Das "Griechische" an der österreichischen Politik

Gerfried Sperl, 28. März 2010, 19:31

Wir stünden besser da als die Griechen, sagen heimische Politiker und Banker unisono. Die Ursachen aber sind in vielem ähnlich

Uns könne so etwas wie in Griechenland, eine fünf vor zwölf abgewendete Staatspleite, nicht passieren. Wir stünden einfach besser da, sagen Politiker und Banker unisono. Das stimmt im Blick auf die Ausmaße der griechischen Tragödie, nicht aber im Blick auf die Ursachen. Die sind in vielem ähnlich.

Wie in Österreich haben auch in Griechenland die Mitglieder der alten Regierung behauptet, das in marode Banken gesteckte Geld werde wieder zurückfließen. Wer das Gegenteil behauptet, ist ein Sozialist, hieß es in Athen (die Sozialisten haben dann die Wahlen gewonnen und ein Mega-Sparprogramm verordnen müssen).

Bei uns gab es ähnliche Botschaften - solange der Umfang der Hypo-Alpe-Adria-Katastrophe noch nicht bekannt war. Jetzt geben alle zu: Das meiste dort hineingebutterte oder noch aufs Kärntner Brot zu schmierende Geld sehen die Steuerzahler nie mehr wieder.

Griechenland ist der EU-Staat mit dem höchsten arabischen Einfluß und den meisten amerikanischen Usancen auf dem Geldsektor. Das ist in Österreich nicht so. Aber das Resultat - hohes Maß an Korruption und hohe Verdienste ohne Verantwortung - ist ähnlich. Damit wird in Einzelfällen aufgeräumt, aber als System (Privatisierung als Mittel zur Bereicherung) besteht dieser Ego-Kapitalismus weiter.

Ein dritter Bereich ist der Beamtenapparat. Abgesehen von aufgeblähten Ministerbüros ist die öffentliche Verwaltung nicht so teuer, wie oft getan wird. Teuer sind jene Parallelverwaltungen, die in den Ländern für Agenden eingerichtet wurden, die eigentlich und ausschließlich Bundesangelegenheit sind. In Griechenland (in Italien, in Portugal, in Spanien) gibt es ähnliche Phantom-Bürokratien, die nicht nur hohe Kosten verursachen, sondern auch noch Landes- oder Provinzgelder verschlucken. Wie zum Beispiel die Kärntner Sonderförderungen für Mütter.

Dabei sprechen wir noch nicht von den über zwanzig Millionen jährlich zur Förderung des "Sicherheitsgefühls" in Niederösterreich oder im Burgenland, die letztlich das Sicherheitsgefühl der Herren Pröll und Niessl für die nächsten Wahlen stärken. Überall, wo es um die Streichung größerer Ausgaben geht, gibt es massive Opposition. Und daher keine nachhaltige ausgabenseitige Sanierung der Budgets. Und schon gar keine Möglichkeit, dort aufzustocken, wo es dringend nötig wäre: bei den Universitäten und in der Justiz.

Das Wesen der Tragödie ist die ihr innewohnende unaufhaltsame Tendenz zur Kastastrophe. Weil bis nach den Wiener Wahlen und jenen in der Steiermark nichts geschehen wird, geht erneut viel Reformzeit verloren. Neuerliche Verluste der SPÖ und eventuell sogar der Verlust eines Landeshauptmanns würden die SPÖ handlungsunfähig machen und die ÖVP bestärken, keine tiefen Schnitte zu wagen.

Frühestens am 1. Juli 2011 würde man dann ein "Reformerl" beschließen, das den Österreichern vor allem höhere Spritpreise bringen würde. Sanieren würde das gar nichts - nur die Budgetkrise verschärfen. Das Resultat wäre auf längere Sicht wirklich "griechisch". (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.3.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2
Igor Gassner
00
29.3.2010, 17:04
Wie sagte doch eine Deutscher Manager

die Hypo Alpen Adria und die Bawag ( is schon wieder aus dem Gedächtnis) sind Peanuts im Vergleich zu den Konstruktionen die die überlebenden österreichischen Banken verursacht haben und mit Griechenland kann man uns deshalb nicht vergleichen denn wenns uns aufstraat ist das Griechenland hoch drei und reisst den halben oder ganzen Kontinent mit.

Sophist1
01
29.3.2010, 15:28
Es wiederholt sich die Aussage über die angeblich .....

...so glänzende Positionierung unserer Bankenlandschanft. Und dann kam das Deaster um die Alpe-Adria, die quasi Not-Fusion im Raiffeisenbereich und das zur Dauereinrichtung werdende Gemunkel über die Ost-Engagements. Doch Gesundbeten ist nicht das Mittel der Wahl.

jindra skorikov
00
29.3.2010, 15:16

das ungriechische an der österreichischen politik ist, dass die korruption nicht bis zu den normalbürgern geht. aber wir sind auf dem besten weg dorthin, vielleicht brauchen wir in ein paar jahren auch den gefüllten briefumschlag für den arzt,, von den unnötigen beamten lassen wir uns ja sowieso schon fast so quälen wie die griechen. wozu brauch ich eine SVA, WGKK mit all ihren verwaltungen und fressenden büroratten, die kaum eine richtige auskunft erteilen können, wenns ein bissl kompliziert wird, eine schlanke organisation würde es doch im zeitalter der computer auch tun

noli turbare ...
20
29.3.2010, 14:53

"Teuer sind jene Parallelverwaltungen, die in den Ländern für Agenden eingerichtet wurden, die eigentlich und ausschließlich Bundesangelegenheit sind."

Welche Agenden wären das? Und wenn's Parallelen gibt, warum nicht die Bundesparallele abschaffen?

Falls die mittelbare Bundesverwaltung gemeint ist: Das sind keine Parallelstrukturen, weil sich der Bund die unteren beiden Verwaltungsebenen spart.

auchnixzusagen
02
29.3.2010, 13:36

"Aber das Resultat - hohes Maß an Korruption und hohe Verdienste ohne Verantwortung - ist ähnlich."

Ist hier nur von Kärnten die Rede oder von ganz Österreich?
Weil insgesamt sieht das transparency international ein bisschen anders: Österreich 7,9, Griechenland 3,9 Punkte auf der Korruptionsskala, wobei 10 für überhaupt keine Korruption steht.

Und auch der Grad der Steuerehrlichkeit ist hierzulande immer noch deutlich höher.
Dieser Artikel ist einfach nur eine plumpe Polemik ohne viel Fundament...

Sidlo
13
29.3.2010, 09:44
Irgendwann ist der Spielraum für Steuererhöhungen

auch in Österreich bis aufs letzte ausgeschöpft, und spätetestens dann kracht auch der österreichische Staatshaushalt zusammen, wenn nicht vorher ohnehin gigantische Staatsgarantien schlagend werden und diese das Gemeinwesen in den Abgrund reißen. Ein Land mit einer derartig hohen Reformresitenz wie Österreich ended zwangsläufig irgendwann vor dem Konkursrichter i.e. dem Internationalen Währungsfond, der dann die notwendigen knallharten ausgabenseitigen Maßnahmen, wie Halbierung der Beamtengehälter, durchsetzt.

bdfred
01
29.3.2010, 12:22
Ja,

..... und die Schuld wird dem Int. Währungsfond, der EU und den Ausländern gegeben werden!

franz der freie
 
13
29.3.2010, 09:31
man wird an folgenden schrauben drehen:

1)grundsteuer, jeder der grund besitzt,steht im grundbuch. die derzeitige steuer bezieht sich höchstens auf 1/10 des wertes.
2)auto und treibsoff> ganz einfach einzuheben.
3)wertpapiere. leicht durchzusetzen, da alle unbedarften glauben, es treffe nur die reichen. es wird aber auf die zahlreichen lebensversicherungen, pensionsversicherungen etc vergessen. dort sind die hohen summen in wertpapieren.
bis max mustermann draufkommt, es trifft wieder nur ihn, ist es zu spät.

schafmeister
05
29.3.2010, 08:53

Die Regierung denkt und handelt feudalistisch!

Dr.in Luitpold Bäringer
00
29.3.2010, 16:41
Ergänzung: Die VP denkt vor, die SP blökt nacht

Furchtbar.

Hermine Berg
 
02
29.3.2010, 02:32
ach das...

ich dachte schon, dass es hier um die Vasilikou geht.

139
05
29.3.2010, 01:15

"Das "Griechische" an der österreichischen Politik"

Man versuchts über Hintertürchen?



..ja okay der war unangebracht und tief

Religion Opium des Volkes? Marx kannte wohl kein TV
04
29.3.2010, 08:26

... und überall lauern unappetitliche braune Reste ...

(Hilfe, es wird nicht weniger tief :-| )

139
00
29.3.2010, 21:01

jetzt kriegts aber langsam eine gewisse Tiefe

..okay aber das ist jetzt ernst und überhaupt nicht doppelbödig gemeint

Hans Moser
00
29.3.2010, 15:46
je tiefer, desto besser... ;-))

Aguirre74
 
024
28.3.2010, 23:29

Das wirklich Schlimme ist die vollständige Reformresistenz der Großparteien. Die ÖVP hat ihr Klientel, dem sie das Geld in den Hintern bläst (Bauern, Industrie, Parteifreunderl) und will natürlich nichts verändern. Welche konservative Partei will das schon (siehe das Stummvoll Interview von gestern... Vermögensteuern pfui, Vermögenzuwachssteuern pfui, alles gut, alles fein)? Die SPÖ redet einmal dies, einmal das (gute, böse Steuern) und hat im Grunde keine Ahnung worum es geht (oder ist zu populistisch). Beide wollen, und das ist das Allerschlimmste, an den verzopften Ländern und deren Bürokratie festhalten. Sich selbst werden sie nicht abschaffen, also werden wir alle dabei draufgehen.

Hermine Berg
 
04
29.3.2010, 02:36
das ist nur ein teil

die echte tragoedie ist das voellige fehlen einer ernstzunehmenden opposition. ernstzunehmend in dem sinne, dass es eine realistische moeglichkeit geben wuerde, einmal eine mehrheit jenseits der 2 grossparteien zu finden, die sich im proporz arrangiert haben.

schlimmer noch, sollten die sp+vp mal so abwirtschaften, dass sich die mehrheit nicht mehr ausgeht, stehen uns rosenkranz und strache ins haus.

mir der konstruktion hat sich die kuschelkoalition praktisch pragmatisiert.

4321
00
29.3.2010, 19:36

ö medien werden auch das bravurös meistern und ihre "journalisten" sich blau andienen, wie 2/3el das jetzt mit schwarz machen. kontrollfunktion? verantwortung? ah geh. eigentümerinteressen gehen doch vor.

Advaita0
01
28.3.2010, 22:21
Österreichs Banken können nur überleben, wenn die Raten der Ostkredite brav bezahlt werden.

Eine Panik in dieser Richtung wäre das Ende.
Paul Krugman

Süffisant
12
29.3.2010, 10:16

...wenn es nach krugman ginge, müssten wir österreicher schon seit einem jahr in baumhäusern wohnen und uns nur mehr von käfern und würmern ernähren!

der mann hat aber anscheinend dazu gelernt, und hält schon seit monaten seinen schlapfen, und das ist gut so!

Enrico Furioso
00
29.3.2010, 14:36
Fortsetzung - was Krugman wirklich sagte:

"On Monday I held a Princeton-sponsored event at the Foreign Press Club, and was asked about Austria’s Eastern European exposure. I responded by saying what everyone knows: Austrian lending to Eastern Europe is off the charts compared with anyone else’s, and that means some serious risk given that emerging Europe is experiencing the mother of all currency crises.

Is Austria doomed? Of course not. It’s not as outrageously leveraged as Iceland, or even Ireland. But it may need a bank bailout that will seriously strain the country’s resources. So what I said at the event — that after those two, it’s probably the advanced country at most risk from the financial crisis — shouldn’t even be controversial."

Und damit hat er völlig recht.

Enrico Furioso
00
29.3.2010, 14:30
und wieder ein schönes Beispiel für jemanden

der das, was Krugman wirklich in seiner Kolumne bzw. auf seinem Blog in der NYT zu der Sache schrieb, nie gelesen hat, sondern nur weiß, was hier in Österreich von Leuten, die gleichfalls Krugman nicht lasen, dazu meinten.

locken
11
28.3.2010, 21:34
Jeder Österreicher hat 24,886 € Staatsschulden,wieviel hat der Griechische Bürger ?

sokra
01
29.3.2010, 08:56

Um auf die (rethorische?) Frage zu antworten:

Gaaaanz grobe Schätzung:
BIP Griechenland ca. 22.000€
Verschuldung ca. 120%
macht 26.400€

Meine Wenigkeit mit viel Senf
02
29.3.2010, 07:04
Muss ich keine Steuern mehr zahlen,

wenn ich "meine" Staatsschulden zurückzahle? Wäre kein Problem - Kontonummer? Ich meine, die 25 Euro.. :-)

Ich weiß natürlich, dass 24.886 Euro gemeint sind, nicht 24,886...

Tja, die Anleihen. Genau das ist das Problem: Die sollen ja Zinsen bringen. Und für die Zinsen gibt man neue Anleihen aus, die wieder Zinsen bringen. Irgendwann wird das Kartenhaus also zusammenbrechen, wäre nicht das erste Mal.

Und es ist immer so fein, auf die Beamten zu schimpfen usw. Dabei darf man nicht vergessen, dass vom größten Teil der Staatsschulden jeder profitiert in irgendeiner Weise. Somit ist das mit dem Zurückzahlen nicht so abwägig, wenn im Gegenzug Kostenwahrheit in allen Bereichen eingeführt wird.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.