Lenzbedingte Serviceengpässe

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    foto: wolf-dieter grabner

Um den Preis, uns Service-Luschen verhöhnen zu dürfen, macht B. unsere Räder frühjahrsfit und bereut bald

B. ist genervt. Schuld ist ein unbedachtes Wort. Er verstehe, hatte B. posaunt, das Problem nicht. Ein Radservice sei doch simpel. Das schaffe jeder. Aber da er gerne helfe, sollten wir zu ihm kommen: Übers Wochenende – und um den Preis, uns Service-Luschen verhöhnen zu dürfen – mache er unsere Räder frühjahrsfit.

Längst bereut B.: Bei ihm stehen gerade zwölf Fahrräder. Schließlich heißt die Alternative zum radlosen Weekend 14 Tage ohne Rad – zumindest jetzt, zum Frühlingsausbruch. Gut 14 Tage dauert es nämlich derzeit, bis in guten Bikeshops ein Service-Slot frei ist, erklärt Michael Ferdiny. Sobald der Lenz lockt, so der Wiener Radhändler, sollen alle Räder rollen. Sofort. Aber trotz Sonderschichten sind Radservice-Wartezeiten jetzt länger als (Auto-)Winterreifenwechselzeiten nach dem ersten Schnee: Es gebe, stöhnt Ferdiny, immer weniger Radmechaniker für immer mehr Radler. Und Letztere dächten wie Autofahrer: Öl- und Reifenwechsel sind keine Kunst, trotzdem lässt man den Tankwart ran.

Mehr selbst machen als Radwäsche, Reifen-, Brems- und Schaltungskontrolle empfiehlt Ferdiny auch kaum wem: Selberschrauben geht meist daneben. Tonnen an guter Literatur ändern daran nichts: Männer lesen keine Handbücher. Nicht, wenn es ums Rad geht. Unter Anleitung mitschrauben würden sie aber gerne. Deshalb will Ferdiny Mitmach-Servicepakete entwickeln. Leider erst im Herbst. Denn jetzt muss es in den Shops ja schnell gehen – schon weil B. sonst bis in den Mai kein freies Wochenende mehr hat. (Thomas Rottenberg/DER STANDARD/Automobil/26.3.2010)

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