Wie "Gut-Nichtraucher-Menschen" ins Leere laufen

31. März 2010, 21:08
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Gastronomie-Vorsitzender Wilhelm Turecek: Das österreichische Nichtrauchergesetz ist EU-weit ein toller Kompromiss und trotz aller Schwächen lebbar

Wien - „Versuchen wir den 1. Juli aufrecht durchzumarschieren", appelliert Wilhelm Turecek, der neue Vorsitzende der Fachgruppe Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer. Denn er ist überzeugt: Das österreichische Nichtrauchergesetz „ist EU-weit ein toller Kompromiss und trotz aller Schwächen lebbar".

Wenn also per 1. Juli die Übergangsphase vorbei ist und die Lokale mit mehr als 50 Quadratmetern Gastraum räumlich getrennte Raucher- und Nichtraucherbereiche haben müssen, sind aus Sicht Tureceks zwei Dinge entscheidend: „Dass alle ihre Pickerl kleben haben und dass sie in Nichtraucherbereichen keine Aschenbecher stehen haben. Wenn man diese zwei Punkte einhält, wird es weniger Strafverfahren geben, und die Gut-Nichtraucher-Menschen werden ins Leere laufen." 

Beim Galamenü gab es ein Raus und Rein

Generell glaubt der Fachgruppen-Vorsitzende, dass die „Toleranz und Rücksichtnahme" durch das Nichtrauchergesetz zugenommen habe. Turecek erinnert sich beispielsweise an ein Galamenü, „da gab es zwischen den Gängen ein Raus und Rein, wie eine Karawane. Ich hab schon viel auf dem Buckel - aber so eine Völkerwanderung hab ich noch nie gesehen."

Gegen Radikalismus

Gleichzeitig ist Turecek „gegen jeden Radikalismus auf beiden Seiten. Es gibt Betriebsinhaber, die sind ein bisserl burschikos." Wenn ein Rauchgegner „reinkommt und fotografiert - das kann schlimm ausgehen, mit irgendwelchen körperlichen Schäden. So weit soll's nicht kommen."

20 Prozent der Unternehmen werden nicht überleben

Sollte es doch noch zu einem generellen Rauchverbot in Lokalen kommen, ist Turecek überzeugt, „dass 20 Prozent der Unternehmen die ersten eineinhalb Jahre nicht überleben". Mit dem jetzigen Gesetz stehe „die Ampel da. Aber wenn jemand trotzdem bei Rot über die Straße geht ..." Die Strafen seien ohnehin hoch. Ein Wirt in Favoriten etwa habe „alles falsch gemacht, was nur geht, die Strafen dreimal nicht von der Post abgeholt. Da geht es jetzt um eine Größenordnung von 5000 Euro." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 1.4.2010)

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    Gastronomie-Vorsitzender Wilhelm Turecek erinnert an das Pickerl kleben

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