Spaniens junge Generation bezahlt teuer

29. März 2010, 18:53
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Mit der Krise endete der Bauboom. Vor allem junge Männer, die am Bau ihre Hoffnung suchten, stehen jetzt vor Trümmern

Mit der Krise kam auch das Ende des Baubooms in Spanien. Vor allem junge Männer, die am Bau ihre Hoffnung suchten, stehen jetzt vor Trümmern. Viele haben keinen Schulabschluss und sind schwer zu vermitteln. 

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Madrid - Männlich, zwischen 25 und 29 Jahre alt. So sieht der spanische Krisenverlierer schlechthin aus. Seit die Spekulationsblase 2008 geplatzt ist und die Bauindustrie fast völlig zum Erliegen kam, haben 1,7 Millionen junge Menschen zwischen 16 und 35 Jahren ihren Job verloren. 93 Prozent der durch das Ende des Baubooms vernichteten Arbeitsplätze hatte diese Altersgruppe inne. Eine Generation, die erstmals von der Vollbeschäftigung träumte, erwacht unsanft. Insgesamt sind in Spanien 4,1 Millionen Menschen als arbeitslos gemeldet. Das ist eine Quote von 20 Prozent.

Von den 1,7 Millionen unter 35 Jahren, die ihren Job durch das Ende des Baubooms verloren haben, sind 68 Prozent Männer. Bisher waren es in Spanien immer die Frauen, die zuerst ihre Arbeit verloren. Im Jahrzehnt des Booms schmissen immer mehr junge Männer die Schule oder die Berufsausbildung hin. Schließlich war auch als unqualifizierter Arbeiter gutes Geld zu verdienen. 2004 verließen 34 Prozent der jungen Menschen die Schule ohne Abschluss, 2006 waren es schon 40 Prozent. Und unter den jungen Männern lag die Quote gar bei 47 Prozent. Erst einmal arbeitslos, sind diese Menschen nur schwer zu vermitteln. Doch selbst ein abgeschlossenes Hochschulstudium ist keine Garantie für einen guten Arbeitsplatz und vor allem nicht für ein gutes Einkommen. "Mileuristas", die Tausend-Euro-Verdiener, taufte der spanische Volksmund die jungen Akademiker mit schlechter Bezahlung und Zeitvertrag. Selbst in der Forschung sind sie tätig. Jetzt, nachdem die Regierung im neuen Haushalt die Ausgaben für Universitäten und Institute zusammengestrichen hat, droht vielen von ihnen die Arbeitslosigkeit.

Längst ist von einer "Flucht der Gehirne" die Rede. Hochqualifizierte junge Spanier treten den selben Weg an wie einst ihre Großeltern. Sie emigrieren ins restliche Europa oder in die Vereinigten Staaten. Die sozialen Folgen der Arbeitslosigkeit unter den jungen Spaniern sind nicht zu übersehen. Sie werden immer später flügge. Eine Umfrage zeigt, dass knapp 62 Prozent der jungen Menschen zwischen 18 und 29 bei ihren Eltern leben. In der Hauptstadt Madrid sind es 69 Prozent.

Die Jugendlichen sind damit gleich doppelt Opfer des Baubooms. Die Preise für eine Wohnung vervierfachten sich in den zehn Jahren vor der Krise. Jetzt, nach dem Platzen der Spekulationsblase, sinken sie zwar allmählich, doch die jungen Menschen sind ohne Arbeit und liegen den Eltern auf der Tasche. Jede dritte spanische Familie hat am Monatsende regelmäßig finanzielle Schwierigkeiten. Und knapp 40 Prozent geben an, sich nicht einmal einen einwöchigen Urlaub leisten zu können.

Um die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen, kramt so mancher wieder die alten Rezepte hervor. So verlangt der Unternehmerverband einen speziellen Arbeitsvertrag für junge Menschen. Diese sollen fortan Verträge bekommen, in denen die Entschädigung im Falle einer Kündigung wesentlich geringer ausfällt als bei ihren älteren Kollegen. Außerdem müsse der Staat einen Teil der Sozialversicherungsbeiträge übernehmen.

"In jeder Krise werden die Jugendlichen beäugt, als wären sie für ihre Lage verantwortlich, als wollten sie gar nicht arbeiten", bringt es Gabriel Alconchel, Direktor des staatlichen Jugendinstitutes, auf den Punkt. (Reiner Wandler aus Madrid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.03.2010)

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