Volksbanken AG ist weniger wert als gedacht

29. März 2010, 18:07
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In einer Berechnung für den Vorstand beziffert Wirtschaftsprüfer KPMG den Unternehmenswert der ÖVAG mit 705 Millionen Euro

Die Suche nach einem strategischen Partner für das Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG findet unter sehr schwierigen Umständen statt. Denn die Bank ist laut Berechnung des Wirtschaftsprüfers KPMG im Auftrag des ÖVAG-Vorstands weniger wert als bisher angenommen.

Der Unternehmenswert des Konzerns bewegt sich laut einem Schreiben an den Vorstand zwischen 649 und 761 Millionen Euro. Allerdings, wie KPMG einschränkt, erfolgte die Wertermittlung basierend auf Planungsrechnungen der Bank "ohne ins Detail gehende Analyse des Bewertungsobjekts" - und auf der ÖVAG-Annahme, dass "ab 2012 eine vollständige Normalisierung der Etragssituation erreicht" wird. 2011 bis 2014 plant die ÖVAG, nur einen Teil der Zinsen für das Staatsgeld zu zahlen.

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Wien - Die Zukunft der einen "strategischen Partner" suchenden Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) ist noch ungewiss; derzeit wird hinter den Kulissen der österreichischen Bankenbühne heftig an der Partnerfindung gearbeitet. Das von der Krise gebeutelte Institut (Tochter Kommunalkredit musste verstaatlicht werden) gehört mehrheitlich den kleinen Volksbanken; zudem der deutschen DZ-Bank-Gruppe, Ergo Versicherung und RZB. Im Geschäftsjahr 2009 hat die ÖVAG eine Milliarde Euro Partizipationskapital vom Staat genommen, die Zinsen dafür (in den ersten fünf Jahren 9,3 Prozent oder 93 Mio. Euro pro Jahr, dann ansteigend bis 13,05 Prozent im zehnten Jahr) kann sie weder für 2009 noch für heuer bezahlen.

Als Wert der Bank wurden bislang zwei bis 2,5 Mrd. Euro kolportiert. Die Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG kommt in ihren Berechnungen aber zu einem anderen Ergebnis. Die Prüfer haben "Bandbreiten für den indikativen Unternehmenswert der Volksbanken AG zum 31. Dezember 2009" erstellt, und zwar im Auftrag des ÖVAG-Vorstands und nur zu dessen "interner Information" .

Der Unternehmenswert, auf den die Prüfer laut ihrem Schreiben vom 4. Februar an ÖVAG-Vorstandschef Gerald Wenzel kamen: 649 Millionen Euro ("Untergrenze" ) bis 761 Mio. Euro. Der Mittelwert liegt demnach bei rund 705 Mio. Euro; der Wert je Aktie bei 16,17 Euro (Mittelwert), der entsprechende Wert je Partizipationsschein bei 161,73 Euro.

"Normalisierung ab 2012"

Betont wird in dem Papier, dass die Wertermittlung "ohne ins Detail gehende Analyse des Bewertungsobjekts" erfolgt sei, Basis der Berechnungen waren unter anderem Planungsrechnungen für die Jahre 2010 bis 2015. Dabei gehen die Volksbanker laut KPMG aber (optimistischerweise; Anm.) davon aus, dass "ab 2012 eine vollständige Normalisierung der Ertragssituation erreicht werden kann" . Und man nimmt an, dass die ÖVAG das PS-Kapital wie ausgemacht zurückzahlt (und gleichzeitig ersetzt): Je 400 Mio. Euro sollen 2012 und 2015 an den Staat fließen und die letzten 200 Mio. Euro Anfang 2017. Weitere Annahme, von der die Banker und Wirtschaftsprüfer ausgegangen sind: Der Staat bleibt geduldig und macht von seinem Wandlungsrecht keinen Gebrauch.

Das Ergebnis für 2009 (es wurde noch nicht veröffentlicht; der sektorinterne Verkauf der Retailtöchter wurde, obwohl noch nicht durchgeführt, bereits mit 200 Mio.Geldfluss und 51 Mio. Entkonsolidierungsgewinn "berücksichtigt" ) wurde in der Planungsrechnung mit minus 981 Mio. Euro angesetzt (siehe Grafik). Laut STANDARD-Informationen dürfte man bei rund 940 Mio. Verlust gelandet sein. Geht es nach dem Plan der Volksbanker schreibt man heuer aber schon wieder Gewinn, und zwar rund 64 Millionen Euro.

Hohe Risikovorsorgen

Die Risikovorsorgen sind hoch und bleiben hoch: Für 2009 waren sie mit 850 Mio. Euro veranschlagt, bezogen auf den Zinsenüberschuss (590 Mio. Euro) betrug die Risikoquote satte 144 Prozent. Die Risikovorsorgequote für heuer (rund 47 Prozent) reflektiert laut KPMG-Papier "die schwierige Situation auch noch 2010" , und 2015 werde die Quote noch bei 21 Prozent liegen.

Was die Zinsen für den Staat betrifft (eigentlich geht es um Dividenden für das PS-Kapital) wird sich die ÖVAG laut Planungsrechnung 208 Mio. Euro "ersparen" . Denn die Bank wird das Kapital auch "2011 bis 2014 nicht vollständig vertragskonform" bedienen, schriebt die KPMG. Geplant sei, dass von 2011 bis 2015 insgesamt 128,5 Mio. Euro Zinsen an den Staat überwiesen werden.

Im arbeitsrechtlichen Kampf der aus der Kommunalkredit entfernten Ex-Bankchefs, Reinhard Platzer und Leopold Fischer, um ihre Abfertigung (je rund drei Mio.Euro), liegt nun das von den beiden beauftragte Privatgutachten von Thomas Keppert vor. Der Sachverständige hat, wie berichtet, keine wesentlichen Fehler der Ex-Bankchefs bei der Bilanzierung gefunden. Laut Wirtschaftsblatt stuft er die Credit-Default-Swap-Strategie der Ex-Banker sogar als "erfolgversprechend bei kalkuliertem Risiko" ein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.03.2010)

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    Der Unternehmenswert der Volksbanken AG reflektiert den gebrochenen "V wie Flügel" des Instituts. Die Banker rechnen aber mit einer Ertragsnormalisierung ab 2012.

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