Schweizer Urteil

Bank Austria hat für DDR-Strafzahlung nicht vorgesorgt

29. März 2010, 18:03

Wien - Die Bank Austria wird gegen das zweitinstanzliche Schweizer Urteil, das sie zur Zahlung von rund 240 Mio. Euro an Deutschland verdonnert hat, berufen. Das Urteil richtet sich gegen die ehemalige Bank-Austria-Tochter in der Schweiz, der vorgeworfen wird, in den 90ern an der Veruntreuung von Geldern im ehemaligen Ostdeutschland teilgenommen zu haben. Der Richterspruch kam für die Bank überraschend, der Betrag ist nicht einmal vorsorglich in der Bilanz rückgestellt. Die Anwälte der Bank werden auch die aufschiebende Wirkung des Urteils beantragen; andernfalls wäre die Zahlung gleich nach Urteilsausfertigung fällig.

Bei dem Geld handelt es sich um das Vermögen der Ostberliner Außenhandelsfirma Novum. Wer aus dem Westen mit DDR-Kombinaten ins Geschäft kommen wollte, musste Zwangsprovisionen an die Novum zahlen, die in den Staatshaushalt oder in die Kasse der einstigen Staatspartei SED flossen. Novum-Chefin war die Wiener Geschäftsfrau Rudolfine Steindling. Sie behauptete nach der Wende, sie habe Novum treuhänderisch für die KPÖ gehalten, und transferierte die Firmen-Millionen von der damaligen Österreichischen Länderbank (später Bank Austria) auf etliche neu gegründete Konten bei deren Tochterbank in Zürich und wieder zurück. Dann legte sie das Geld anonym an. Es ist bis heute auf nicht genannten Konten. 

Schon 1994 hatte Deutschland die Bank Austria verklagt und verloren. Jetzt korrigierten die Richter den Urteilsspruch. Die Bank muss zahlen, weil sie nach Ansicht der Richter ihre gesetzliche Sorgfaltspflicht verletzt habe. Sie hätte wissen müssen, dass über die Millionen nur mit Einwilligung der Treuhandanstalt verfügt werden durfte. (gra, bpf, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.03.2010)

Kommentar posten
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Sternchen100
00

Vor allem lustig wenn man weiß, dass die Treuhand selbst Milliarden Euros veruntreut hat.

standardabweichung
00
30.3.2010, 09:10

immer lustig wenn im standard einmal was über die bank austria steht

nodiesop
00
30.3.2010, 12:51
vor allem weil sie international nur mehr Unicredit Austria genannt wird

nodiesop
10
30.3.2010, 12:55
btw.

240 Mio Euro sind für die Unicredit ja sowieso nur ein Furz im Wasserglas... die sollen zahlen...

pepitant
01
30.3.2010, 08:56
Sie behauptete...

Und ? Behauptet der Standard was anderes ? Oder nicht ?
Für mich drückt die Formulierung aus, dass es mindestens eine Gegenbehauptung gibt und dass zumindest der Autor nicht unbedingt der Ansicht ist, dass die Aussagen der Frau Steindling der Wahrheit entsprechen. Er schreibt zwar offenbar bewusst vorsichtig so, dass man ihm nichts vorwerfen kann, nur, bei mir kommt an, dass Frau Steindling Falschaussagen vorgeworfen werden, freilich ohne das direkt auszusprechen, sonst müsst mans ja vielleicht beweisen.
Eins ist sicher: Die politischen Kräfte und Mächte haben sich das Recht mit Hilfe der Medien im letzten halben Jahrhundert so sehr auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten, dass legal gegen die Politmafia überhaupt nichts mehr zu erreichen ist.

misanthropie
11
30.3.2010, 08:53
ganz einfach

wieder den staat anschnorren, der buttert doch gern auf die ausgfressenen manager nochmal drauf..

Unpolitisch
23
30.3.2010, 08:14
Vorgesorgt?

Die Bank Austria wird ja ein Sparguthaben nicht auf ihre Eigenmittel umgebucht haben?

Oder muss ich morgen auf der Bank auch damit rechnen, dass der Bankangestellte mir die Geldabhebung verweigert, weil für die Auszahlung meines Sparbuches nicht vorgesorgt wurde?

lemming0815
00
30.3.2010, 11:06

so wie ich das hier lese wurde das "sparguthaben" schon längst abgezogen. dies soll aber nicht rechtens gewesen sein.
jetzt ist geld weg
und die deutschen wollten es trotzdem haben -> bank muss eigenes geld ausgeben

buff flyer
00
30.3.2010, 05:23
nicht vorgesorgt?

nachdem man guthaben erst nach 30 jahren ausbucht, wird das wohl noch iregndwo in der bilanz herumgrundeln. was soll da vorgesorgt werden bitte?

00
30.3.2010, 09:30
Guthaben

Das Guthaben ist ja kein Guthaben mehr, da das Geld ja (laut Gericht unrechtmässig) behoben wurde. Die Bank soll das jetzt aus eigener Tasche zahlen, weil sie die Abhebung verhindern hätte müssen.

buff flyer
00
30.3.2010, 15:29
ok, das ist was anderes

und wer hat den flieder jetzt?

Fillet of Soul
00
31.3.2010, 19:44

madame

Marquis de Sade
 
00
30.3.2010, 10:49
wer's dann wohl doppelt hat?

hmmmmmmmmm

Sproezz Quock
10
29.3.2010, 23:02
Auch wenns schade ist ...

... um die Millionen von Euros die die KPÖ in Praterfestln,7stern und Rückkauf des EKH hätte stecken können, find ich's echt geil, dass die BA das trotz Verkauf ohne Rücklagen aus der veranlagenden Tochter blechen muss. Bruahahahhahaha, wie unglaublich herrlich!

Gez.
Gen. SQ

anonym4
39
29.3.2010, 21:20
Dreistigkeit

zahlt sich bei Wirtschaftsverbrechen in Österreich wohl aus ?

warum sitzt die Fr. Steindling nicht schon lange in Untersuchungshaft ?

die Unwilligkeit und Unfähigkeit des Österreichischen Staates hier Aufklärung zu schaffen beschämt mich.

ein Verhalten wie das der Fr. Steindling kann nicht ignoriert werden, die Vorbildwirkung auf andere ist für die Gesellschaft verheerend, und ist keineswegs mehr mit dem "normalen" Rechtsempfinden der Bürger zu vereinbaren.

Bei den Ausmaßen die mittlerweile bekannt werden, sollte die Rechtssprechung auch über höhere Strafrahmen nachdenken. Es scheint ja schon so zu sein das manche Verbrecher die Strafen durchaus bewusst in Kauf nehmen.

Sternchen100
00

Zitat: "warum sitzt die Fr. Steindling nicht schon lange in Untersuchungshaft ?"

Weil die stalinistische KPÖ engst mit der DDR-KP (quasi als "Filiale") zusammengearbeitet hat und von ihr finanziert wurde?

Super-Zyniker
00
30.3.2010, 13:08

@anonym4

> Dreistigkeit zahlt sich bei Wirtschaftsverbrechen in
> Österreich wohl aus ?

Damit liegst du sicher richtig.
Einerseits zählen in Wirtschaft und Politik die (alten) Seilschaften, wodurch kein wirkliches Interesse an einer Aufklärung besteht.
Darüber hinaus sind die Gesetze im Wirtschaftsstrafrecht und Aktienrecht zahnlos und dank der Seilschaften (Du bist in Firma A im Vorstand, ich im Aufsichtrsrat und bei der Firma B ist es umgekehrt) können die Manager weitestgehend ohne großartige Mitbestimmung der Eigentümer (Aktionäre) nach Belieben (für den eigenen Vorteil) wirtschaften.
Außerdem ist das Wirtschaftsstrafrecht zahnlos, da Untreue hieb- und stichfest betragsmäßig bewiesen werden muß, was selten gelingt.
...

Mathias
 
00
31.3.2010, 22:57
Darum ...

... sollte in Zukunft jeder Manager von einem Stasi begleitet werden... wohin auch immer ;-)

Super-Zyniker
00
30.3.2010, 13:15

...
Erschwerend kommt hinzu, daß Verträge auf Managerebene immer so konstruiert werden, daß auch bei Totalversagen bestenfalls der "Golden Handshake" und Abfindung sämtlicher Ansprüche "droht", während bei normalsterblichen Angestellten ein behaupteter Schaden von € 1,20 als Grund für eine fristlose Entlassung verwendet wird.
Als Trost bzw. Rechtfertigung kommt von Rechtsexperten sinngemäß, daß man das (zahnlose) Wirtschaftsstrafrecht eigentlich als großen Fortschritt sehen muß, da es dafür vor mehr als ~60 Jahren überhaupt keine Strafbarkeit gegeben habe, da früher derartige Delikte den Adels- und Kleruskreisen vorbehalten waren.

Steven Biko
01
30.3.2010, 09:50
Da stellt sich die Frage....

ob die EU Griechenland nicht eine kleine karge Insel a la Serifos abkaufen , und die ganzen Wirtschaftsbetrüger samt Controllern auf diesen Steinhaufen verbannen sollte.
Betrug sollte endlich mal nicht nur der Betrug der kleinen Leute sein, sondern auch jener an den kleinen Leuten.
Ok, ich gebe zu, es könnte verdammt eng werden auf dem kleinen Eiland Serifos, so mitten unter all den pseudo Volkshelfern, vor allem wenn man Ihnen noch die richtigen Kommunalpolitiker, sei es ein Pröll, Faymann oder gar einen Strache gepaart mit der "Welle aus dem Westen" vergönnen würde.
Und es wäre ein wahres Ferienparadies für zukünftige Wirtschaftsbosse, eine Art Monsterpark für zukünftige Generationen.

Man wird ja noch träumen durfen,
Herzlichst
SB

Sternchen100
00

Zitat: "Da stellt sich die Frage....
ob die EU Griechenland nicht eine kleine karge Insel a la Serifos abkaufen , und die ganzen Wirtschaftsbetrüger samt Controllern auf diesen Steinhaufen verbannen sollte."

Na bitte ned! Die wurden sogar die Steine auf Serifos korrumpieren und die Fische der Umgebung absaufen lassen.

pepitant
10
30.3.2010, 08:47
Kann man unterschiedlich sehen,

für mich seid Ihr "politisch Korrekten" diejenigen, die mit allen Mitteln aus dem Verkehr gezogen werden sollten. Das ganze aufgeblasene Getue um die ehemals ostdeutschen SED-Gelder ist an lächerlicher Farce überhaupt nicht mehr zu überbieten. Beim McCarthy hättet Ihr unauffällig so hetzen können, da wär das mit persönlichen Angriffen auf eine Sachbearbeiterin im Zuge der medialen Angriffe auf "die Kommunisten in den USA" opportun gewesen, aber hier in D ist leicht zu sehen, dass die Linkspartei grad in den Ex-Kommunistischen Ländern stärker ist, klar, weil im Westen die Leut durch Springer und Co. so vertrottelt wurden, dass sie nur noch Meinungen abbilden aber nicht selbstständig denken können.

GottSeiDank WeitWeg
00
30.3.2010, 06:21
in Kauf nehmen...

... oder einpreisen wie es so schön heißt.
Die Rechnung ist ganz einfach: verurteilt zu ca. 3 Jahren (2 Jahre bedingt weil bisher vorbildhafter Lebenswandel) gegen einige Millionen Euro, die nie mehr aufgefunden werden.

TanteMitzi
30
29.3.2010, 20:14
Die Nachzahlung vergönn ich der Unicredit von Herzen

die Bank hat sich bei der Abfindung der BA-CA- -Aktionäre als ziemlich mickrig erwiesen.

also dann ...
00
29.3.2010, 18:17
ja und ? bei 1 mrd...gewinn, dürfte dies kein problem sein .

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