Reportage

Spaniens Sonnenkraft bei Tag und bei Nacht

Jan Marot, 28. März 2010 18:35
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    Foto: standard/marot

    Bis 2011 sollen alle drei Andasol-Anlagen bei Guadix (Granada) am Netz sein. Dann versorgen die Desertec-Wüstenstrom-Projektvorbilder rund 600.000 Menschen.

Seit Anfang Juli 2009 am Netz, sind die solarthermischen Kraftwerke Andasol bei Granada die größten Europas

Die Vorbilder der Desertec-Wüstenstrom-Vision liefern auch nachts sauberen Strom.

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Dicke weiße Wolken steigen in den Himmel über der Hochebene von Guadix. "Keine Sorge, es ist der Wasserdampf, der die Turbinen antreibt" , beruhigt Carmen Granados von ACS Cobra. Die Technikerin werkt bei den solarthermischen Parabolrinnen-Kraftwerken Andasol I, II und dem im Bau befindlichen III (Fertigstellung 2011).

Auf über 1100 Meter Seehöhe zwischen Aldeire und La Calahorra, 70 Kilometer östlich von Granada, erstreckt sich Spaniens bester Landstrich für die solare Energiegewinnung. 3000 Sonnenstunden im Jahr misst man hier, rund tausend mehr als in Wien.

Fast 400 Grad heißes Spezialöl

Seit 2008 im Probebetrieb, ging am 1. Juli 2009 das erste CSP (Concentrated Solar Powerplant) Europas ans Netz. Das zweite startete vis-à-vis im selben Jahr seinen Testbetrieb. Es geht Schlag auf Schlag, denn hinter dem Projekt steht zum einen niemand Geringerer als Florentino Pérez. Der milliardenschwere Real-Madrid-Präsident nennt ACS Cobra Teil seines Imperiums. Konzipiert und erbaut worden sind die Anlagen von SolarMillennium aus Deutschland. In der Funktion ähnelt Andasol dabei durchaus Öl- oder Kohlekraftwerken. Mit dem Unterschied, dass gebündelte Wärme der Sonne die Turbinen antreibt und nicht verfeuerte fossile Brennstoffe.

"Vorsicht" , rät Granados, denn kurz nach Sonnenaufgang wird es spürbar heißer nahe der Spiegel. "Mancher Besucher brauchte im Anschluss viel Aftersun-Creme", scherzt sie. Denn das Sonnenlicht wird mittels Spiegeln in Parabelform auf ein zentrales Rohr fokussiert. Im Inneren fließen in zwei Kreisläufen bei knappe 100 Bar Druck 2000 Tonnen Spezialöl. Dieses wird auf fast 400 Grad erhitzt.

Die zwei Türme

Überdimensioniert viele Paneele machen die Produktion der auf je 50 Megawatt angelegten Kraftwerke plan- und steuerbar. Nur so könne man fossilen und nuklearen Brennstoffen auch kommerziell Paroli bieten. Als Pionier liefert Andasol nämlich auch nachts Sonnenenergie an derzeit etwa 200.000 kleine Haushalte. Möglich machen den Nachtsolarstrom riesige Speicher. Der Clou steckt in zwei Türmen, wo rund 28.500 Tonnen Natrium- und Kaliumnitratsalze Sonnenwärme bei Temperaturen zwischen 291 Grad morgens und 386 Grad abends konservieren. Ausreichend für siebeneinhalb Stunden Vollbetrieb, von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang.

Aber die Tanks dürfen niemals unter 221 Grad abkühlen. Darum dient Erdgas im Winter, wenn die Temperaturen auf minus zehn Grad sinken, zum Heizen. 12.000 Euro im Jahr würde das kosten, sagt Granados. Ein geringes Übel, denn andernfalls würden die Salzlösungen fest werden und die Anlage stünde Monate still. Bei Unwettern gehen die Spiegel zwar in Deckung, aber gegen das Hobby eines Nachbarn, der auf die Spiegel schoss, sagt Granados, wäre alle Technik machtlos gewesen. Die Polizei stellte schließlich den Übeltäter.

Auch das eine oder andere Leck der Ölkreisläufe würde man stets schnell geortet und behoben haben. Wermutstropfen bleiben die 870.000 Kubikmeter Kühlwasser aus der Sierra Nevada, die ein Andasol-Werk jährlich verbraucht. Denselben Verbrauch ergäbe laut ACS Cobra die Bewirtschaftung des Areals als Ackerland. Ein weiteres Problem ist, dass die staubige Umgebung eine regelmäßige Reinigung der Spiegel mit heißem destilliertem Wasser verlangt. Man will den Boden nun bepflanzen, um der Erosion Einhalt zu gebieten, und auch an staubabweisenden Oberflächen werde zeitgleich getüftelt. Man leiste eben Pionierarbeit mit der nahen Plataforma Solar de Almería. So könnte auch Meerwasser bei der Energiegewinnung entsalzt werden.

Wenn Energie vereint

Andasol ist Vorbild für die Desertec-Wüstenstrom-Anlagen (der STANDARD berichtete). Unternehmen aus der Europäischen Union (EU), den Mittelmeerstaaten und dem Nahen Osten sollen mit über 400 Milliarden Euro Investitionsvolumen aus Nordafrikas Wüsten sauberen Strom in die EU liefern. Denn mit lediglich drei Prozent der Sahara-Fläche könnte man den Weltstrombedarf decken, schätzen Experten.

Mit Österreichs OMV, Spaniens Red Electrica, Marokkos Nareva Holding und Saint-Gobain Solar aus Frankreich fanden sich kürzlich neue Partner zu den 17 Desertec-Hauptgesellschaftern (unter anderem Deutsche Bank, EON, RWE oder Siemens). 2050 soll dann Europas Energiesicherheit dezentral und in den südlichen Mittelmeeranrainerstaaten gesichert sein. Und der rasant wachsenden Bevölkerung der Schwellenländer wie Algerien oder Marokko wären wirtschafts-, energie- und umweltpolitisch langfristige Perspektiven eröffnet.

Marokkos König Mohammed VI. will in dieser Dekade Milliarden Euros in den Solar-Sektor stecken, um sich an Afrikas Spitze in "nachhaltiger Energie" zu positionieren. Für die Regierung von Spanien, wo Baukräne verwaist in nie bewohnten Geisterstädten stehen, markiert die Kraft der Sonne und des Windes Hoffnungsschimmer für hunderttausende Arbeitslose. (Jan Marot aus Guadix, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.3.2010)

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Zophopas
29.03.2010 14:53
Solarstrom ist gut und den brauchen wir auch...

...nur dieser Artikel klingt schon wieder so, als ob Solarstrom aus der Wüste die Lösung all unserer Probleme wäre. Leider haben solche Megaprojekte, seien es nun riesige Solaranlagen in der Wüste oder hunderte von Windrädern oder Atomkraftwerke oder riesige Stauseen oder riesige Plantagen für Biosprit immer Nachteile und negative Auswirkungen. Immer wenn der Mensch glaubt, er muss etwas in riesigem Ausmaß bauen oder nutzen, gibs Probleme

Christoph ************
29.03.2010 15:42

Naja die Anlagen an sich sind wohl kaum "riesig", aber nur mit Klein und Kleinstanlagen wird der Bedarf auch kaum zu bedienen sein.

Uniquin
 
29.03.2010 15:42

mit den kleinen - windpark in parndorf - läßt sich halt nicht einmal die wiener u-bahn versorgen

poster1231
29.03.2010 13:59
wüstenstrom

kann mir bitte einer erklären wie der wüstenstrom nach europa gelangen soll, ohne dass zuviel verloren geht? beamen funktioniert hier nicht, lange leitungen verschlucken zu viel. und so leistungsfähige, transportable batterien gibt es wohl auch noch nicht?

mieswicht
29.03.2010 14:25

Wird über Hochspannungs-Gleichstromübertragung gemacht. Siemens hat da schon einige Systeme am Laufen.

Uniquin
 
29.03.2010 15:29

ist geplant das es so gemacht wird um genau zu sein. mal sehen was die uvp dazu sagt

Laem
 
29.03.2010 14:21
mittels HGÜ

Die Übertragung ist mit Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) geplant, Verlust von lediglich 3% pro 1000km. Alles nachzulesen auf www.desertec.org...

brrrrrr
29.03.2010 13:53
Ökonomisch- und ökologischer Unsinn

Solarenergie ist leider noch nicht so weit, die absurd hohen Vergütungspreise ein Schuss ins eigene Knie.
Mit der selben Summe könnte man ein vielfaches aus Windkraft ziehen, selbst im sonnigen Spanien.

Christoph ************
29.03.2010 15:44

Streuung der Energiequellen ist kein Unsinn aus vielerlei Hinsicht. Solarthermische Kraftwerke sind weiters deutlich günstiger und effizienter als Photovoltaik.

lobo marunga
29.03.2010 13:02

könnten solche dinger auch einfluss auf das microklima haben? entziehen ihrer umgebung ja doch einiges an energie. keine ahnung ob das kopletter blödsinn ist vielleicht gibt es ja geneigte user welche kompetent sind. :-))

Uniquin
 
29.03.2010 15:32

Das Problem könnten eher die Wolken die vom verdunstenden Wasser der Kühltürme kommen sein. Wie das bei einem Einzelkraftwerk aussieht kennt man ja, wie das bei einem Bündel an Kraftwerken aussieht wird sich zeigen -und ob das einen Teil der Kraftwerke beschattet, vor allem durch Nebel in den kühlen Morgenstunden der Wüsten.

more happy is coming
29.03.2010 12:26

Ich will niemanden schrecken: Aber bei fast allen Kraftwerken ist der weiße Rauch einfach nur Wasserdampf! Sogar bei denen mit den Atomen.

Urfahraner Auge
29.03.2010 15:34
Aber Vorsicht,

ich habe gehört, dass der Wasserdampf angeblich aus heißen Atomen bestehen soll ...

Der Spiegel
29.03.2010 21:10
...Vorsicht, Vorsicht

manch einer glaubt sogar, dass es Moleküle seien...

Urfahraner Auge
29.03.2010 21:14
Sind die noch gefährlicher als Atome?

"kühle" klingt für mich harmloser. Die helfen dann doch gegen den Treibhauseffekt.

r w
29.03.2010 18:26
lol ;-)

Der Waehlerwille
 
29.03.2010 11:48
es wäre DIE zukunft schlechthin

für die nördlichen mittelmeeranrainerstaaten .. sich als energielieferanten zu etablieren.

als ökologische noch dazu.

verwüstete flächen gibt es wahrlich genug mittlerweilen.

und durch vergleichbare investitionen in nordafrika oder gleich rüber bis an den golf macht sich die EU nur abhängig von staaten die auch jetzt schon kartellartig erpresserdruck ausüben können.

desertec auf europäisch .. das ist die eigentliche zukunft.

Uniquin
 
29.03.2010 12:47

Den Strom kauft ihnen nur niemand ab da unbezahlbar. Was glaubst warum das Wüstenprojekt so schleppend loslegt - weil die Verhandlungen über Jahrzentelange Abnahmegarantien zu überhöten Preisen nicht schneller gehen

Außerirdischer
29.03.2010 09:31
''Denn mit lediglich drei Prozent der Sahara-Fläche könnte man den Weltstrombedarf decken, schätzen Experten. ''

Uniquin
 
29.03.2010 09:43

dann sollte man andere experten fragen, publizistikstudenten sind die falschen.
lebensdauer der spiegel bei sandsturm bedacht, somit die spiegelfläche in der größe von 3 prozent der sahara jährlich tauschen und gleichzeitig die funktion aufrecht erhalten?? allein der schatten der monteure....

wer wenn nicht er
29.03.2010 13:40
Eh, und?

Alle wissen, dass Erdgas, Öl und Kohle DESHALB die Welt dominieren, weil sie am BILLIGSTEN sind.

Windradln und andere Alternativen gibt es nur, weil sie IMMENS gefördert werden. Sie waren auch zu 150 Euro Ölpreis nicht rentabel.

Dennoch: Die Energiepreise werden steigen. Spätestens am Ende der Rezession. Ab 300 Euro pro Barrel dürfte Solarturmtechnik rentabel sein.

Keine Sorge: Sobald sich das rechnet, werden die Amis einsteigen, und die haben nette Wüsten und Halbwüsten nahe großen Ballungszentren (in Kalifornien, Nevada, Texas...).

Sobald man alternative (vom Öl unabhängige) effiziente Energiespeicher hat (z.B. Wasserstoff), wird die Energieproduktion in politisch stabile Wüstenregionen wandern, z.B. Australien...

Ivan Bukov
29.03.2010 14:17

Stichwort Shale Gas.... Das mit den Solarkraftwerken und dem "spaetestens mit Ende der Rezession" koennen sie vergessen! (Leider denn es gibt gute Ansaetze)

wer wenn nicht er
29.03.2010 16:33
Bei Erdgas haben die USA schon heute ein Problem, das Europa erst 20 Jahre später treffen wird:

Die müssen bereits große Mengen tiefkühlverflüssigtes Gas (bei dessen Kühlung ca. 30% der transportierten Menge verschwendet werden) importieren.

Der dortige Gaspreis liegt somit deutlich höher als in Europa, wo Nordsee, Russland in bald auch der vordere Orient ("Nabucco") liefern.

Die von Ihnen erwähnten Techniken rechnen sich (ähnlich Tiefseeöl und Ölsand) erst ab einem höheren Preisniveau, das wir vor ca. 10 Jahren erreicht haben (bis ca. 2000 30 Jahre lang ca. 15-25 USD, ab 2005 ca. 60-100 USD).
Seither wurden 5-10% Biosprit beigemischt, Tiefsee und Ölsand erschlossen, der Exportstop des Irak aufgehoben, halb Afrika erschlossen usw.

Alles damit sich die Preise gerade mal stabilisierten. In einer Weltwirtschaftskrise. Auf 60-80 USD.

Ivan Bukov
29.03.2010 21:50

Recherchieren sie mal Shale Gas!
Oder genauer Atrium-, Barnett-, Muskwa, oder Caney Shale!
Die USA importieren seit Monaten ueberhaupt kein Gas mehr und die LNG Terminals die sie ansprechen werden mittlerweile fuer den Gas export verwendet. Was glauben sie warum der Gaspreis trotz Rekordwinter nicht angestiegen ist?
Tja so aendern sich die Zeiten...

PS. Nachzulesen im Economist wenn es sie tatsaechlich interessiert!

wer wenn nicht er
02.04.2010 13:23
Veröffentlichungen zu Shale Gas:

So weit ich das Thema inzwischen überblicke, dürften vor Allem jene damit einfahren, die bisher auf massiv steigenden Bedarf für Gastransporte per Schiff gesetzt haben.

Im wesentlichen wird damit nämlich das jehe Ende der US-Gasproduktion hinaus gezögert. Konventionelles Gas ist dort in ca. 15 Jahren ja alle.

In Europa könnte das Thema die rasch steigende Abhängigkeit von Russland milden, da auch hier die Gasproduktion rasch zurück geht (ca. -10%).

Damit könnte zB Katar auf GtL-Anlagen umsteigen und so tatsächlich den Ölpreis entwas drücken.

Alles in allem halte ich aber den Einfluss auf den Ölpreis für eher gering, vielleicht so wie die Biospritbeimengungsgesetze der letzen 5 Jahre... Der Bedarfsanstieg von 2 Jahren wird damit gedeckt.

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