"Alkohol ist das größte Gesundheitsproblem"

30. März 2010, 19:03
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Nicht nur bei Jugendlichen steigt der Alkoholmissbrauch - Unter den zehn- bis 14-jährigen Patienten war mehr als die Hälfte weiblich

Wien - Der Griff zur Flasche endet bei Österreichs Jugendlichen immer häufiger mit einer Alkoholvergiftung im Spital. Das ist das Ergebnis einer parlamentarischen Anfragebeantwortung von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) an den SPÖ-Konsumentensprecher Johann Maier, wie die Salzburger Nachrichten berichteten. 2008 wurden 2577 Jugendlichen mit einer Alkoholvergiftung ins Spital eingeliefert, 2006 waren es vergleichsweise noch um etwa 20 Prozent weniger. Von den insgesamt 10.634 Personen, die in den Spitälern wegen einer Alkoholvergiftung in Behandlung waren, war jeder vierte Patient ein Jugendlicher. Unter den zehn- bis 14-jährigen Patienten war mehr als die Hälfte weiblich.

Bei der Interpretation dieser Zahlen sei allerdings Vorsicht geboten, erklärt Michael Musalek, der Leiter der größten Suchtklinik Europas, des Wiener Anton-Proksch-Instituts. "Die Studie widerspricht den Daten anderer Untersuchungen, wonach die Anzahl der ,Komatrinker' in den letzten Jahren konstant geblieben ist", sagte Musalek am Dienstag zum STANDARD. Dass die Zahl der Alkoholvergiftungen in Spitälern gestiegen sei, könne auch daran liegen, dass sich das Bewusstsein in den letzten Jahren verstärkt habe und deshalb Jugendliche eher eingeliefert worden seien als früher. Trotzdem sei es erschreckend, dass Österreichs Jugendliche im Vergleich zu anderen Ländern in Europa hinsichtlich des Alkoholkonsums im Spitzenfeld liegen, wie auch die Zahlen der OECD-Studie Health at a Glance aus dem Vorjahr belegen.

Erwachsene als "Vorbilder" 

"Alkohol ist bei Jugendlichen das größte Gesundheitsproblem schlechthin", warnt der Mediziner. "Dabei spiegelt sich allerdings nichts anderes wider als der vermehrte Trinkkonsum der Erwachsenen, den die Jungen nachahmen." Dieser erreicht im europäischen Vergleich ebenfalls Spitzenwerte.

Der Salzburger Landesschulratspräsident Herbert Gimpl ist am vergangenen Samstag in Hallein mit 0,8 Promille von der Polizei beim Autofahren erwischt worden. Ihm wurde der Führerschein abgenommen. Gimpl bot daraufhin Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) seinen Rücktritt an, den diese aber ablehnte. (Sophie Neuner, DER STANDARD - Printausgabe, 31. März 2010)


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    2.577 Teenager mussten 2008 wegen Alkoholvergiftungen ins Spital.

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