Kinderporno-Sperre

Die große EU-Firewall

29. März 2010, 19:45

Besser wäre es, diesen Aufwand in Strafverfolgung und Opferhilfe zu investieren - Von Thomas Neuhold

Geht es nach der Vorstellung der EU-Kommission, sollen Webseiten mit kinderpornografischen Inhalten künftig von den Mitgliedstaaten blockiert werden. Die Forderung klingt plausibel: Denn warum sollte nicht aus dem Verkehr gezogen werden, was verboten ist? Und über wenige Dinge besteht weltweit zumindest auf Papier so sehr Konsens wie gegen Kinderpornos.

Aber es gibt Fallstricke. Zum ersten technischer Natur: Denn dies würde bedeuten, dass die Staaten Europas eine große Firewall ähnlich wie China errichten, um einzelne Webseiten blockieren zu können. Das bedeutet einen Riesenaufwand, buchstäblich die Einrichtung staatlicher Wächterstellen, um dieses Vorhaben umsetzen zu können. Und wie die "Probleme" autoritärer Staaten mit Dissidenten zeigen, kann jede Firewall umgangen werden.

Zum anderen sind wesentliche Grundrechtsfragen berührt. Was Kinderpornografie ist, kann letztlich nur ein Gericht entscheiden - es kann unserem Grundrechtsverständnis nicht genügen, dass eine Behörde eine Website auf den Index setzt. Und wie ist es mit den Details - ist jeder schon strafbar, der in einer Suchmaschine "Lolita" eintippt?Wäre es dann nicht logisch, vom Betreiber zu verlangen, dass solches zu melden, zu unterbinden ist? Kinderporno-Seiten sperren klingt effizient. Aber die Praxis dazu: Die ist wohl eher graue Theorie. Besser wäre es, diesen Aufwand in Strafverfolgung und Opferhilfe zu investieren. (Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe, 30.3.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 101
1 2 3
Timagoras
 
11
30.3.2010, 17:40

von fast allen postern hier, die sich über das geplante blockieren von kinderpornographie-seiten empören, wird kinderpornographie notorisch und neckisch als "Kipo" bezeichnet.

was soll das?
wenn man "das kind" beim namen nennt, wird deutlich, worum es hier geht:
nicht um "kita", "azubi" oder sonst etwas harmloses, sondern um kinderpornographie.
schaut's doch bitte den (schlimmen) tatsachen ins auge!

spark
00
30.3.2010, 17:56

es geht um den missbrauch von kindern. das ist imho die adäquate formulierung. das wort kinderpornographie könnte ja suggerieren, dass das eh ok ist.

im gegensatz dazu sehe ich keinerlei vorteile darin, zensur anzuwenden. die betroffenen wissen, wie sie zu ihren sachen kommen. da kann gesperrt werden, was will. die technik ist und wird auch in der nächsten zeit immer den behörden voraus sein. zensur hilft auch den opfern nicht. was hilft, ist direkte verfolgung der täter, hilfe für die opfer, aufklärung, diskussion und bildung. zensur wirkt nur bei leuten, die gar nicht danach suchen, was zensiert wird. das wäre ja noch nicht so schlimm, würden die geplanten maßnahmen nicht eine potentielle gefahr für die informationsfreiheit darstellen.

Timagoras
 
00
30.3.2010, 22:14
"die betroffenen wissen, wie sie zu ihren sachen kommen. da kann gesperrt werden, was will"


mit diesem argument können Sie auch das verbot von kinderpornographie in "gedruckter" form aufheben (oder überhaupt jegliche missbrauchsverbote), weil es immer welche gibt und geben wird, die die verbote und gesetze "austricksen".

das ist für mich kein argument, diese dinge nicht zu verbieten bzw. zu zensieren!


spark
01
30.3.2010, 22:33

Sie haben mich wohl falsch verstanden.

ich meine nicht, dass die von Ihnen angesprochenen verbote aufgehoben werden sollten, sondern dass ich zensur nicht für ein geeignetes mittel halte, um zu verhindern, dass illegale sachen existieren und verbreitet werden. auch den opfern, die hier am wichtigsten sein sollten, hilft zensur kaum (wenn überhaupt).

die imho geeigneten mittel habe ich in meinem ersten post schon umrissen.

Timagoras
 
00
31.3.2010, 17:18
"sondern dass ich zensur nicht für ein geeignetes mittel halte,"


das verbot von kinderpornographie in gedruckter form ist aber auch zensur.

wieso befürworten Sie sie da, aber im internet nicht?

ich halte beides für legitim.

Bumbu
 
00
wieso befürworten Sie sie da, aber im internet nicht?

Das Verbot kinderpornographischer Websites und Darstelungen ist ja iggug unumstritten. Die Frage ist nur die Durchsetzung.

Eine Internet-Blockade von Kipo-Inhalten ist automatisch intransparent. Niemand kann sich beschweren, wenn er versehentlich betroffen ist; niemand kann die Kriterien überprüfen, nach denen Websites auf der Liste landen. Keine öffentliche Verhandlung klärt, was nun erlaubt und zugänglich ist und was nicht.

Das gibt dem Staat sehr viel Macht über den Informationsfluß. Und sehr viele (auch ich) sind sich sicher: Das einzige, was wir vom Staat sicher wissen, ist, daß unbeschränkte Machtausübung ihm nicht gut tut.

Gegenflieger
02
30.3.2010, 16:40
Andere Maßnahmen

Es geht ihnen nicht wirklich um KIPO sondern um Kontrollmaßnahmen über das Netz.
Es sollte mehr für das aufspüren solcher Seiten getan werden , mit beispielsweise einer speziell geschulten CyperPolizei,die das Web nach solchen Seiten durchforstet und die betreiber verhaftet.

Vorratsdatenspeicherung = Verfassungswidrig!
01
30.3.2010, 16:03
DIE OPFER VON KINDERPORNOS POLITISIEREN?

mit dem, was die kinder durchleben mussten setzen die politiker ihre eigenen interessen durch!

ekelhaft!
ich würde als betroffenes kind die politiker anklagen!

Vorratsdatenspeicherung = Verfassungswidrig!
00
30.3.2010, 15:56
china 2.0 lässt grüßen!

andererseits:
lassts die doch ihre dns sperren!

das kann jeder umgehen und alel sind glücklich:
die politiker haben ihre sperren und alle andere umgehen sie einfach.

auch eine möglichkeit: jeder tretet dem TOR netz bei und erstellt bei sich auch eine TORnode.

so können die zensurwütigen alles vergessen.

ausserdem bietet tor die möglichkeit des hidden service.

so kann die zensur einfach ausgeschaltet werden.

es müssen einfach nur alle mitmachen.

http://www.torproject.org/

Peter Falber
00
30.3.2010, 17:07
bringt auch nichts

die breite masse der leute bringt man nicht dazu, tor zu verwenden, auch wenn's nicht wirklich schwer ist.

tor-user und exit node betreiber wird man dann in einem der naechsten schritte kriminalisieren.

es bleibt nichts anderes, man muss sich gegen die schaffung einer sperr-infrastruktur wehren.

3ch0
00
30.3.2010, 15:46

Besser wärs man errichte eine 'Stone Wall' um den Petersplatz in Rom.
Und eventuell um Belgien.

4simo
00
30.3.2010, 16:27
umpff

wenn es nur so einfach wäre

1116er
00
30.3.2010, 15:45
dafür sind keine großen behörden nötig sondern ein in-die-verantwortung-nehmen des einzelhändlers.

der 'einzelhändler' ist der internet provider. jeder konsument braucht einen. über seine 'ladentheke' laufen die kipo-seiten.
wenn (zb stichprobenweise) festgestellt wird, dass ein ISP dies zulässt: macht ihm die bude dicht, es gibt genügend andere!

Peter Falber
00
30.3.2010, 17:15
das ist dasselbe in gruen

es gibt ueberhaupt keine notwendigkeit fuer den sperrwahn.

in jedem land ist KIPO strafbar - die einzigen ausnahmen sind AFAIK 2 oder 3 afrikanische laender, die seit jahren kriegsgebiete sind. dort stellt sowieso niemand server auf.

weiters sind durchwegs ALLE webhoster derart sensibilisiert, dass sie solche angebote auf ihren servern wenn sie davon kenntnis erhalten sofort sperren und auch die logfiles sichern. das funktioniert wunderbar, wenn man sie informiert.

es liegt einzig an der unfaehigkeit der exekutive, dass man die provider nicht kontaktiert, sondern als standardvorgang ein amtshilfeansuchen an das land stellt in dem die server stehen. das wird dann wochenlang "bearbeitet", und dann sind logfiles und taeter laengst weg.

supidupi
02
30.3.2010, 14:52
Das Hauptproblem ist ja das hier Leute über Dinge

entscheiden von denen Sie nicht die geringste Ahnung haben.
Kein Admin der Welt will das Zeugs auf seinen Servern und alle Admins der Welt sind offen für jeden zu erreichen und im normallfall kannst das Zeugs innerhalb von Stunden vom Server gelöscht haben und bei den meisten Admins kriegst auch die Logs wer wann was raufgespielt hat zur Strafverfolgung.
Einzig Google Cache und diverse andere amerikanische Konzerne verweigern wehement die Zusammenarbeit da kann man aber sicher juristisch eingreifen (wenn man will).
Die frage die sich mir stellt ist jedoch Will man wirklich was gegen Kipo tun ?
Bei den derzeit angedachten Aktionen ist diese Frage mit einem klaren NEIN zu beantworten.

Dominique Lautrec
02
30.3.2010, 13:58

Kann bitte jemand den Politikern und der Öffentlichkeit erklären, dass sich solche Websperren ganz einfach umgehen lassen, von technischen Kollateralschäden (Stichwort DNSSEC) mal ganz zu schweigen. Viel wirksamer wäre es zumindest innerhalb der EU die Verfahren zum Löschen illegaler Inhalte zu vereinheitlichen und zu beschleunigen.

sturmwind
09
30.3.2010, 12:54
Wie schon öfters gesagt

- stolpert niemand "zufällig" über KiPo im Internet
- wird "die Szene" diese "Sperren" zu umgehen wissen
- führt eine "künstliche Verknappung" von derartigen Seiten zu Mehreinnahmen der "überlebenden" Anbieter

und hat Volker Pispers dazu wahre Worte gesprochen:

http://www.youtube.com/watch?v=a... dw#t=1m28s

Böse Zungen behaupten:
00
30.3.2010, 15:10
zu "es stolpert niemand zufällig über CP im internet"


siehe zB 4chan.org/b/ ... wenn ich aus langeweile dort herumsurfe und jemand dann ein foto von einer klassenkollegin postet die ihre t*tten herzeigt, sollte ich dafür ins gefängnis gehen?

diamant
01
30.3.2010, 12:03
Warum sollte das Internet ein 'Rechtsfreier Raum' sein?

Der Stadtpark ist ja auch nicht!

Peter Falber
00
30.3.2010, 17:42
das internet ist kein rechtsfreier raum

das war es nie und wird es nie sein.

im gegenteil, die leute hinterlassen online weit mehr spuren ihrer taten als offline, das weiss jeder der sich ein bisschen mit der technik beschaeftigt, man muss dazu ueberhaupt kein "experte" sein.

das faseln vom rechstfreien raum ist so falsch, dass es schon nicht mehr mit unwissenheit erklaert werden kann.

Club-der-dichten-Toten
02
30.3.2010, 16:46

Warum sollte die Post ein rechtsfreier Raum sein?
Der Stadtpark ist es ja auch nicht und mit einem Brief lassen sich ganz leicht kinderpornographische Bilder und DVDs verschicken.

Sind Sie deshalb auch für die Aufhebung des Briefgeheimnisses?

Es geht hier nicht um Kinderpornographie oder nicht, es geht um Zensur im Internet. Und hier muss schon den Anfängen ein Riegel vorgeschoben werden.

Es gibt bessere Mittel, als diese Zensur, die unkontrollierbar ist und von den Tätern ganz einfach und leicht ausgehebelt werden kann.

Joe Public
01
30.3.2010, 14:42

Ist es ja nicht.
Wieviele User wurden schon wegen Filesharings verklagt?
Und wie oft hat sich die Polizei schon mit Zerschlagung von Kinderpornoringen gebrüstet?
Das Problem ist eher, daß man dann im nächsten Schritt versuchen könnte, Websites mit unliebsamen Inhalten zu sperren. In deutschen Schulen hat es bereits Filter für Websites wie die "Nachdenkseiten" gegeben. Man braucht nicht viel Fantasie um sich auszumalen, wo das hinführen könnte...
"Kinderporno" und "Terrorismus" sind Schlagwörter mit denen der Überwachungsstaat schrittweise immer weiter ausgebaut wird.
Und wieviele Terroristen hat man bis jetzt dank Online-Überwachung gefasst? Mir ist da nichts bekannt...

Dominique Lautrec
01
30.3.2010, 14:00

Das Internet ist natürlich kein rechtsfreier Raum und soll es auch nicht sein. Die vorgeschlagenen Sperren sind aber leicht zu umgehen. Das ist so, wie wenn sie vor jedem Bordell einen großen Vorhang spannen und dann behaupten, dass sie damit die Prostitution bekämpfen, obwohl man einfach nur hinter den Vorhang schreiten muss, um weiterhin ungehindert hinein zu gelangen.

peace & love
04
30.3.2010, 11:47
da stehen sie da, die hierarchisch organisierten zensurtrottel.


im kampf gegen ein hierarchieloses internet ziehen sie den kürzeren. die energien sollten besser darauf verwendet werden, die produzenten von kp-material auszuforschen und einzubuchten.

Allmächtiger Satan
011
30.3.2010, 11:42

Sofort TV-Dokus und Reportagen verbieten, denn die dienen der Befriedigung der Sehbedürfnisse der Zuseher, die sich an Terroropfern und Kriegsberichten aufgeilen. Die Einschaltquoten geben mir recht, das Prinzip ist dasselbe, Kinderpornografie ist dokumentiertes Verbrechen, genauso wie Massakerberichte aus dem Kongo und Hinrichtungsvideos aus dem Irak.

Wenn man darüber nicht mehr berichtet, gibt es dann kein Massaker mehr im Kongo? Wenn man Webseiten sperrt, werden keine Kinder mehr missbraucht? Dh: Schau nicht hin und das Verbrechen findet nicht statt.

Kinderpornos gab es lang vor dem Internet, die Post wurde nie verboten.

Mehr als eine Vorstufe zur Ausweitung diverser Internetsperren zur "öffentlichen Sicherheit" ist diese Aktion nicht

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 101
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.