Kommunismus als einzige Lösung?

29. März 2010 12:00

Der Emissionshandel werde die Klimakatastrophe nicht abwenden können, sagten Wissenschaftler bei einer Wirtschaftsgeografie-Tagung in Salzburg - ein "radikaler Bruch" mit der freien Marktwirtschaft sei nötig

Salzburg - Kann der gegenwärtige Ansatz des Emissionshandels helfen, die drohende Klimakatastrophe abzuwenden? Nein, war der Tenor bei der Tagung "Climate change, uneven development and power", die die Arbeitsgruppe Wirtschaftsgeografie an der Uni Salzburg am Wochenende veranstaltete. Denn die Klimakrise sei nichts anderes als ein Ausdruck der Krise des kapitalistischen Systems. Die Referenten propagierten stattdessen Konzepte eines "Ökosozialismus" oder gar "Ökokommunismus".

Stiefmütterlich behandelt

Der Klimawandel sei zwar ein durch und durch geografisches Thema - schließlich seien sowohl seine Effekte als auch die Verschmutzer, die zur Klimakrise beitragen, höchst ungleich auf der Welt verteilt -, dennoch sei das Thema in der Geografie in letzter Zeit nur stiefmütterlich behandelt worden, sagte Gastgeber Christian Zeller, Professor für Wirtschaftsgeografie an der Uni Salzburg. Er und seine Kollegen wollen das nun ändern.

Emissionshandel und Industrie

Als ersten Schritt haben Zeller und sein Mitarbeiter Lukas Lengauer ein Forschungsprojekt beim österreichischen Klimafonds eingereicht, das den Effekten des Emissionshandels auf Strukturwandel und Innovation in der Industrie auf den Grund gehen soll. Konkret soll in Fragebögen und Interviews erhoben werden, wie Energieerzeuger und Industriebetriebe in Österreich, Deutschland und Großbritannien auf das Emissionshandelssystem der EU reagieren.

Der EU-Emissionshandel umfasst derzeit etwa 12.000 Betriebe, die zusammen für 45 Prozent der CO2-Emissionen innerhalb der Union verantwortlich sind. Bisher seien die Effekte des Systems sehr begrenzt gewesen, sagte Lengauer. Insbesondere für Energiehersteller werde durch den Emissionshandel kaum Innovationsdruck entstehen, vermutet er: Durch oligopolistische Marktstrukturen seien die Stromkonzerne in der Lage, Zusatzkosten einfach auf die Konsumenten überzuwälzen. Bei Industriebetrieben könnte die Lage dagegen anders sein.

CO2-Reduktion "outsourcen"

Zeller bezeichnete es als spannende geografische Frage, wie in Zukunft die Beziehungen zwischen verschiedenen Weltregionen aussehen werden: zwischen jenen, in denen die fossilen Brennstoffe Kohle, Öl und Gas abgebaut werden, jenen, in denen sie verbrannt werden und jenen Regionen, in denen das CO2 gebunden wird - etwa in Form von Regenwäldern. Er vermute, dass die Industrieländer ihre Verpflichtung zur CO2-Reduktion an arme Entwicklungsländer "outsourcen" werden, sagte Zeller.

Der emeritierte Politikwissenschaftler Elmar Altvater von der Freien Universität Berlin räumte ein, dass der "fossile Kapitalismus" dem industrialisierten Westen ein Wohlstandsniveau wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte gebracht habe. Durch die Ausbeutung der Ressourcen sei aber auch ein Ende des Wachstums unvermeidlich. Einfach nur fossile Brennstoffe durch Biomasse zu ersetzen, sei nicht möglich. Stattdessen müssten die Energieherstellung dezentralisiert und Transportströme anders organisiert werden, forderte Altvater.

"Grüner Kapitalismus" als Illusion

Für den belgischen Aktivisten Daniel Tanuro ("Climat et Justice Sociale"), der sich selbst als "Ökosozialisten" sieht, ist "grüner Kapitalismus" in der Praxis "eine völlige Illusion". Die freie Marktwirtschaft sei mit den nötigen Änderungen nämlich schlicht und einfach überfordert. Wenn der globale Temperaturanstieg auf 2,0 bis 2,4 Grad beschränkt werden solle, müsse nämlich der Ausstoß an Treibhausgasen zwischen 2000 und 2050 um 50 bis 85 Prozent gesenkt werden. Um die Lasten gerecht zu verteilen, müssten in den Industrieländern die Emissionen gar um 80 bis 95 Prozent zurückgefahren werden, sagte Tanuro.

Praktisch sei das wiederum nur machbar, wenn der Gesamtenergieverbrauch etwa in Europa um 50 Prozent sinke, in den USA noch stärker - eine Senkung, die mit mehr Energieeffizienz allein nie möglich sein werde. Es müsse also zu echten Einschnitten bei Industrieproduktion und Transport kommen, sagte Tanuro: "Wie soll man sich das bei einem kapitalistischen System vorstellen können, das auf Wachstum und Profit basiert?"

"Antikapitalistische Perspektive"

Es brauche "einen radikalen Bruch mit dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem", sagte Tanuro, nötig sei "eine antikapitalistische Perspektive". Die ökologische Krise sei "nichts anderes als ein Ausdruck der tiefen systemischen Krise des Kapitalismus". Soziale Bewegungen müssten konkrete ökologische Forderungsprogramme erstellen, etwa was die thermische Sanierung von Gebäuden durch die öffentliche Hand oder die Einrichtung eines konkurrenzfähigen öffentlichen Verkehrsnetzes betreffe.

Eine positive Perspektive forderte der Geografieprofessor Erik Swyngedouw von der Universität Manchester ein: "Wir müssen aufhören, über die Klimakatastrophe zu reden, und beginnen, darüber zu sprechen, was für eine Welt wir aufbauen wollen." Das Katastrophengerede rund um den Klimawandel verstelle nämlich den Blick dafür, dass für die Hälfte der Weltbevölkerung schon jetzt in einer humanitären Katastrophe lebe. Der Kapitalismus werde seine Energieprobleme nicht lösen können: "Die einzige Lösung, an die ich denken kann, ist heute ein Tabu: Kommunismus." (Markus Peherstorfer, derStandard.at, 28.03.2010)

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Dori
20.03.2011 10:02
Ludwig von Mises: Die Gemeinwirtschaft lesen!

Das ist doch das Schöne am Sozialismus: Es ist nie der real existierende. Schön weiterträumen!

DirtyHarry
14.09.2010 21:07

Der Kommunismus ist nie eine Lösung, sondern immer ein Problem - mittlerweile auch auf Kuba: http://www.welt.de/wirtschaf... isten.html

B.M.2
16.04.2010 05:04
Kommunismus als einzige Lösung!

Mostbluzza
15.04.2010 15:11
dahin geht die richtung... nun immer offener

so bös der kapitalismus auch ist, das gegenteil ist nicht die heilung.

aber die politik wird sich dran halten, repression und druck wird die leute zu ihrem "überleben und heil" zwingen. aber nicht lange, wird auch die maske fallen.
eines ist klar, nochmal 50-60 jahre kommis spielts nicht in europa. sonst hätten die gründer der grünenbewegung (waren ja bekennende nazis ironischerweise) die linken, die internationalisten von eu bis uno gewonnen ...

B.M.2
16.04.2010 05:03
Äh?

Was bezeichnen Sie als Gegenteil des Kapitalismus?

lucifer, sohn der morgendämmerung
 
23.04.2010 00:13

ganz einfach: kapitalismus ist die schöne, gute, freie, westliche welt - die häuser, autos, mikrowellen um sie rum.
kommunismus ist das ANDERE (PÖHSE!!)

;-)

derStefon
23.04.2010 10:34

äh... ich hoffe und glaube dass das nur satirisch gemeint war *g*

B.M.2
16.04.2010 04:43

Wenns denn den Kommi überhaupt mal gespielt hätte und nicht den Stali. Vielleicht erst mal informieren, dann posten. Umgekehrt zumindest verzeihlich.

Falls es irgendwer verpasst hat: zur Zeit rücken die Regierungen wieder nach rechts.
Nur zur Erinnerung: Rechts brachte Sozialabbau, Völkermord und Krieg.
Das brachte Stalin übrigens auch. Deshalb hat der Stalinismus eher was mit Staatskapitalismus als mit Kommunismus zu tun und man sollte innerhalb der kommunistischen bzw. sozialistischen Standpunkte deutlicher differenzieren.

Prostetnik Vogon Jeltz
22.04.2010 23:13
Sehr schön formuliert!


Vielen Dank.


B.M.2
15.04.2010 04:38
Genau, richtig, Zustimmung.

Wir sollten uns an die Umsetzung machen! Jetzt!

B.M.2
15.04.2010 04:36
nötig sei "eine antikapitalistische Perspektive"

Einfach nur: JA!

wwg
09.04.2010 02:10
Fuer ein personenbezogenes Emissionsrecht

Wie waers mit einem Emissionsrecht pro Person?
Jeder Mensch bekommt das Recht monatlich soviel CO2 Aequivalent auszustossen wie die Erde in Summe vertraegt, jeder gleich viel. Unveraeusserlich. Jedes Produkt das man konsumiert und das Emissionen verursacht oder verursacht hat, vermindert das Guthaben entsprechend. Wenn man sein Guthaben verbraucht hat dann muss man halt bei Wasser und Brot zu Hause sitzen und zu Fuss zur Arbeit gehen bis zum naechsten Ersten.

F S 3
14.04.2010 17:54
:) DAS ist letztendlich der feuchte Traum der rötlich angehauchten Eliten, denn ein "Recht" beinhaltete letztlich auch…

…wiederum weitere Eingriffe in die Privatsphäre, was wiederum den Ü-Staat entsprechend vorantreibt. Denn kein Recht ohne entsprechendes Gesetz, inklusive passenden Strafen.

In weiterer Konsequenz neue Jobs für Beamte/Apparatschiks, die natürlich wiederum der Steuerzahler berappen muß, und somit weitere Selbstverantwortlichkeit an die - schon bald unappetitlich - machtvolle "Nanny" überträgt.

Solch angeblich selbstlose Fürsorge und Weltverbesserung schlägt erfahrungsgemäß äußerst schnell in genau jenes System um, von dem in diesem Artikel hier die Rede ist.

Wenn wir nicht schon bereits mitten d'rin sitzen…

Prostetnik Vogon Jeltz
22.04.2010 23:17
Ein grandios dummer Gedankengang.



Bitte zuerst informieren, dann posten. Damit der Text nicht auf einer völlig falschen Annahme aufgebaut ist:


"Staat" ist nämlich kein "linkes " Konzept, war es nie und wird es nie werden.

Bin ernsthaft schockiert über so viel Unwissenheit in einem einzigen Posting...

:-(

derStefon
14.04.2010 08:46

ANSICH keine schlechte sache. sollte doch jedeR das gleiche recht auf die resourcen der erde haben..

umsetzung ist halt die frage. denn was ist mit öffentlicher infrastruktur? am besten auftgeteilt auf die menschen die sie nutzen könnten (oder die sie nutzen)?
menschen im norden müssen mehr heizen, bekommen sie nen bonus auf ihre CO2 ausstoss möglichkeiten?

wichtig halt: so eine lösung würde klar gegen die jetzigen verfassungen der demokratischen staaten gehen, weil denen ist das privateigentum heilig...

irgendein/e posterIn
04.04.2010 15:04
wieso hat eigentlich die nep-politik nicht funktioniert?

ich bezweifle es nämlich, dass es nur der "böse stalin" war, der diese politik aus willkür eingestellt hat. meines wissens lag die ursache darin, dass landwirtschaft und industrie in der udssr nicht zusammenpassten. war das so?

Cthulluh
05.04.2010 10:34
Ich denke es lag an der Planwirtschaft.

Zentralistische Planung funktioniert nur bis zu einer gewissen Größe der Organisationseinheit, danach versagt sie. Einheiten mit einer darüber hinausgehenden Komplexität benötigen selbstorganisierende, autonome Einheiten. Gut beobachtbar bei Insektenstaaten, insbesondere bei Ameisen: Die Anzahl der Individuen von Staaten, welche eine zentralistische Struktur aufweisen, ist um den Faktor 100 geringer als jene mit selbstorganisierendem Aufbau.

Ludmilla von Country de la Musica
06.04.2010 16:25
wissen Sie überhaupt was die NEP war?

offensichtlich nicht. das waren elemente kapitalistischer wirtschaft, die da zeitweise gezielt eingesetzt wurden - und fatale wirkungen zeitigten. wenigstens bei wiki nachlesen könnten Sie, bevor Sie hier wild rumposten.
mit planwirtschaft hat das nichts zu tun, mit dem irrsinnigen versuch, einen "sozialistischen markt" aufzuziehen dafür einiges.

Cthulluh
07.04.2010 13:07
NEP = neue ökonomische Politik

Es war die Abkehr vom Kriegskommunsimus hin zur sozialen Martwirtschaft. Der Staat hielt jedoch nach wie vor die Zügel der Wirtschaft in der Hand, erlaubte jedoch Privateigentum und Handel. Die neue ökonomische Politik hat nicht versagt, sie wurde 1928 auf Betreiben Stalins wieder eingestellt, da er meinte, mit ihr könne die Landwirtschaft nicht schnell genug modernisiert werden.

Mein anderer Nick ist beeindruckender
07.04.2010 17:43
PS: NEP betraf vor Allem die Landwirtschaft.

derStefon
06.04.2010 09:21

Aber was schon klar ist. Kommunismus heisst nicht automatisch zentrale Planwirtschaft!

Ludmilla von Country de la Musica
06.04.2010 16:26
bitte, die NEP hatte nichts mit planwirtschaft zu tun!

sondern mit profitmaximierung etc - stichwort "sozialistischer markt". entsprechend fatal sah das ergebnis aus.

hier plappern alle nur, ohne die geschichte und ökonomischen grundlagen zu kennen.

yomellamo
02.04.2010 21:26
bisher hat jeder versuch kommunismus einzuführen

in einer diktatur geendet.


Und in diktaturen kümmert man sich nicht besonders um umweltschutz.

derStefon
06.04.2010 09:22

Stimmt... aber kein Grund nicht trotzdem weiter für eine herrschaftsfreie Gesellschaft (Kommunismus) zu kämpfen oder?
Der Gedanke dass wir in einer Gesellschaftsform angekommen sind, welche die beste ist und nicht mehr verbessert werden kann, ist ein sehr seltsamer Gedanke

lucifer, sohn der morgendämmerung
 
23.04.2010 00:18

also ich würd herrschaftsfreie gesellschaft eher als anarchismus bezeichnen, denn als kommunismus?
kommunismus hat doch wohl eher mit wirtschaftspolitik als mit der herrschaftsfrage zu tun

siehe www.politicalcompass.org

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