Putin fordert, dass die Terroristen "vom Boden des Kanals gekratzt werden"
Moskau - Nach den blutigen Terroranschlägen in der russischen Hauptstadt fahndet die Polizei nach drei Verdächtigen. Der Geheimdienst FSB identifizierte die beiden Attentäterinnen sowie zwei Frauen und einen Mann, die den "Schwarzen Witwen" geholfen haben sollen. Premierminister Wladimir Putin forderte, dass die Verantwortlichen "vom Boden des Kanals gekratzt" werden.
Präsident Dmitri Medwedew kündigte an, dass angesichts von 39 Anschlagsopfern in Moskau, die Antiterrorgesetzgebung verschärft werden müsse. Der Föderationsrat forderte sogar die Wiedereinführung der Todesstrafe für Terroristen.
Indes wird in russischen Medien über die Drahtzieher hinter den Selbstmordattentaten spekuliert. Wie der Kommersant berichtet, soll der Extremist Said Burjatskij, der Anfang März bei einem Spezialeinsatz ums Leben kam, 30 Selbstmordattentäterinnen ausgebildet haben. Zwei davon sollen den Anschlag am Montag ausgeführt haben.
Fremde Drahtzieher vermutet
Das Massenblatt Moskowskij Komsomolez sieht hingegen den bekannten Terroristen Pawel Kossolapowa als Auftraggeber hinter den Anschlägen. Kossolapowa soll schon für das Attentat auf die Metro im Jahr 2004 verantwortlich gewesen sein. Russlands Außenminister Sergej Lawrow schloss nicht aus, dass die Drahtzieher der Tat Hilfe von Extremisten aus dem pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet erhalten hätten.
Nach den Anschlägen wird in den russischen Medien auch Kritik an der russischen Exekutive laut. "Die gestrigen Terrorakte haben gezeigt, dass das Leben unseren Rechtsschutzorganen nichts gelehrt hat. Sie schaffen es nicht, die Gesellschaft vor Terroristen zu schützen. Vielmehr sind die Beamten in Korruption und Intrigen so versumpft, dass sie keine Zeit haben, ihrer Hauptarbeit nachzugehen", heißt es im Moskowskij Komsomolez. (ved/DER STANDARD, Printausgabe, 31.3.2010)