Über den Unterschied zwischen Unis und Oper

29. März 2010, 18:04
25 Postings

Architektur-Professor Wolff-Plottegg kritisiert Zulassungsbeschränkungen

Wien - Sind Universitäten wie Opernhäuser oder doch eher wie Städte? Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (VP) bevorzugt die Opern-Metapher, um damit die Notwendigkeit von Zugangsbeschränkungen für die Universitäten zu begründen. Wenn alle Karten weg sind, dann kann eben keiner mehr hinein in die Oper.

Falsches Bild, findet der Vorstand des Instituts für Architektur und Entwerfen an der TU Wien, Manfred Wolff-Plottegg. Im Gespräch mit dem Standard erklärt der Architekt, warum die Herausforderungen des österreichischen Uni-Systems besser mit wachsenden Städten und daraus resultierenden planerischen Aufgaben vergleichbar sind als mit dem "Ausverkauft"-Szenario der Oper.

"Wir sind überall mit ständigem Wachstum konfrontiert. Städte wachsen, der Verkehr nimmt zu, die Umweltbelastung auch - alles wächst, und das gilt auch für das Uni-System", sagt Wolff-Plottegg. Für ihn ist es eine Frage der Planung: "Wie gehen wir mit Wachstum intelligent um, und nicht: Wie können wir es abdrehen." Das Abdrehen könne im Bildungsbereich prinzipiell nicht gewollt sein. Darum ist der Professor auch gegen Zugangsbeschränkungen.

Dabei stehen die Fakultäten für Architektur an den TUs Wien und Graz sowie an der Uni Innsbruck mit Publizistik und Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in dem Entwurf, den Ministerin Karl diese Woche in Begutachtung schicken will, um dann (nach einem Ja der SPÖ) für diese Fächer Zugangsbeschränkungen zu verordnen (an der Akademie der bildenden Künste und der Uni für angewandte Kunst gibt es für Architektur bereits Aufnahmetests). Der "Notfallsparagraf" im Uni-Gesetz erlaubt Beschränkungen, wenn wegen deutscher Numerus-clausus-Flüchtlinge "unvertretbare Studienbedingungen" entstehen.

"Fantasielos reduzieren"

Ob durch Aufnahmsprüfungen, Eingangsphasen oder Drop-out - die Reduktionspläne seien "planungstechnisch die simpelste und fantasieloseste Art", auf ein wachsendes System zu reagieren, meint Wolff-Plottegg. Jahrelang habe man bloß "additiv" gehandelt, also die Anzahl von Übungsgruppen angehoben und auch die Plätze in den Gruppen erhöht und durch dieses Angebot das Problem nur vermeintlich gelöst.

Jetzt sei offensichtlich die Grenze des Funktionierens der „additiven Vorgangsweise" erreicht, und die Politik setze auf eine reduktive Vorgangsweise per Notfallsparagrafen oder durch andere Zugangsbeschränkungen. Beide Vorgangsweisen hält Wolff-Plottegg für nicht zielführend. Ein systemischer Umgang mit Wachstum und mit "der großen Zahl" lege einen Strukturwandel nahe, um das System arbeitsfähig zu halten.

Der Architektur-Professor sieht jetzt - nach den Studierendenprotesten - die "historische Chance", das Uni-System "im Konsens mit den Studenten" zu ändern und den aktuellen Gegebenheiten entsprechend zu aktualisieren. Dazu sollte eine vom Ministerium eingesetzte, aber ministeriumsfreie Taskforce aus Experten nachdenken über Effizienzsteigerungen an den Unis, moderne Didaktik und vor allem darüber, "wie man mit 'der großen Zahl' zurande kommt" - und diese "große Zahl" meint Wolff-Plottegg so positiv, wie er das negativ konnotierte Wort "Masse" im Zusammenhang mit Studierenden strikt ablehnt. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 30.3.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wolff-Plotegg hält den Vergleich der Wissenschaftsministerin von Opern und Universitäten für nicht passend. Er spricht lieber von "wachsenen Städten".

Share if you care.