinen Unterschenkel zu pinnen ;-)

Emilix
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Ein schon sehr alter Hut - Versuche laufen schon seit mindestens 10 Jahren

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