In Macondo wächst bald Gemüse

30. März 2010, 18:01
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    foto: standard/heribert corn

    Yara Coca und Angelika Neuner vom Verein Gartenpolylog wollen das seit Jahrzehnten brachliegende Gelände hinter der Ex-Kaserne nutzbar machen.

Mehr als 30 Jahre nachdem in Wien das Flüchtlingsdorf Macondo gegründet wurde, erhalten die rund 3000 Bewohner Unterstützung für einen Nachbarschaftsgarten

Auch "Leute von außen" können Beete pachten.

***

Wien - Viele kleine Hügel aus Müll und ein großer Haufen toter Äste sind derzeit das Einzige, was die 800 Quadratmeter vom Rest des verwilderten Areals hinter der Kaiserebersdorfer Kaserne unterscheidet. Yara Coca und David Stanzel vom Verein Gartenpolylog stecken noch mitten in den gröberen Aufräumarbeiten. Demnächst soll aber ein Trupp vom Stadtgartenamt vorbeischauen und den beiden dabei helfen, den Flecken Grün bepflanzbar zu machen.

Auf dem "Macondo" genannten Randgebiet nahe dem Alberner Hafen siedeln sich seit den Siebzigern anerkannte Flüchtlinge an. Erst in der alten Kaserne, dann in neu gebauten Wohnhäusern. Die Freiflächen rundherum ließ man vergammeln. Bis heute befindet sich kein einziger städtischer Mistkübel auf dem Areal - schließlich gehört das Kasernengelände auch dem Bund. Und der zeigt erst seit neuestem Interesse an Verschönerungsmaßnahmen auf diesem Gebiet.

Heuer soll dort erstmals ein Nachbarschaftsgarten entstehen. Unter Anleitung des Vereins Gartenpolylog - der bereits den Gemeinschaftsgarten Heigerlein in Ottakring auf die Beine gestellt hat - können rund 15 Familien Gemüse, Blumen und Kräuter anpflanzen. Nicht nur Flüchtlinge, auch "Leute von außen" sollen mitmachen, sagt Coca: "Wir sind für alle offen." Das Projekt, das das konfliktfreie Zusammenleben der einzelnen Gruppen fördern soll, wird von der Stadt Wien und dem Bund gemeinsam finanziert. 14.000 Euro kommen von Umweltstadträtin Ulli Sima, 5000 Euro von Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger, 18.000 Euro von Bildungsministerin Claudia Schmied (alle SP).

Fünf Euro Jahrespacht

Für einen Solidaritätsbeitrag von fünf Euro kann man ein Beet ein Jahr lang pachten. Außerdem soll es eine Reihe von Kulturveranstaltungen geben - in Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe Cabula6, die bereits vergangenes Jahr einige Feste und Workshops organisiert hat.

José Villalobos freut sich jedenfalls auf die neuen Nachbarn. Der geborene Chilene, der im Sommer als Bademeister im Laarbergbad arbeitet und in der alten Kaserne wohnt, hat die Parzelle nebenan als Schrebergarten gepachtet. "Ich kenne mich ein bisschen aus mit Gärtnern und helfe gerne" , sagt er. "Er hat zum Glück auch sehr viel Werkzeug" , ergänzt Coca. Viele Macondo-Bewohner haben in den letzten Jahren begonnen, auf eigene Faust Gemüse anzubauen. Seit kurzem verlangt die Bundesimmobiliengesellschaft allerdings für jeden Quadratmeter Pacht - was sich wenige leisten können.

Rund 3000 Menschen leben auf dem Gelände zwischen Simmeringer Haide und Müllverbrennungsanlage. Anfangs siedelten sich Osteuropäer, Vietnamesen und vor allem Lateinamerikaner an - daher auch der Name Macondo: ein fiktiver Ort aus dem Roman Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez. Viele, die das Flüchtlingsdorf nur als Zwischenstation sahen, sind bis heute dort geblieben.

Leeres Gebäude

Gleichzeitig kamen bis vor kurzem stets neue Bewohner hinzu. Im Kardinal-König-Integrationshaus wurden Flüchtlinge mit positivem Asylbescheid für ein Jahr aufgenommen. Ende 2009 schloss die Einrichtung allerdings. Seither steht das Gebäude leer. Das Innenministerium überlegt noch, was damit passieren soll. "Es wird in den nächsten Monaten eine Entscheidung geben" , sagt Sprecher Rudolf Gollia. Angedacht war ein Anhaltezentrum für Familien, die abschoben werden sollen.

Der Verein Gartenpolylog will jedenfalls mindestens fünf Jahre bleiben - und vielleicht vergrößern. "Wir schauen jetzt erst einmal, wie es heuer läuft" , sagt Coca. "Nächstes Jahr kommen vielleicht ein paar neue Beete dazu." (Martina Stemmer, DER STANDARD - Printausgabe, 31. März 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2
Kein Witz
113
Ich bin nur ein hart arbeitender Österreicher

und habe ein 5.000 m2 großes Grundstück, keiner gibt mir Geld um Karotten zu pflanzen!
Ich denke wir Österreicher werden benachteiligt!

Galina Ulanowa
11
18.12.2010, 19:25
Sie armer

tauschens doch mit einem aus Traiskirchen wenn das so super ist...

Ciena Consulting
11
manche posts hier...

...sind eine frecheit. Ich kenne Macondo, da ich chilenische freunde habe die die integration in die österreichische geselschaft längst geschafft haben. Ihre familien kammen nach AT z.zt. Pinochets-es sind hart arbeitende menschen die viel negatives erlebt haben. und den menschen die heute in macondo leben geht es nicht anders als den latinos vor 30 jahren. sie würden gerne arbeiten und ein besseres leben haben wollen. sie möchten ein anerkannter und geschätzter teil der gesellschaft sein. leider vergisst der staat, daß er sich auch um diese menschen kümmern muss - worauf er nicht vergisst sind prämien für seine manager und rettungspakete für banken.

Bei mir hats gebrannt
02
31.3.2010, 18:28

Am Besten bauen die da was Gewisses an. Dann müsste das nur noch legalisiert werden. Und durch die Steuereinnahmen wäre das Ganze für die Staatskasse refinanziert. ;-)

Frühlingsrolle
00
15.12.2010, 12:43

du bist ein frecher volltrott*el, hat dir das noch niemand gesagt?

Helmut-S
110
31.3.2010, 16:48
Tja, wenn's nur so wäre...

"...14.000 Euro kommen von Umweltstadträtin Ulli Sima, 5000 Euro von Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger, 18.000 Euro von Bildungsministerin Claudia Schmied (alle SP)."

Stimmt nicht. 37.000EUR kommen von österreichischen Steuerzahlern. Ist doch toll wie sich Politiker mit dem Geld anderer Leute schmücken.

Und was genau daran soviel Geld kostet, ist mir ein Rätsel. Wie unten schon geschrieben - Gemüse für 15 Familien für vielleicht 500EUR pro Jahr als Resultat einer Investition von fast 40K EUR?

torch
 
00
25.2.2012, 02:33

Macht somit 46,25 €/m²
Macht somit 2.466,67 €/Familie
Macht somit ca. 6,75 € Gemüse pro Tag

Frage:

- wieviel gibt eine österr. Familie für Gemüse/anno aus?

- wieviele Jahre könn(t)en 15 Familien von den
"Wiener Gärtnern" ganzjährig mit Gemüse voll
versorgt werden?

amro vidriero
12
Worums hier eigentlich geht...

...es sind nicht nur die Karotten, sondern

-der Umstand, dass in Macondo Flüchtlingsfamilien über Jahrzehnte ein völlig devastiertes Gelände nutzbar gemacht haben und nun dafür dem Bund Miete verlangt.

-dass in Macondo 3000 Menschen aus aller Welt ausser Österreich angesiedelt wurden und werden und mit der Schließung des Integrationshauses nun ein Andocken an die österreichische Gesellschaft nicht mehr leicht ist.

-wie die Kinderscharen aus Tschetschenien und anderen Krisenherden, die nun als Österreicher aufwachsen sollen, sozialisiert werden. Hopp oder Drop?

-es geht ums "Wurzeln schlagen in der Fremde".

-Also doch wieder ein bisschen um die Karotten.

Vera Rschung
 
00
28.1.2012, 09:27
devastiertes Gelände

Sie sprechen von einer ökologisch wertvollen Gstätten, die wenn möglich erhalten werden sollte.

Wo bleibt bei Frau Sima das Umweltgewissen?

Dr.Nötigenfalls
02
Scheint mir auch etwas teuer

aber wollen wir mal nicht kleingeistig sein!

Wenn sich die Wirtschaftsbonzen gegenseitig unser Steuergeld in den Rachen schmeißen (z.b. 4 Millionen für ein mündliches Gutachten) kann man auch mal um 37.000 was sinnvolles finanzieren!

Die LandschaftsplanerInnen und GärtnerInnen usw. die davon dann ihren Teil bekommen, gehören sicher nicht zu den SpitzenverdienerInnen!

josef S
11
31.3.2010, 18:57

besser wäre waffen dafür zu kaufen.

TopNews
00
31.3.2010, 16:57
was

sol daran so besonders sein

Trolling is a art.
02
31.3.2010, 16:20
38.000 Euro um Gemüse für 15 Familien im Wert von vl. 500 Euro pflanzen zu können.

Ich find's toll, was wir uns als Gesellschaft alles leisten können!

Frühlingsrolle
10
15.12.2010, 12:46

ja, und dass sich FP-ler wie Meischberger, KHG etc. gegenseitig zugeschoben haben ist dir wurscht, oder?

Bono Nobo
01
10.5.2010, 07:24

Trolling is bleeed wenn man nicht mal rechnen kann.

Kra Wuzikabuzi
02
31.3.2010, 17:16
für die kohle könnte man das Gemüse

für die 15 Familien allmorgendlich im Privathubschrauber auf die Veranda abwerfen lassen.

duke box
01
31.3.2010, 19:07

wer eine veranda hat, soll dort gefälligst selbst gemüse anbauen, in krisenzeiten wie diesen!

Bei mir hats gebrannt
00
31.3.2010, 18:27

:-)))

Kra Wuzikabuzi
20
31.3.2010, 14:57
Coca pflanzt Coca pflanzen !

Adam Markus
11
31.3.2010, 12:02

Eines ist wohl typisch, wo früher eine Wohngelegenheit für Flüchtlinge war die bleiben durften, wird jetzt über ein Lager für abzuschiebende nachgedacht. Aber immerhin ist der Garten eine gute Idee.

sir osis of liver
 
12
31.3.2010, 12:10

die schwarze hand der mizzi; was haben wir anderes erwartet. ausserdem, man kann so dem kardinal könig noch posthum eins ans zeug flicken - der hat, horribile dictu, sogar mit dem kreisky geredet.

Quasselmodo
31
31.3.2010, 10:10
100 Jahre schwachsinnige Politik

Statt Integration ist die Zielrichtung Verhetzung zum Stimmenfang. Schande Nr. 1 für Österreich ist, dass Macondo entstanden ist. Schande Nr. 2 ist, dass es zerschlagen wurde.

Ava Tar
32
30.3.2010, 23:42
Hat jemand Tips zum Thema Gemüseanbau ?

Ich hab Karotten probiert, die sind kaum größer und dicker als Zigaretten geworden
Ich hab Tomaten probiert, die werden so groß wie Weintrauben

Humus hab ich, ja, sonnig auch, und gegossen. Wohl liegts an der Qualität der Samen ? Wo bekomm ich da gute her ?

Gut gefunzt hat bisher nur Schnittlauch, Petersil, Kresse

Sol´kanar -The Swamp King
00
regen ist der tot für tomaten.

weil da kommt der pilz mit. wasser brauchen die natürlich schon regelmäßig.

sir osis of liver
 
02
31.3.2010, 11:58

sehr geehrter ava tar - schauen sie einmal bei "arche noah" rein!

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