Einserkastl Rau

Bürger und Amtsorgan

1. April 2010, 09:17

Wenn die Polizei nichts Besseres zu tun hat...

Herr P. ist Senior Partner einer Firma in der Wiener Innenstadt und Gentleman-Radfahrer. Das heißt, er ist einer der beneidenswerten Nichtschwitzer, die mit Anzug und Krawatte fahren. Vor einigen Monaten fuhr er in Wien 1 gegen eine Einbahn. Das darf man an sich. Bei dieser Einbahn aber nicht. So wurde Herr P. von drei Polizisten belehrt, die plötzlich hinter einem Blumentrog auftauchten.

Nun beginnt eine der beliebten Begegnungen zwischen Bürger und Amtsorgan. Herr P. zeigte keinen Ausweis, sondern eine Visitenkarte vor. Ein scharfsinniger Polizist: "Ham S' des Ihren Vater g'stohln, da steht Kommerzialrat drauf." Und: "Auf der Rückseite steht was anderes." Herr P.: "Das ist Englisch". Der Polizist: "Das könnten Sie auch gestohlen haben." Fortsetzung auf dem Wachzimmer, wo Herr P.s Identität im Computer festgestellt wird. Er verlangt den Kommandanten. Nicht da. Die Dienstnummer. Wird nicht hergegeben. Dafür soll er ein Protokoll unterschreiben.

Herr P. entfernt sich. Monate später eine Strafverfügung. Weil "das Fahrrad keine helltönende Glocke zur Abgabe von Warnzeichen; keinen Rückstrahler mit einer Lichteintrittsfläche von mindestens 20 cm; keine Felgen mit Seitenrändern ringförmig weiß und gelb rückstrahlend" hatte.

In solchen Fällen fragt der Bürger meist, ob die Polizei nichts Besseres zu tun hat, z. B. Einbrecher jagen? Und, was soll man sagen, in Fällen wie diesem hat der Bürger sogar recht. (Hans Rauscher/DER STANDARD; Printausgabe, 1.4.2010)

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mika33
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Da wird er eben goschert gewesen sein der Herr Kommerzialrat.

deadsoil
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wieder ist ein haberer des herrn rau opfer der bösen polizei geworden. trotz visitenkarte mit aufgedrucktem kommerzialrat, senior partner, anzug und krawatte, muss sich dieser haberer einer erniedrigen prozedur aussetzen. natürlich hat die polizei nichts besseres zu tun, als kommerzialräte am rad abzustrafen. der herr kommerzialrat hat natürlich nichts falsch gemacht, eben nur die polizei die eben lieber einbrecher als seniorpartner am rad beamtshandeln soll.

Die Tibetische Gebetsmühle
 
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Ich hätte diese Geschichte schon so verstanden,

dass den Herren Polizisten ein bißchen das Gespür für die Notwendigkeit einer Amtshandlung fehlte und RAU nicht unbedingt die Polizei als solches "attackierte".

deadsoil
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ja so unterschiedlich kann das verständnis sein, wenn man ein und dieselbe geschichte liest.

bloody-nine
 
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ich bin selber alltagsradler und autoverweigerer

und begrüsse es natürlich wenn leute wie der herr seniorpartner in die kanzlei radeln - weil nur wenn solche leut das auch machen wird das rad jemals als optimales innerstädtisches verkehrsmittel anerkannt werden. und ich finds auch in ordnung dass der herr kommerzialrat sich mal nix pfeift und ganz entspannt gegen die einbahn radelt.

aber die tendenz der rau´schen berichterstattung is schon sehr eigenartig. wäre das kein herr mit anzug und krawatte sondern ein politologie-student mit dreadlocks, dann wäre das eine harsche abrechnung mit den wüsten rad-rowdies geworden, die sich alles erlauben wollen, und die kappelständer wären nicht die blöden sondern die helden.

Henry Flower
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und ich finds auch in ordnung dass der herr kommerzialrat sich mal nix pfeift und ganz entspannt gegen die einbahn radelt.

eh.

aber erwischt ist erwischt und um himmels willen, ist das ein feiner KoR wenn er sich die 35 euro oder was auch immer nicht leisten konnte.

(die technischen mängel werden hauptsächlich bei uneinsichtiger kundschaft ins treffen geführt - beim auto ist es das gleiche: nerve den beamten und als nächstes wird das ablaufdatum vom verbandkastl geprüft, eh klar)

Schwalbe
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hätten der hr kom.-rat eben mit "etwas mehr eigenverantwortung" in die pedale treten müssen und kurz beugen schnaufen & schwitzen um dem hrn. strafverfüger zu entwischen, dann müsste auch jetzt der hr. journalist nicht lamentieren und der hr. strafverfüger hätte gleich wieder seine diebe jagen können

Er staunt
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Ungeachtet der anderen Sachen (Dienstnummern sollten z.B. selbstverständlich verpflichtend außen, gut sichtbar an jeder Polizei-Uniform getragen werden müssen, am besten aufgenäht - die diesbezügliche Handhabung hierzulande ist tatsächlich absolut inakzeptabel) ist es aber schon noch so, daß Einbahnen erst mal grundsätzlich für alle gelten, egal wer man ist, was man fährt und ob man dabei ohne Antitranspirant auskommt. Sonst wären die (m.E. ohnehin viel zu vielen) "ausgenommen Radfahrer"-Schilder bei unzähligen Einbahnen ja völlig nutzlos, dafür fehlten dann aber etliche "hier gilt die Einbahn ausnahmsweise auch für Radfahrer"-Schilder. Als Argumentation gegen so eine Amtshandlung also durchaus noch etwas verbesserungswürdig... ;-)

Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän
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Dienstnummer?

Das hatten wir schon! Wurde aber irgendwann in der 1960er Jahren abgeschafft, ich glaube deswegen, weil man sonst Polizisten verleumden konnte oder irgend ein ähnlicher Mist.

Schlechtes Gewissen hatten die Herrschaften schon damals.

Poldi Fesch
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bedingt ja

da muesste man genauer wissen, wo. Typen die die Wollzeile hinaufradeln sind schon eher problematisch, da Ausweichrouten reichlich vorhanden. Umgekehrt, hoher Markt, Dorotheerg., Habsburgerg., da ists eher Pflanz

dieDritteGeneration
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Wenn mich Polizisten anhalten versuchen wegen irgendeiner kleiner Unkorrektheit, die aber niemand gefährdet hat (zB langsames fahren auf dem Gehsteig wo fast kein Fussgänger unterwegs ist, damit ich ned extra wegen 200m über die stark befahrene Straße muss um vorschriftsmäßig auf der rechten Seite zu fahren) dann tu ich so als hätt ich nix bemerkt und tret in die Pedale. Die schreien dann nur rum, aber sowas kann man ja nicht hören, wegen dem mp3 player, hihi. Verfolgt hat mich noch keiner. Solang die selber kein Fahrrad haben wär das ja auch sinnlos.

Dr. Wolfgang S. (Kanzler a.d.)
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im obrigkeitsstaat oesireich...

ganz normal!

WeirdST
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Spätestens bei ...

... "Ham S' des Ihren Vater g'stohln" wird aber die Sprachnotiz am Handy aktiviert!

wari zehner
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Polizei

Eigentlich steht nirgends das der "Radler" vielleicht keinen Ausweis bei sich hatte! Weiters wird im Forum von "verhältnismäßigkeit" geschrieben, die für mein Rechtsempfinden, in dieser Causa in keinster Weise gegeben ist. Jemanden zu Strafen noch dazu mit Delikten die eigentlich nicht zu glauben sind, ist mehr als zu hinterfragen (wenn das wirklich in Wien passierte und nicht in Afrika). Gute nacht

Menschen gegen Menschen
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Da hilft dann auch keine Imagekampagne ums Steuergeld.

bloody-nine
 
03
schau an.

ein radfahrer in -rau-s kolumne, und der der zusatz "rowdy" kommt gar nicht vor.

muss an der krawatte liegen.

Sushi-Frass Fresser
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Naja ein Radfahrer, ... - wärs ein Hundehalter gewesen, müssten wir uns ernstlich Sorgen machen.

ökonomics
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solchen Fällen fragt der Bürger meist, ob die Polizei nichts Besseres zu tun hat, z. B. Einbrecher jagen?

kann ich des öfteren am karlsplatz beobachten: die polizei unterstützt die wr. linien beim aufschreiben von schwarzfahrern. nebenbei gehen die ärgsten drogendeals von statten.......

clever s
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tolle sache ....

... wenn vom Bürger verlangt wird das er sich gesetzeskonform verhält, die Polizei aber selbst nicht im Stande ist ihre Pflicht nachzugehen und die Dienstnummer herauszugeben wenn danach verlangt wird.


später kommt das wundern weshalb die Bürger immer weniger Respekt gegenüber der Polizei hat und die Zusammenarbeit mit der Polizei immer weniger wird.

Zwetsch Genbaum
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Hab ich das richtig verstanden?

Wer Mitinhaber einer Firma ist, beim Radfahren nicht schwitzt obwohl er einen Anzug trägt und ausserdem Kommerzialrat ist darf erstens nach Belieben gegen Einbahnen fahren, sich mit einer Visitenkarte ausweisen und braucht ausserdem keine Klingel sowie sonstige wichtige Fahrradausrüstung?
Manche Menschen haben schon eine komische Lebenseinstellung.
Der Umstand dass es folgenschwereren Gesetzesbruch gibt rechtfertig in meinen Augen geringfügigen nicht.

Poldi Fesch
01
Buchhalter,

Beamter ? Aber sicher einer, der sich brav anschnallt, nicht telephoniert u. die 130 selten ueberschreitet, dafuer die mittlere Spur bevorzugt

Bernard Mandeville
 
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Ich bin für die Einführung der Berittenen, weil

1. sie sich dann nicht mehr so gut hinter Blumentöpfen verstecken können.
2. sich im Alltag zeigen würde, wie sattelfest unser Freund und Helfer wirklich ist
3. den produzierten Schei* dann selbst wegräumen dürften

Poldi Fesch
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des geht ned

wengan 34er-Jahr, hat der Zilk gsagt

Ausgeflippter Lodenfreak
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Unfassbar eigentlich, dass jemand sich mit einer Visitenkarte ausweisen will und sich dann beschwert, dass das nicht akzeptiert wird. Eine Polizei die so etwas akzeptieren würde, wäre extrem fahrlässig.

Was mich besonders an dieser Glosse stört, ist die Überbetonung des sozialen Status des Übeltäters, als ob sich der Herr Kommerzialrat eine Sonderbehandlung verdient hätte - aber zum Glück gilt in einem Rechtsstaat, dass alle Menschen gleich vor dem Gesetz sind auch die Senior Partner aus der Wiener Innenstadt.

Helicopterman
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Haben Sie etwa ständig

Ihren Reisepaß oder Führerschein (wenn Sie nicht mit dem Auto unterwegs sind) eingesteckt? In Österreich gibt es meines Wissens nach keine gesetzliche Verpflichtung zum ständigen Mitführen eines Ausweises, ich habe mich selbst schon mal mangels anderer eingesteckten Papiere mit einer Visitenkarte bei einem Polizisten ausgewiesen der das auch akzeptiert hat.

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