Indische Romantik und Wiener Charme

30. März 2010, 16:21
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Sandeep Kumar ist Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller des ersten österreichischen Bollywood-Films "Kesariya Balam" - Liebe ohne Grenzen.

Schon als Kind war Kumar, der in Neu Delhi geboren und aufgewachsen ist, von der Welt des (Bollywood)Kinos fasziniert. Damals in seiner Schulzeit, so der Regisseur, hatte das indische Kino keinen guten Ruf: "Früher war es ausgeschlossen, dass jemand aus gutem Hause in der Filmindustrie tätig ist."

Indisches Kino

Heute sei Bollywood in Indien überall präsent. "Im Westen hat das Kino nicht so großen Einfluss auf die Menschen", so Kumar. "Die Mehrheit der indischen Kinobesucher hat wenig Geld und genug Alltagsprobleme. Sie gehen ins Kino, um sich wohlzufühlen, und kommen glücklich hinaus", erzählt er. Wohlfühl-Atmosphäre im Kinosaal ist ihm sehr wichtig: „Ich will Themen visuell aufbereiten, aus Sicht der Unterhaltung. Man nimmt am besten wahr, wenn man unterhalten wird."

Österreichische Bollywood-Kulissen

Hauptberuflich arbeitet Kumar als Unternehmensberater in der Telekommunikationsbranche. Er hat in Deutschland Technik und Wirtschaft studiert und jahrelang dort gelebt. Bis er seine Eltern, beide unterrichten Deutsch als Fremdsprache, in Wien besuchte. Danach hat er sich um eine Stelle in Wien beworben, die eigentlich auf ein paar Wochen befristet war: "Aus Wochen wurde Monate, aus den Monaten Jahre. Heute kann ich ohne Wien nicht leben", so Kumar. In Wien fühlt er sich wohler als in Deutschland, denn "die Österreicher sind lockerer als die Deutschen", schwärmt Kumar von der österreichischen Gemütlichkeit.

Österreich hat er sich als Filmstätte ausgesucht, weil "die Bollywood-Kulisse schon vorhanden war." So habe er sich in den Tiroler Bergen mitten wie in Bollywood gefühlt. Auch die Touristenstadt Wien sieht Kumar als idealen Filmort. "In Wien kann man gut drehen, die Leute stören bei den Dreharbeiten nicht sehr." Außerdem war es für ihn viel leichter eine Drehgenehmigung in Österreich zu erhalten als in Indien, wo er die Anfangsszene des Films gedreht hat.

Keine Papierkriege

Kumar hat den nicht-kommerziellen Film selber produziert, denn die langwierige Bürokratie im Ansuchen um Fördermittel war ihm zu abschreckend. "Ich wollte nicht jahrelang in einen Papierkrieg verwickelt sein", so der Regisseur. In Indien, wo Filme privat finanziert werden, brauche man daher nicht sechs bis sieben Jahre, um einen Film zu finanzieren und abzudrehen. Er schätzt sich auch sehr glücklich, dass sein Filmteam aus vielen freiwilligen Helfern bestand, von denen einige eingefleischte Bollywood-Fans sind.

Leidenschaft beim Filmdreh

Leidenschaft bei Dreharbeiten ist Kumar wichtig. Er forderte daher von der gesamten Filmcrew "emotionales Mitdenken": "Jeder im Team, vom Kameramann bis zum Kabelträger, muss wissen, was mit der Szene vermittelt wird." Diese Leidenschaft für den Filminhalt werde "durchs Reden" erweckt: "Direkte verbale Kommunikation ist in Bollywood sehr wichtig. Vor ein paar Jahren gab es nicht mal Drehbücher." Im Gegensatz zur westlichen Filmwelt werde in Bollywood weniger strukturiert, dafür aber flexibler gearbeitet. 

Anfangs hat es jedoch viel Zeit und Gespräche gebraucht, bis die Kamera-Einstellungen der Bollywoodschen Herangehensweise beim Filmen gerecht wurden. "Im indischen Tanz beispielsweise wird viel Gefühl, vor allem über Gesichtsmimik und die Augen, ausgedrückt. Kamerawinkel und Lichteinstellungen müssen daran angepasst werden", betont Kumar.

Wiener Charme

Der indische Regisseur möchte mit seinem Film keine westlichen Klischees bedienen, welche Indien mit geschmückten Elefanten oder Schlangenbeschwörern gleichsetzen. Themen wie Liebe, Wiedergeburt und vorbestimmtes Leben kommen aber sehr wohl vor. Kumar will "die Lebensfreude und das Lebensgefühl Bollywoods näher bringen." Wien diente ihm dabei als schöpferische Kulisse: "Diese Stadt hat mir so viel gegeben, ich wollte indische Romantik mit Wiener Charme verbinden."

Link:

The First Austrian Bollywood Film: Kesariya Balam

  • Sandeep Kumar mit seinem Produktionsassistenten von CineTirol
    foto: anna gromova

    Sandeep Kumar mit seinem Produktionsassistenten von CineTirol

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