Ein scheuer Spender verewigt seinen Namen

30. März 2010, 18:53
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Peter Bertalanffy schenkt dem IST Austria zehn Millionen

In den USA sind millionenschwere Zuwendungen von privaten Stiftungen an Forschungseinrichtungen gang und gäbe, in Österreich sind sie eine Sensation. Deshalb hat Peter Bertalanffy mit der Zehn-Millionen-Euro-Spende seiner Invicta Privatstiftung für das IST Austria in Maria Gugging nicht nur in der noch jungen "Elite-Uni" für Jubel gesorgt. Auch der Stiftungsverband, der unter der Führung von Industrie-Präsident Veit Sorger und Kathrein-Bank-Chef Christoph Kraus gegen den Ruf von Privatstiftungen als reine Vermögensverwaltungs- und Steuerschonungsvehikel ankämpft, ist begeistert.

Dabei sind Schlagzeilen das Letzte, was der 74-jährige Unternehmer bisher gesucht hat. Er lebt zurückgezogen in Wien-Grinzing und nützt seinen Reichtum, um seine Privatsphäre und die seiner Familie (Ehefrau Helga, vier Kinder, zahlreiche Enkelkinder) zu schützen.

Nur die Liebe zu Oldtimern führt Bertalanffy gelegentlich in die Öffentlichkeit. Eines der ganz seltenen Bilder von ihm stammt vom Großen Preis von Wien 2007 in Aspern, als er einen Mercedes 300 SL Roadster lenkte.

Geboren in eine Wiener Wissenschafter- und Unternehmerfamilie, studierte Bertalanffy Pharmazie und stieg in das von seinem Vater gegründete Pharmaunternehmen Ebewe ein. Dieses übersiedelte nach dem zweiten Weltkrieg nach Unterach am Attersee und konzentrierte sich erfolgreich auf die Entwicklung von Wirkstoffen gegen Krebs. Jahrelang war Ebewe ein Teil von BASF und gehörte kurze Zeit dem US-Konzerns Abott. Ebewe war eine Geldmaschine, deren Dividenden die Familie reich machte.

2001 kaufte Bertalanffy mit Partnern das Unternehmen zurück, um es dann im Vorjahr an den Schweizer Pharmariesen Novartis zu veräußern. Sein Drittelanteil war rund 300 Millionen Euro wert.

Aber schon zuvor hatte er eine andere Leidenschaft entdeckt: das Geschäft mit schönen Häusern. Seiner Immobiliengesellschaft Epam, bei der auch zwei Söhne tätig sind, gehören rund 20 Objekte an besten Wiener Adressen. Für die alte Bundespräsidentenvilla auf der Hohen Warte legte Epam acht Millionen Euro auf den Tisch, nur um das marode Gebäude abzureißen und Platz für Luxuswohnungen zu machen. Für das Palais Ephrussi an der Ecke Schottengasse/Karl-Lueger-Ring wurden den Casinos Austria 31 Millionen Euro gezahlt. Und auch wenn es ihm nicht gehört: Das erste Labor in Gugging wird Bertalanffys Namen tragen. (Eric Frey/DER STANDARD-Printausgabe, 31.3.2010)

  • Peter Bertalanffy auf einem der ganz seltenen Bilder, beim Großen Preis von Wien 2007 in Aspern, einen Mercedes 300 SL Roadster lenkend.
    foto: ludwig vysocan

    Peter Bertalanffy auf einem der ganz seltenen Bilder, beim Großen Preis von Wien 2007 in Aspern, einen Mercedes 300 SL Roadster lenkend.

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