Tag des Praktikums

Superpraktikantin war eigentlich Volontärin

Teresa Eder, 1. April 2010, 16:44
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    foto: ddp/oliver lang

    Pflichtpraktikum, Volontariat, Ferialpraktikum - alles dasselbe? Die Begriffsverwirrung öffnet den prekären Arbeitsverhältnissen Tür und Tor.

Undurchsichtiger Begriffsdschungel ein Grund für schlecht-bezahlte Praktika - Regierung will keinen Mindestlohn festsetzen

Das Zeitalter der Superpraktikantinnen und Superpraktikanten ist noch nicht angebrochen. Auch wenn die ÖVP der Meinung war, dass Reez Wollner Österreichs Superpraktikantin ist, tatsächlich war sie es nicht. "Wenn man es näher definiert, war das eine Volontariatsstelle, da sie unbezahlt war", gibt Jochen Pack, ÖVP-Nationalratsabgeordneter und Bereichssprecher für Berufsausbildung, zu. "Natürlich kann man darüber diskutieren, ob das bezahlt hätte werden sollen. Josef Pröll hat sich in diesem Fall aber keiner Arbeitskraft bedient, sondern einem jungen Menschen angeboten, den Job in der Politik näher kennenzulernen."

Im Sprachgebrauch wird meistens kein Unterschied zwischen Pflicht-Praktikum, Ferialjob oder Volontariat gemacht - gemeinhin wird nur vom "Praktikum" gesprochen. "Ich ertappe mich ja auch selbst immer wieder", sagt Jochen Pack. Tatsächlich liegt hier auch schon eine Wurzel des Problems der "Generation Praktikum". Jobangebote werden beispielsweise oft als Praktika deklariert und bezahlt, obwohl sie einem normalen Arbeitsverhältnis entsprechen würden. Jugendliche wissen nur wenig über ihre Rechte Bescheid.

Superpraktikant: "Weder Ausbildung noch Arbeit"

"Die jetzt schon schwierige Abgrenzung, was ist tatsächlich ein Praktikum und was nicht, hat die Aktion der Superpraktikantin noch zusätzlich verwischt. Das war weder Ausbildung noch Arbeit", beurteilt Anna Schopf, Gründerin der Plattform "Generation Praktikum", die mediale Kampagne der ÖVP. ÖAAB-Generalsekretär Lukas Mandl, ist hingegen anderer Meinung: "Ich kann aus vollem Herzen sagen, dieses Praktikum hat einen Bildungsinhalt gehabt. Ein junger Mensch hatte die Chance das politische System besser kennenzulernen. Es war außerdem nicht völlig unentgeltlich, weil es eine Woche Urlaub gegeben hat."

In der Öffentlichkeit werden vor allem die prekären Arbeitsbedingungen in der Medienbranche wahrgenommen - nicht ohne Grund. "Die Tatsache, dass über die Generation Praktikum mehr oder weniger regelmäßig berichtet wird, hängt damit zusammen, dass im Medienbereich sehr viele PraktikantInnen zugegen sind, die die Problematik aufgreifen. Dadurch ist es auch ein Stück weit abgesichert, dass dieses Thema nie verstummen wird", so Anna Schopf von der Generation Praktikum. Dieser Systemeffekt bedingt aber auch, dass andere Problemherde - etwa Kunst oder Soziales, wo junge Menschen mit ebenso schlecht-bezahlten Praktika zu kämpfen haben, eher ausgeblendet bleiben.

Regierungsprogramm sieht statistische Erhebungen vor

Die Gruppe der "Praktikanten" selbst ist sehr heterogen - vom Schüler, über den Studienanfänger bis hin zum fertigen Akademiker werden oft ein- und dieselben Tätigkeiten und Jobs gemacht. "Sie geben sich die Türklinke in die Hand, benötigen aber etwas völlig Unterschiedliches. Deswegen braucht es auch die unterschiedlichsten Konzepte, um diese Problematik zu behandeln", sagt Schopf. Pflichtpraktikanten bräuchten etwa eine bessere Betreuung und Begleitung,  Absolventen hingegen Berufseinstiegsprogramme.

Die Plattform "Generation Praktikum" versucht nunmehr schon seit vier Jahren Lobbying für diese Gruppe zu betreiben und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Mit mäßigem Erfolg, ist man doch in weiten Teilen auf die Politik angewiesen. "Im Vergleich zum letzten Jahr sehe ich wenig thematischen Fortschritt. Das einzige neue ist eine Aktion vom Sozialministerium, die sich "+6.000" nennt und junge ausgebildete Menschen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützen soll." Vom Gesetzgeber gibt es nach wie vor keine einheitlichen festgelegten Qualitätsstandards, wie etwa von den Grünen regelmäßig gefordert. "Von den beiden Regierungsparteien habe ich noch nicht viel über die Thematik gehört", kritisiert Anna Schopf. Im derzeitigen Regierungsprogramm gibt es jedoch sehr wohl Passagen, die auch die Situation der "Generation Praktikum" direkt betreffen. Eine Erhebung des Ist-Zustandes wird versprochen und der Informationsfluss über Praktika soll generell verstärkt werden.

ÖVP will keine Mindestentlohnung

Von Seiten der ÖVP bestätigt man, dass Informationsoffensiven gegenüber gesetzlichen Rahmenbedingungen der Vorzug gegeben wird. "Es gibt hier kein gesetzliches Defizit sondern ein Informationsdefizit, nämlich, dass zwischen den verschiedenen Praktikumsformen nicht unterschieden wird", betont Pack: "Die Rechte und Pflichten sind eindeutig geregelt. Dass es in der Praxis immer wieder zu Verwechslungen der Arbeitsverhältnisse kommt, ist eine andere Geschichte." Dem pflichtet auch Mandl vom ÖAAB bei: "Wir stellen uns massiv gegen den Missbrauch, wenn normale Arbeitsverhältnisse als Praktika getarnt werden, übrigens nicht nur am Tag des Praktikums, so wie die Grünen, sondern 365 Tage im Jahr." 

Ein gesetzlich festgelegtes Mindestentgelt für alle Praktika will die ÖVP nicht. "Es gibt gewisse Schultypen mit Pflichtpraktika, die als Hineinschnuppern gedacht sind und nicht bezahlt werden" Pack glaubt, dass viele Unternehmen, sobald es einen gesetzlichen Mindestlohn für Praktika gibt, auch keine Plätze mehr anbieten und Schülerinnen und Schüler dadurch in die Bredouille geraten. "Man darf aber natürlich auch nicht beschönigen, dass Volontariate, die unbezahlt bleiben, oft durchwegs problematische Ausmaße annehmen", argumentiert Pack.

Arbeitsinspektorat bei Missbrauch zuständig

Wer der Meinung ist, dass die arbeitsrechtlichen Mindeststandards bei einem Praktikum nicht eingehalten werden, kann beim Arbeitsinspektorat Beschwerde einreichen. "Ich kann nur jeden bitten, der den Verdacht hat, dass hier ein Missbrauch stattfindet, das Arbeitsinspektorat zu informieren", plädiert Mandl. Der Arbeitgeber muss dann nämlich beweisen, dass er ein "echtes Praktikum" mit Bildungsinhalten anbietet. Für den Sommer ist vom ÖAAB außerdem eine Informationskampagne geplant, "die jungen Menschen zeigen soll, dass sie sich nicht über den Tisch ziehen lassen sollen". (Teresa Eder/derStandard.at, 01.04.2010)

Hintergrund

Arbeitsinspektorat

Generation Praktikum

Es wird zwischen Ferialpraktikum (normalerweise ein feriales Arbeitsverhältnis), Volontariat (unbezahltes Praktikum vorwiegend im Medienbereich) und einem Pflichtpraktikum (vorgeschrieben von einer Bildungsinstitution) unterschieden.

Umfrage

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Posting 1 bis 25 von 53
1 2
salzamt1
00
19.11.2010, 19:47
hat Mandl ein Problem mit der deutschen Sprache?

"Es war außerdem nicht völlig unentgeltlich, weil es eine Woche Urlaub gegeben hat."

Eine Kreatur
00
17.7.2010, 16:15
das beste ist ja .. wir haben ein akademisches system eingeführt, das auf praktika basiert und die österreichische wirtschaft

ist nicht in der lage, ausreichende praktika (in zahl, inhalt und qualität) anzubieten ..

als fh-studentIn ist mensch arm dran .. und wenn in manchen firmen fast 100 bewerbungen anstehen und es dort fälle gibt, dass leute schon fast fertige arbeiten beim ersten bewerbungsgespräch abgeben!!! welchen sinn hat das? sinn wäre ja, eine problemstellung in der praxis zu analysieren und dann eine lösung zu erarbeiten und nicht schon beim bewerbungsgespräch mit lösungen zu kommen! wo die leut die firma und das problem noch gar nicht wirklich kennen!

vielleicht sollte die övp weniger fh-hype betreiben, sondern mehr mit der wirtschaftskammer reden, damit die den unternehmen beibringen, was sie mit den praktikantInnen tun sollen und können!!!

silverfinger
00

tolles vorbild die ÖVP ... danke! [ironie]

665
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verstehe ich das richtig?

Das Praktikum war deswegen nicht ganz unbezahlt, weil es eine Woche Urlaub gab?? Also statt Geld für die Arbeit, kein Geld für Urlaub ?? Sie braucht also nicht 9 Wochen unbezahlt arbeiten sondern nur 8?
Sowas gehört nicht nur verboten, sondern verfolgt!
Es muss ja nicht der KV sein, aber wenn wir künftig jedem der nicht arbeitet 700 Euro zahlen, dann werden es wohl zumindest 500 auch für die sein dürfen, die arbeiten, oder??

wolfgang koch
00

Weihrauch - reiner ungefilterter Weihrauch!

potz
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ja genau, die etymologische namens- und begriffsklaerung wird das problem lösen.

den stoff den die in der ÖVP Zentrale rauchen, moechte ich auch haben.

Vorratsdatenspeicherung = Verfassungswidrig!
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wer möchte den stoff nicht haben ;)

die quelle würd ma scho reichen.

karlsplatz und praterstern werdens wohl nicht sein...

cockpuncher
01

lagerhaus vielleicht?

angelie
00
verantwortung auf praktikant_innen abwälzen?!

egal ob medizinstudent_innen, leute in der medienbranche oder schüler_innen: alle sollten bezahlt bekommen!

die grenze, was bloßes "hineinschnuppern" ist und was bereits arbeit, kann nämlich nicht klar gezogen werden. und schon gar nicht von dem/der praktikant_in!

das find ich schon auch pervers: die praktikant_innen sollen sich nicht über den tisch ziehen lassen, das arbeitsinspektorat informieren etc. - wenn man das macht, ist aber auch das praktikum weg und es gibt hunderte andere, die auf den platz warten. wer sich nicht an die von den unternehmen vorgegebnen regeln hält, bekommt das praktikum nicht, so einfach ist das. und man erträgt es, geht nebenbei arbeiten, lebt weit unter der armutsgrenze...

fangdenhut
00
Und in welche Kategorie

...fallen die Praktika, mit denen BWL-Studenten in den Sommerferien oder anstelle eines Auslandssemesters ihren Lebenslauf karrieretauglich trimmen?

coder24
12
Unbezahlte und unterbezahlte Praktikas

gehören komplett verboten. (=Praktikant wird nach Kollektiv bezahlt).



hurchzua
00
wenn es ein Arbeitsverhältnis ist,

muss es nach geltender Rechstslage natürlich nach einem sachlich anwendbaren Kollektivvertrag bezahlt.

Ist es aber kein Arbeitsverhältnis (= keine maßgebliche Arbeitsleistung, Kommen und Gehen wann man will...) kann natürlich auch kein Kollektivvertrag zur Anwendung kommen.

Das ist geltendes Recht.

coder24
00

Ich hab während meiner Schul- und Studentenzeit NIE einen Praktikumsplatz gehabt, bei dem ich kommen und gehen hätte können wenn ich will.

Gut ... ich hab 1994 dafür auch umgerechnet fast 1200€ (heute wären das unter Berücksichtigung der Inflation immerhin fast 1500€) verdient.

Round'n'round it goes
03

Kein Mindestlohn mit der Begründung, dass es ja Schultypen mit Pflichtpraktika gibt?!? Weiß der gute Mensch, wie ein Pflichtpraktikum in einer HBLA zB aussieht? Das ist Putzen, im besten Falle Dienste als Küchenhilfe und wenn man sehr sehr gut ist Kellnern. Das ist kein Hineinschnuppern, sondern lediglich Schikane!

KingKoksi
03
Vorschlag für die Wirtschaft zur Standortsicherung in Österreich

Frei nach dem Motto: "Josef Pröll hat sich in diesem Fall aber keiner Arbeitskraft bedient, sondern einem jungen Menschen angeboten, den Job in der Politik näher kennenzulernen." - könnte jetzt jede Firma einfach ihren "Mitarbeitern" anbieten, den Job in der Firma näher kennenzulernen und bräuchte deshalb kein Gehalt bezahlen :)))))

htt29
01

und eine chance überhaupt einen Job zu erhalten, haben dann nur jene, die ihn bereits kennengelernt haben, am besten mehrmals, aber auf jeden Fall öfter als alle anderen.

Erwin Wolfram
03

Sklavenhandel war schon immer ein Hobby der Regierenden...

systemfehler1
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Vor allem der Konserven und ihrer Freunde.

systemfehler1
01
...wenn es Konservative sind/waren.Dann ja.

skyline
16
Superpraktikant ist falscher Begriff

Man muss die Begrifflichkeit "Superpraktikant" anzweifeln. Da es sich hier um KEIN Pflichtpraktikum einer Schule handelte und auch um KEIN Volentariat, sondern um ein freiwilliges Praktikum, muss dieses bezahlt werden.
Ansonsten muss die ÖVP darauf hinweisen, dass es sich hierbei um ein Volentariat handelt - was aus dem Begriff "Superpraktikant" eindeutig nicht hervorgeht.

Eine Person gratis für sich arbeiten zu lassen (nur um der Ehre willen) und nebenbei aus dieser Aktion Werbung zu lukrieren, ist ein gefinkelter Schachzug gewesen.

Mir wird die AKtion nicht als "Superpraktikant", sondern als ""Pröll-Volentariat" in (schlechter) Erinnerung bleiben.

torch
 
00
skyline auftauchen !

.
Auftauchen aus dem Brunnen, es ist ein Volontariat und es gibt Volontäre und Volontärinnen ...

Es handelt sich um unentgeltliche Ausbildung / Weiterbildung absolviert, also ein "Freiwilliger ohne Bezahlung".

Ist auch ein wenig anders, als ein Training on the Job und wieder etwas anders als ein Trainee.

johann potakowskyj
 
00
Sie blieb ja

hoffentlich bei der werbefirma angestellt ...

Fischersfritzefischtfrischefische
00
ich

bin mir sicher dass es bezÄhlt hätte werden sollen...

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
05
"Dass es in der Praxis immer wieder zu Verwechslungen der Arbeitsverhältnisse kommt, ist eine andere Geschichte"

Stimmt. Die Herren Pröll, Faymann usw. dürften sich auch nicht sicher sein, ob sie ein Praktikum oder Voluntariat machen.

Aber da es bezahlt ist, ist es wahrscheinlich ein Praktikum.

teukros
07
Ich machte 2008

ein unbezahltes Praktikum an einer österreichischen Botschaft. Gefängnisinsassen bekommen ein bestimmtes Tagesgeld. Conclusio: Mörder und Vergewaltiger bekommen im Staate Österreich mehr als PraktikantInnen in diversen Behörden - und die ÖVP sieht keinen Handlungsbedarf.

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