Während Frauen dem Klerus aufgrund ihres Geschlechts lediglich für Laienpositionen genügen, sind sie als mütterliche Troubleshooter billig - Von Luise Ungerboeck
Ob den Amts- und Würdenträgern der katholischen Kirche nach Wochen, in denen täglich neue Missbrauchs- oder Misshandlungsvorwürfe ans Licht kommen, wenigstens die Tragweite ihres Verhaltens mittlerweile bewusst geworden ist? Man muss das bezweifeln. Denn stümperhafter geht es, laienhaft ausgedrückt, kaum.
Das jüngste Zeugnis lieferte Kardinal Christoph Schönborn, der die ehemalige steirische Landesmutter Waltraud Klasnic mit der Aufklärung betraute. Abgesehen davon, dass sich Klasnic als Landeschefin nicht mit Ruhm bekleckert hat, als sie einen Landesbeamten nach sexueller Belästigung versetzt, aber - in schlechter kirchlicher Tradition - nicht aus dem Verkehr gezogen hat und schon gar nicht rechtlich verfolgen ließ: Glauben die Kirchenmänner wirklich, sie seien glaubwürdig, wenn sie sich nach Jahrhunderten der Vertuschung noch selber aussuchen, wer die unselige Causa öffentlichkeitswirksam planiert?
Bezeichnend auch die Attitüde dahinter: Während Frauen dem Klerus aufgrund ihres Geschlechts lediglich für Laienpositionen genügen und die personifizierte Bedrohung für den Zölibat darstellen, sind sie als mütterliche Troubleshooter billig. Wie viel Freiheit bei der Aufklärung und Spielraum beim Schadenersatz Klasnic zugestanden wird, bleibt abzuwarten. Dass der Episkopat nichts kapiert hat, zeigt, dass weiterhin nur einzelne Täter für Übergriffe verantwortlich gemacht werden und nicht das System Kirche. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD-Printausgabe, 30.3.2010)