Neuseeländische Forscher analysierten Bewegungen Weißer Haie - und fanden Hinweise auf einen "Winterurlaub"
Wellington - Das Verhalten zahlreicher Meeresbewohner ist nur in Ausschnitten bekannt - zumeist den Aktivitäten, die sich nahe der Wasseroberfläche abspielen. Was sich im tiefer gelegenen Pelagial, immerhin dem größten zusammenhängenden Lebensraum der Erde, tut, ist wesentlich schwerer zu erforschen. Neuseeländische Wissenschafter des Forschungsinstituts NIWA widmeten sich dem Weißen Hai (Carcharodon carcharias) näher und konnten bestätigen, dass die großen Räuber, die sich die meiste Zeit in den obersten Schichten des Pelagials aufhalten, im Bedarfsfall auf über einen Kilometer Tiefe abtauchen können.
Die Wissenschafter hatten vor der Stewart-Insel und
den Chatham-Inseln 25 Weiße Haie mit Sendern
versehen. Die Geräte zeichneten den jeweiligen Aufenthaltsort der Tiere
sowie die Tauchtiefe und die Temperatur des Wassers dort auf. Nach
sechs bis neun Monaten lösten sie sich von den Haien und sendeten alle
Daten via Satellit zu den Rechnern der Forscher. Bei vier Tieren fielen
die Geräte allerdings schon binnen zwei Wochen ab.
Lange Wanderungen, tiefe Tauchgänge
Von den 21 übrigen Haien dümpelten zwei an einer Stelle herum, die
anderen machten sich auf in wärmere tropische Gewässer. Vor der Studie
sei angenommen worden, dass die Meeresräuber kalte Gewässer bevorzugen.
"Es scheint aber so, dass große Weiße Haie Winterurlaub machen, sie
verlassen Neuseeland zwischen April und September, um wärmere Gefilde
aufzusuchen", berichtet NIWA-Meeresbiologe Malcolm Francis. Bis zu 3.300 Kilometer hätten die Tiere dabei zurückgelegt. "Sie
schaffen 150 Kilometer an einem Tag und brauchen nur drei Wochen, um
nach Australien zu kommen." Die Temperatur des Wassers, in dem sich die
Tiere bewegten, habe zwischen drei und 27 Grad gelegen.
Ein als "Shack" bezeichneter Hai verlegte sich überdies auf Tauchgänge: Das knapp fünf Meter lange Tier sei bei seinem Zug durch den Ozean mehrfach in rund einen Kilometer Tiefe abgetaucht, berichten die Forscher. Nahe Neuseeland ging er sogar einmal auf 1.200 Meter Tiefe: Ein so tiefer Tauchgang sei für diese Spezies noch nie zuvor erfasst worden, erklärte Francis. (APA/red)