Stunden ist nicht immer die beste Lösung

31. März 2010, 11:12
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In den österreichischen Wirtschaftsparks ist die Krise ein seltener Gast. In der Not wird den Mietern unter den Arm gegriffen

In den österreichischen Wirtschaftsparks ist die Krise ein seltener Gast. In der Not wird den Mietern dann unter den Arm gegriffen – mit Stundungen, Mietzuschüssen und innovativen Kooperationsprojekten.

Obwohl die Insolvenzquote geringer ausfiel als erwartet, war deren Anstieg im ersten Halbjahr 2009 nicht zu übersehen. Laut Statistik der Creditreform Austria nahmen die Unternehmensinsolvenzen gegenüber dem Vorjahr um 9,3 Prozent zu. Spitzenreiter waren die Bundesländer Oberösterreich (+16,7 Prozent), Kärnten (+14,2 Prozent), Wien (+12,4 Prozent) und Burgenland (+11,3 Prozent).

Welche Auswirkung hat das auf die österreichischen Technologie- und Gewerbeparks? "Die Wirtschaftsparks sind in erster Linie auf die Beherbergung von Klein- und Mittelbetrieben ausgerichtet", sagt Werner Pfeiffenberger, Geschäftsführer des Techno-Z in Salzburg, "doch glücklicherweise sind wir mit einigen öffentlichen Großmietern sowie einer ganzen Reihe an kleineren Industriebetrieben und Kommunikationsunternehmen so ausgerichtet, dass wir die Krise bisher noch kaum spüren."

Individuelles Herangehen

Auch der Walter Business-Park in Wiener Neudorf ist nach Auskunft von Geschäftsführer Gerhard Müller bisher weitestgehend verschont geblieben. "Ich denke, das ist auf unsere flexible Kombination aus Büro und Lager zurückzuführen." Gerade bei Lagerflächen sei die Nachfrage groß: nicht nur in der Langzeitanmietung, sondern auch bei kurzfristigen Spotgeschäften und Kapazitätsengpässen.

Interessant werden die Unterschiede zwischen den einzelnen Gewerbe- und Technologiezentren, wenn ein Unternehmen dann aber doch kurz davor steht, "krachen" zu gehen. Die Handhabung mit geschwächten Mietern ist von Fall zu Fall unterschiedlich. "Bei der Unternehmensgründung und Betriebsansiedelung unterstützen wir die Firmen mit Rat und Tat", sagt Müller, "doch in kaufmännischer Hinsicht behandeln wir alle Mieter gleich." Unterstützung in der Not gibt es dafür in den anderen großen Wirtschaftsparks. Die niederösterreichische Ecoplus leitet Anfragen in Bezug auf Stundung oder gar Mietzinszuschuss direkt an das Land weiter (siehe Interview).

Die Techno-Z wiederum stundet derzeit bei zwei ihrer insgesamt 160 Betriebe. "Das ist der erste Schritt", erklärt die Marketing-Verantwortliche Gabriella Schranz, "wenn es dem Mieter hilft, dann ist eine Stundung für alle Beteiligten angenehmer als ewig lange Mietrückstände."

Durchs Gröbste hindurch helfen

Individueller und weitaus persönlicher ist der Umgang mit den Mietern in den kleineren beziehungsweise monostrukturellen Gewerbeparks abseits der großen Wirtschaftsstandorte. "An Stundungen kommen wir derzeit nicht vorbei", erklärt Helmut Kollau, Geschäftsführer des Wirtschaftsparks Liezen. "Außerdem haben wir gerade einen geschwächten Mieter, dem wir mit Reparatur- und Schlosserbeauftragungen etwas unter den Arm greifen. Das ist nicht die Welt, aber wenn es durchs Gröbste hindurchhilft, warum nicht."

Auch Oliver Königshofer vom Wirtschafts- und Gründerzentrum Mürzzuschlag (WGM) blickt auf ein unterstützungsreiches Jahr zurück. "Manchmal kommt es vor, dass man auf eine Miete eben etwas länger warten muss. Es hat schon Fälle gegeben, wo wir den Mietbetrag reduziert haben."

Ungewöhnlich ist der Ansatz im TIC, dem Technology & Innovation Center in Steyr. "Stundungen machen wir nur ungern", sagt Geschäftsführer Walter Ortner, "wenn die Miete das K.o.-Kriterium für ein Unternehmen ist, dann ist das Problem ohnehin schon größer". Stattdessen entwickelt das TIC zurzeit eine Energietankstelle, bei der sie als Projektmanager und Koordinator auftritt und Fördergelder lukriert: "Wir sind ein Innovationszentrum mit guten und potenten Mietern. Jedes Unternehmen kann sein Know-how einbringen und einen Beitrag leisten. Diese Möglichkeit ist besser als jede Stundung." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.3.2010)

  • Der Gewerbepark-Standort "Techno 10", der zum Techno_Z gehört.
    foto: technoz/kaindl-hönig

    Der Gewerbepark-Standort "Techno 10", der zum Techno_Z gehört.

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