"Weiß, wie diese Menschen funktionieren"

30. März 2010, 18:33
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Mit Christian Tramitz parodiert Roland Düringer ab Donnerstag im ORF volkstümliche Musikanten in "Die Gipfelzipfler"

Mit Doris Priesching sprach er über Drogenmissbrauch unter Kabarettisten und seine Leidenschaft fürs Grüne.

STANDARD: In der volkstümlichen Szene geht es angeblich nicht so lustig zu wie in "Die Gipfelzipfler". Imagepolitur?

Düringer: Ich weiß nicht, wie es dort zugeht, aber dass das kein schönes Geschäft ist, spüre ich.

STANDARD: Manche meinen, ohne Drogen ist diese Form des Entertainments nicht zu ertragen?

Düringer: Weiß ich nur vom Hörensagen. Aber warum soll es anders sein als anderswo?

STANDARD: Wie stellt sich das Drogenproblem unter Kabarettisten dar, die einen ebenso dichten Auftrittskalender einhalten müssen?

Düringer: In unserer Gesellschaft gibt es Drogenmissbrauch. Ob das Alkohol, Nikotin, Koffein, Kokain ist – egal, weil ein unbewusster Umgang mit der Substanz herrscht. Ob Kabarettisten Drogen nehmen, ist somit hinfällig und eigentlich eine blöde Frage.

STANDARD: Und zwar intensiv?

Düringer: Ich persönlich glaube, dass es nicht notwendig ist, sich bei 15 Auftritten im Monat zu dopen. Menschen gehen acht Stunden pro Tag fünfmal die Woche arbeiten und machen vielleicht am Wochenende Überstunden.

STANDARD: Was den Kabarettisten mit den Musikanten verbindet, ist Lustigsein auf Kommando?

Düringer: Es ist eine ähnliche Tätigkeit, stimmt. Aber ich gehe auf die Bühne, weil ich etwas zu sagen habe. In der volkstümlichen Musik geht es darum, viel Geld in kurzer Zeit zu verdienen.

STANDARD: "Gipfelzipfler" ist eine der klassischen Düringer-Rollen?

Düringer: Eine Figur, die ich spiele, und ich kann das ganz einfach. Es geht in Windeseile, diese Figur zu entwickeln, ich spiele sie gern, weil sie etwas Erdverbundenes hat. Ich bin im zehnten Bezirk aufgewachsen und weiß, wie diese Menschen funktionieren.

STANDARD: Sie selbst halten sich in letzter Zeit etwas zurück?

Düringer: Sagen wir so: Ich versuche, das zu tun, was mir, meiner Seele, meinem Geist und meinem Körper gut tut.

STANDARD: Wie kam es zu diesem Bewusstseinswandel?

Düringer: Langsam. Wie sich eine Pflanze im Laufe des Lebens verändert, verändere ich mich. Der Schmäh ist derselbe. Aber was ich auf der Bühne bin, hat nichts mit meinem Selbst zu tun.

STANDARD: Ihr Selbst, das ist im Moment Ihre Leidenschaft für Pflanzen: Düringer's going green?

Düringer: Ich bin kein Grüner, fahre noch immer gern schnelle Autos, habe zwanzig Motorräder. Das ist wie bei Drogen: Es geht darum, sie bewusst einzusetzen.

STANDARD: Sehen Sie sich als Jamie Oliver des Gartens?

Düringer: Dagegen wehre ich mich nicht. Der Unterschied ist, Jamie Oliver ist ein großartiger Koch, ich bin kein Gärtner. Ich vermittle das Wissen von Gärtnern.

STANDARD: Gegenwärtig gibt es viel reales Politkabarett. Auf zu neuen Ufern?

Düringer: Nein, denn es ist mir widerlich. (DER STANDARD; Printausgabe, 31.3.2010)

Zur Person:

2011 zeigt der ORF Roland Düringer (46) als "Der wilde Gärtner".

 

  • Verrücktes Paar: Roland Düringer (li.) und Christian Tramitz steigen als ungleiches Duo ins Musikantenstadl-Business ein: "Die Gipfelzipfler".
    foto: orf/mican

    Verrücktes Paar: Roland Düringer (li.) und Christian Tramitz steigen als ungleiches Duo ins Musikantenstadl-Business ein: "Die Gipfelzipfler".

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