Voll im Ar...: Bernhard Hlavicka entdeckt in der Weinhauptstadt der Burgunder die beste Entenbrust - und isst sich gleich durch bis an die Rhône
Beaune, die Weinhauptstadt der Burgunder, hält viele kulinarische Möglichkeiten bereit.
Eine der schönsten im gehobenen Brasserie-Level heißt Caveau des Arches und selbst in der Nebennebensaison war das Kellergewölbe unter der Woche gesteckt voll.
Ein paar gebackene Käsestangerln - sehr knusprig - begleiten die Speisewahl und ein ausgezeichnetes Glas Champagner. Die Karte zeigt jede Menge Klassiker, von Schnecken über Gänseleber bis Charolais-Rindfleisch.
Wenig Taler für viel Wein
Als Vorspeise wird marinierter Lachs auf Erdäpfeltalern serviert. Die Erdäpfel lauwarm, der Lachs gut mariniert, mit Zitrone, Olivenöl und etwas Schnittlauch. Ok. So weit so unspektakulär.
Die Weinkarte offeriert viel mehr, als das durchschnittliche Burgunderherz fassen mag, geht Jahrgangsmässig durchaus auch in die Tiefe und die Preise der Weine sind moderat. Eine geniale Flasche Morey St. Denis 2002 von Arnoux erfreut prächtig.
Die beste Brust
Und dann wird es spannend. Es folgt eine ebenfalls nicht sehr spektakulär klingende Entenbrust, aber sie war köstlich. Aufgeschnitten und bedeckt von einer Burgundersauce mit röstigen Aromen, wunderbar. Ich wage nicht, von der besten Entenbrust meines Lebens zu schreiben, obwohl, gerade hab ich es getan, und ich bereue es nicht. Das Erdäpfelpüree unter der Brust ist viel zu grob um dem feinen Fleisch gerecht zu werden. Danach noch eine Creme Brulée, die könnte jetzt wieder überall herkommen, aber die Entenbrust deutet schon an, was hier möglich wäre.
Niere im Bistro
Ebenfalls probiert: das feine Ma Cuisine, ein kleines Bistro, das nur zu Mittag offen hat. Tagesgericht waren köstliche, geröstete Kalbsnieren. Kleine, feine Stück, rosé, auf verschiedenen Wurzel-Purées. Genau so soll es sein.
Lamm im Hotel
Auch noch probiert: Das Cheval Blanc. Ist ein feines Bistro, das zum Hotel Central in Beaune gehört. Die Lammstelze um 16,- ist sensationell zart geschmort. Leider war das Erdäpfelgratin am Teller zerfleddert und zu kalt, einfach lieblos.
Quai am Kai
Anderntags, andernorts ein paar hundert Kilometer weiter südlich, an der nördlichen Rhône: Le Quai am Kai.
Restaurants, die direkt an den touristischen Hotspots liegen, haben ja oft mit dem Vorurteil der Überteuerung zu kämpfen. In Tain l´Hermitage an der nördlichen Rhone habe ich es trotzdem probiert. Das Lokal Le Quai Brasserie, das direkt an der schönen Fußgängerbrücke liegt, die die beiden Stadtteile über die Rhône verbindet.
Le Quai gehört zu einer Gruppe um den Koch Michel Chabran und wird von seiner Tochter Carol geleitet. Es beinhaltet ein modernes Brasserie-Interieur. Die frischen Austern (6 Stk. um 12 Euro) sind wunderbar. Ganz frisch mit süßem Kern. Und dann wollte ich es wissen und probierte ein Gericht, dass wie für amerikanische Touristen gemacht scheint.
Einen Rossini-Burger!
In Anlehnung an die berühmten Tournedos Rossini. Der Burger besteht also aus einem weichen, mit Sesam bestreuten Burgerbrötchen, das mit nicht zu dünnen Charolais-Beef-Scheiben, einer Scheibe Gänseleber, einer Scheibe Käse und einem knackigen Salatblatt belegt ist. Auf die schwarze Trüffel wurde irgendwie verzichtet. Dazu gibt es Erdäpfelwedges im Glas und eine gute Kräutermayo auch im Glas. Das Brötchen war gut, aber nicht mehr. Die Erdäpfel auch ok. Das Fleisch war das Beste an der Geschichte. Perfekt gebraten - medium on the rare side, fächerartig aufgeschnitten. Die Gansleber war als zusätzlicher Geschmacksträger ok, selbständig betrachtet aber nicht überragend. Das Ganze war schon ein Erlebnis. Eines, das ich keinesfalls missen möchte.
Dennoch würde ich nächstes Mal vielleicht etwas Anderes bestellen. Insgesamt eine recht schwere Angelegenheit, weswegen die dann folgenden Käse nicht mehr wirklich zur Sättigung notwendig gewesen wären.
Ein Käse, der Käse
Ausserdem war es ein recht ungleiches Paar. Einer war am davonfließen, köstlich und perfekt gereift konnte er das volle Spektrum seiner vielfältigen Aromen ausspielen. Der andere war hart und kühlschrankkalt, unreif und auch nicht sehr herzlich.
Die Weine indes besser. Eine Flasche Cote Rotie 2003 von Guigal machte viel Spaß und tröstete über den Käse hinweg - zu dem der Wein aber ohnehin nicht so gut gepasst hätte.
Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald
Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und
Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute,
die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen
Vergnügen. Was nicht immer gelingt.