Die Frau mit dem Kopftuch

31. März 2010, 15:27
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Zwei junge kopftuchtragende Frauen über Vorurteile, Ressentiments und ihre Ansichten über gelungene Integration

In der Integrationsdebatte wird das Tragen eines Kopftuchs oft als Zeichen der "Integrationsunwilligkeit" gewertet, weil es auf Geschlechterungleichheit beruhe. Was ist aber mit Frauen, die betonen, aus freien Stücken ein Kopftuch zu tragen? Noch dazu, wenn sie ausgezeichnete Deutschkenntnisse und höhere Bildungsabschlüsse vorweisen können? Zwei junge kopftuchtragende Frauen, die in das Schema - unterdrückt vom Vater bzw. Gatten - nicht wirklich hineinpassen, melden sich zu Wort.

Klischeehaftes Fremdbild

Esma und Meryem sind in Österreich geboren und aufgewachsen. Sie sprechen perfekt Deutsch und studieren an der Universität Wien. Esma studiert Turkologie, Meryem Lehramt mit Erstfach Deutsch. Was sagen sie zum Klischee der unterdrückten Kopftuchträgerin? "Es ist ein Paradoxon. Wenn das wirklich so wäre, dann hätte ich ja auch nicht die Freiheit zu studieren oder zu arbeiten", entgegnet Esma, die nebenbei auch beim bfi arbeitet.

Die Turkologie-Studentin denkt, dass es die Gleichstellung von In- und Ausländern ist, die Angst macht. Früher waren Zuwanderer untergeordnet, heute würden sie oft die gleichen Jobs ausüben wie Österreicher. Die starken Ressentiments gegen türkische Zuwanderer erklärt sie sich folgendermaßen: "Wir sind schon integriert, aber wir stehen hinter unserer türkischen Identität. Ich bin keine Österreicherin, ich bin eine Türkin in Österreich. Das stört."

Integration mit Kopftuch?

Das Kopftuch sehen die Studentinnen nicht als Hindernis zur Integration. "Wenn ich jetzt ein Kopftuch trage, heißt das nicht, dass ich mehr Ausländer bin als andere", betont Esma.
Beide beklagen, dass es bei der Debatte eigentlich um die Religion, sprich den Islam gehe, der per se als Hindernis zur Integration gesehen werde.

Meryem versteht nicht warum ihre Person auf ihr religiöses Bekenntnis reduziert wird: "Es gibt auch andere Dinge, die einen Menschen ausmachen als Religion." Die Lehramts-Studentin ist sich auch sicher, dass man anders über sie denken würde, wenn sie "uns besser kennen lernen würden." Ist das denn auch von beiden Seiten gewollt, das Kennenlernen? "Wenn sie nicht auf uns zukommen, dann gehen wir auf sie zu" lautet ihre Antwort.

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    In der Integrationsdebatte wird das Tragen eines Kopftuchs oft als Zeichen der "Integrationsunwilligkeit" gewertet

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