Behörden ermitteln wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch in Zusammenhang mit der Privatisierung des Öl-Konzerns INA
Zagreb - Der ehemalige kroatische Vizeministerpräsident und
Wirtschaftsminister Damir Polancec ist am Dienstag Morgen in seinem Haus in der
zentralkroatischen Stadt Koprivnica festgenommen worden. Das bestätigte Anto
Nobilo, der Anwalt Polancecs, gegenüber dem kroatischen öffentlich rechtlichen Fernsehen HRT. Polancec, enger Mitarbeiter des ehemaligen kroatischen
Ministerpräsidenten Ivo Sanader, wurde wegen Verdachts des Amtsmissbrauchs
festgenommen (wir haben berichtet).
"Wir gehen davon aus, dass es um (den ungarischen Öl- und Gaskonzern) MOL und
(die ungarische Großbank) OTP Bank geht", sagte Nobilo gegenüber net.hr. Laut
kroatischen Medienberichten hat Polancec in der zweiten Runde der Privatisierung
des kroatischen Öl-Konzerns INA von MOL Hilfe für einen Kredit von der OTP Bank
gefordert. Die ungarische Bank sollte angeblich dem kroatischen Konzern
Podravka, bei dem Polancec früher Manager war, einen Kredit sichern, und im
Gegenzug habe MOL bessere Bedingungen in der zweiten Runde der Privatisierung
der INA erhalten.
Unbestätigten kroatischen Medienberichten zufolge sind noch drei weitere Personen im Visier der Polizei. Als einer von ihnen wurde am Dienstag der Anwalt
Zoran Markovic verhaftet. Er war Chef der Fima Ami (Firmensitz auf
Malta). An dieses Unternehmen übertrug die in der nordost-kroatischen
Stadt beheimatete Fima 10,6 Prozent an Podravka-Aktien.
Polancec wurde im Februar 2005 Vizepräsident der kroatischen Regierung. Im
zweiten Kabinett Sanaders war Polancec von 2007 bis Oktober 2009 Vizepremier und
auch Wirtschaftsminister. Ende Oktober trat er zurück, nachdem er wochenlang
wegen finanzieller Malversationen beim staatsnahen kroatischen
Nahrungsmittelkonzern Podravka unter Druck stand. Er soll die Vorgänge als
früherer Podravka-Manager und Wirtschaftsminister gedeckt haben. (APA/red)